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Kaffee

16.11.2017

Coffee to go: Wie umweltfreundlich sind Bambusbecher wirklich?

In Deutschland werden jährlich fast 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher verbraucht. Anbieter liefern deshalb Anreize für ihre Kunden, Mehrweg-Becher zu verwenden.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Wer umweltbewusst leben will, bringt oft seinen eigenen Bambusbecher mit ins Café. Doch wie sinnvoll ist diese Alternative?

Zu 100 Prozent aus organischem Material, natürlich, recycelbar und dazu noch wiederverwendbar und spülmaschinenfest: Die Werbeversprechen für Bambusbecher klingen verheißungsvoll. Doch halten sich die Hersteller daran? Experten sind anderer Überzeugung.

Sebastian Seibel, der bei der Deutschen Umwelthilfe als Projektmanager für die Kreislaufwirtschaft zuständig ist, sagt: "Entgegen der Werbeaussagen werden Produkte aus Bambus oder Maismehl nicht ausschließlich aus natürlichen Materialien hergestellt." Um den Becher Stabilität zu verleihen, verwenden die Hersteller häufig synthetische Kunststoffe wie Melaminharz. Das ergaben Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart (CVUA). Der Anteil der Bambusfasern lag in einzelnen Proben gerade einmal bei 20 bis 37 Prozent.

Biokunststoff hat keinen Vorteil gegenüber synthetischem Plastik

Diese Zahlen gelten für die hübschen, bunten Kaffeebecher und das praktische Einweggeschirr, denen man auf Anhieb gar nicht ansieht, dass sie aus Bambus bestehen. Salatbesteck und Schüsseln, bei denen die Holzstruktur sichtbar ist, können durchaus vollständig aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus bestehen.

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Allerdings werben Hersteller häufig auch dann damit, dass ein Produkt aus Bambusfasern besteht, wenn diese nur die Kohlestoffbasis für den verwendeten Kunststoff bilden. Das ist laut Deutscher Umwelthilfe beispielsweise auch bei Textilien der Fall, die laut Etikett aus Bambus hergestellt sind. Dieser sogenannte Biokunststoff hat laut Umweltschützern keinen Vorteil gegenüber synthetisch hergestelltem Plastik, was am hohen Energieverbrauch in der Herstellung liegt.

Immerhin: Gesundheitsschädlich sind die Mehrweg-Kaffeebecher aus Bambus nicht, auch wenn sie Melamin enthalten – solange das Material nicht mit Temperaturen über 70 Grad in Verbindung kommt. Bei großer Hitze besteht die Gefahr, dass sich das Material löst und sich mit den Nahrungsmitteln verbindet. Bei Temperaturen um 50 Grad können die Becher aber problemlos in der Spülmaschine gereinigt werden, falls sie als spülmaschinenfest gekennzeichnet sind. Bedenklicher als den gesundheitlichen Aspekt stuft Malte Glüder, Laborleiter des Zentrallabors für Bedarfsgegenstände der CVUA, die Verbrauchertäuschung ein. Häufig würden Kunden davon ausgehen, dass Bambusgeschirr vollständig aus natürlichen Materialien besteht und außerdem recycelt werden kann.

Entscheidend ist, dass die Produkte lange verwendet werden

Doch dieses Versprechen ist laut Seibel von der Deutschen Umwelthilfe auch falsch. Da Becher und Besteck meist aus einem Stoffgemisch aus Bambus und synthetischem Kunststoff bestehen, können sie nur verbrannt werden – deshalb fällt die Umweltbilanz sogar noch schlechter aus als bei anderem Einweggeschirr. Und auch bei Mehrwegbechern aus Bambus sieht die Deutsche Umwelthilfe keinen Vorteil gegenüber Bechern aus stabilem Plastik oder Edelstahl. Entscheidend ist Seidel zufolge, dass die Produkte lange verwendet werden – und das geht nur mit einer guten Qualität. Ob es dann aus Edelstahl, Porzellan, stabilem Plastik oder Bambus besteht, spielt nach Überzeugung der Umweltorganisation dann keine große Rolle mehr. Viel wichtiger ist, dass ein Mehrweg-Kaffeebecher gut gespült werden kann und dicht hält. Dann wird er auch oft genutzt.

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