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Photovoltaik

08.07.2020

Die Solar-Cloud speichert Strom auch für den Winter

Die Technik mit und für Photovoltaikanlagen wird immer ausgefeilter: Inzwischen lässt sich sogar ein virtuelles Stromkonto einrichten.
Bild: Bernhard Weizenegger

Besitzer von Photovoltaikanlagen können jetzt mit einem virtuellen Stromkonto zumindest rechnerisch selbst erzeugten Strom zu 100 Prozent nutzen.

Möglichst viel des auf dem Hausdach produzierten Solarstroms selbst zu verbrauchen – das wollen all jene Besitzer von Photovoltaikanlagen, die nicht mehr von einer hohen Einspeisevergütung früherer Jahre profitieren. Ein Stromspeicher hilft dabei. Mit seiner Hilfe lässt sich klimafreundliche Sonnenenergie vom Tag auch abends und in der Nacht nutzen. Damit kann die Eigenverbrauchsquote von 30 auf bis zu 80 Prozent erhöht werden. Aber was der Stromspeicher wegen seiner begrenzten Kapazität nicht kann, ist, überschüssigen Strom aus dem Sommer in den Winter hinüberzuretten – für jene trüben Tage, an denen zu wenig Strom vom Dach kommt.

Ein virtueller Stromspeicher funktioniert wie ein Girokonto

Mit virtuellen Speichern bekommt man als PV-Anlagenbesitzer zumindest rein rechnerisch die Möglichkeit, 100 Prozent seines Solarstroms nutzen zu können. Unter anderem bietet die Lechwerke AG ihren Kunden eine solche Solar-Cloud an.

Das Ganze ist vergleichbar mit einem Girokonto, ein reines Verrechnungskonto für Strom. In Zeiten, in denen die Photovoltaikanlage mehr Strom erzeugt, als verbraucht wird oder mithilfe des hauseigenen Speichers gespeichert werden kann, schreibt der Solar-Cloud-Anbieter die überschüssige Energie quasi auf einem Konto gut. Diese Energiemenge kann dann im Bedarfsfall wieder abgerufen werden. Da der Anbieter dafür in der Regel keine echten Stromspeicher vorhält, wird der überschüssige Solarstrom faktisch gesehen vom Hausdach natürlich ins Netz eingespeist und bei Bedarf wird auch wieder Strom aus dem Netz bezogen. Und wie beim Girokonto üblich, kann man auch das Solarkonto überziehen – sprich wer mehr Strom braucht, als in seinem virtuellen Speicher vorhanden ist, muss nicht im Dunklen sitzen, sondern wird weiter mit Strom versorgt, für den dann in der Regel handelsübliche Preise fällig werden.

Lohnt sich die Solar-Cloud trotz Gebühren?

Umsonst ist die Nutzung der Solar-Cloud natürlich nicht. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach der Größe des virtuellen Speichers, die man wählen kann. Sie sollte sich an den Überschüssen der Photovoltaikanlage und dem Reststrombezug aus dem Stromnetz orientieren.

Ob sich die Solar-Cloud am Ende wirklich lohnt, muss im Einzelfall geprüft werden. Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit gilt neben der Gebühr für die Cloud unter anderem zu berücksichtigen, dass der Solar-Cloud-Anbieter für den Strom, der in die Solar-Cloud eingespeichert wird, die Einspeisevergütung für sich vereinnahmt. Auf was man aus ökologischer Sicht unbedingt achten sollte: Stammt der Strom, den man als Solar-Cloud-Kunde bei Bedarf aus dem Stromnetz zurückerhält, auch aus erneuerbaren Energiequellen?

Die Firma Sonnen aus Wildpoldsried im Oberallgäu, Marktführer für Batteriespeicher in Europa, hat ein eigenes Konzept für Besitzer von Photovoltaikanlagen und Stromspeichern entwickelt: die Sonnen-Community. Deren Teilnehmer, die eine monatliche Gebühr bezahlen, sind über ihre intelligenten Batteriesysteme miteinander verbunden. So ist eine große Plattform für einen virtuellen Stromaustausch entstanden. Das Prinzip: Übersteigt der Energiebedarf eines Mitglieds in einem Ort, wo gerade keine Sonne scheint, dessen eigene Solarstromreserve, hilft die Community automatisch mit nicht benötigter Energie aus einer anderen, sonnigen Region aus.

Zum Autor: Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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