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Ernährung
20.09.2021

Bohne im Aufwind: Soja wird immer häufiger auch in Bayern angebaut

Sojabohnen sind eiweißhaltig und werden derzeit in Bayern vermehrt angebaut.
Foto: Orlin Wagner/AP, dpa

Schon einmal Tofu aus Augsburger Sojabohnen gegessen? Das ist kein Ding der Unmöglichkeit. In der Region wird so viel von der eiweißhaltigen Frucht angebaut wie nie zuvor.

Getreide und Zuckerrüben – dafür ist die Region bekannt. Aber Soja? Tatsächlich erlebt hier der Anbau der eiweißhaltigen Ackerfrucht eine Art Boom. Und die Bio-Landwirte sind deutlich mit von der Partie. David Wetzstein erklärt, dass sie mehr als ein Viertel der Ernte bestreiten. Er kümmert sich mit seinen Kollegen in der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH in Pöttmes im Kreis Aichach-Friedberg um den Vertrieb. Auch bei Soja handelt es sich in der Regel um Kontrakt-Anbau, das heißt: Die Ernte wird schon vor der Aussaat verkauft.

Markus Jakob aus Allmering bei Rehling ebenfalls im Kreis Aichach-Friedberg zählt mit einer Handvoll Bio-Bauern zu den Soja-Pionieren. 2003, mit der Umstellung seines Betriebes auf Biolandbau, baute er erstmals die 70 bis 80 Zentimeter hohe Pflanze an. „Als Stickstoffsammler und Eiweißlieferant erschien sie uns ideal für den Ökolandbau. Die größte Herausforderung war, die Beikräuter mit Hacke und Striegel zu beseitigen. Nicht immer gelang das in den Anfangsjahren wie gewünscht“, erinnert sich der heute 48-Jährige. Waren Beikräuter (für den Laien Unkraut) und Soja gleichauf, wurde das von manchem skeptischen Beobachter gerne belächelt.

Soja-Sprossen für Rohkost, Salat und den Wok

Aber mit den Jahren wurden aus Kritikern echte Befürworter, die die Qualität des selbst angebauten Sojas sehr schätzen. Auch einen Schweinezüchter kennt Markus Jakob, der seine Sauen nur noch damit füttert, weil sie ihre Ferkel so wesentlich besser mit Milch versorgen. Der Biobauer jedenfalls freut sich, dass er trotz Höhen und Tiefen bei Soja geblieben ist und der Anbau in den letzten Jahren stabil gelingt. Auf dem Feld knipst er eine Schote auf, um mir die prallen Kerne zu zeigen, die dicht an dicht darin liegen. Drei an der Zahl. „Ich ziehe Sprossen daraus“, sagt er. Geht ganz einfach, indem man Kerne zum Keimen in ein feuchtes Küchenhandtuch legt. Kleine feine Vitaminbomben für Rohkost, Salate oder den Einsatz im Wok.

Aus Tofu, Avocado und anderen Zutaten lässt sich eine schmackhafte Bowl zubereiten.
Foto: Christin Klose, dpa

Die Sojabohnen aus der Region verkaufen sich gut. Ein Teil wandert nach Großaitingen, wo die Firma Meika sie unter anderem für die Allgäuer Supermarktkette Feneberg zu Tierfutter verarbeitet. Der andere Teil geht über einen Händler in München weiter nach Norddeutschland. Dort werden Tofu, Sojadrinks und Sojajoghurt daraus gemacht, weil es im Süden der Republik bislang keinen Lebensmittelproduzenten mit vergleichbaren Kapazitäten gibt.

Heimisches Soja statt Importware aus Amerika

Dass Soja aus der Region so gefragt ist, wundert Bio-Landwirt Jakob nicht: „Unsere Sojabohnen sind kräftig gelb und von hoher Qualität, ganz anders als die blasse, zweit- oder drittklassige Importware aus Mittel- und Nordamerika.“

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Wie viel Tonnen Soja er dieses Jahr erntet, weiß er noch nicht. Der Hagel hat ihm Ende Juni die Pflanzen auf einem sieben Hektar großen Feld zerschlagen. Zum Glück ist er versichert. Bleibt noch der Ertrag von einem Acker mit drei Hektar. Da stehen die Sojabüsche gut: saftig grün, dicht an dicht in Reihen gepflanzt und mit vielen Schoten besetzt. „Wenn jetzt noch ein paar Tage lang so die Sonne scheint, sind die Schoten bald braun und reif. Dann rascheln die Kerne darin wie in einer Rassel“.

Tofu besteht aus weißen Sojabohnen, die zu Sojamilch verarbeitet und anschließend - ähnlich wie bei der Herstellung von Käse - mithilfe von Gerinnungsmitteln zu Blöcken verarbeitet werden.
Foto: Franziska Gabbert, dpa

Zwischen 2009 und 2020 ist die Anbaufläche für Soja in Bayern im konventionellen wie im Bio-Bereich um den Faktor 20 auf 18500 Hektar angewachsen. „Vor allem in den vergangenen vier, fünf Jahren sind die Zahlen fast explodiert“, beobachtet Klaus Meitinger aus Großaitingen die Lage. Selbst Bio-Landwirt baut er zwar kein Soja an, dafür kümmert er sich nach der Ernte als einer von wenigen Spezialisten im Süden um die Feinreinigung der Soja-Bohnen, hat sich dazu eigens Maschinen zugelegt. Eine Arbeit, die Wissen und Fingerspitzengefühl erfordert: Nur heile Bohnen werden zur Speiseherstellung verwendet. „Bruch“ muss herausgereinigt werden und wird wie Sojabohnen mit einem geringeren Eiweißgehalt nach der Prüfung durch ein externes Labor zu Tierfutter gemacht. Wichtig ist auch, dass die Bohnen möglichst wenig Verunreinigungen aufweisen, weil Speise-Tofu sonst zu dunkel würde. Doch Klaus Meitinger versteht sein Geschäft, mit dem er sich unter anderem in den kalten Monaten des Jahres Lohnarbeit auf den Hof holen kann.

„Soja stellt keine hohen Ansprüche“, sagt Landwirt Markus Jakob. „Im Gegenteil, die Pflanze gibt dem Boden viel zurück.“
Foto: Andrea Schmidt-Forth

Gute Frucht für die Bio-Landwirtschaft

Die Bio-Landwirte in der Region bringen es inzwischen zusammen auf mehr als 2000 Tonnen, auch die 3000 Tonnen haben sie schon im Visier. Dass immer mehr von ihnen auf den Zug Soja aufgestiegen sind oder aufsteigen, hat viele Gründe:

  • Soja bringt im Bio-Anbau gleichwertigen Ertrag wie im konventionellen Anbau. Bei Getreide zum Beispiel erreicht ein Bio-Landwirt hingegen nur 50 bis 60 Prozent des Ertrags seines konventionell arbeitenden Nachbarn.
  • In den letzten Jahren haben sich die Bedingungen, Ernte-Methoden und Strukturen immer weiter verbessert. Wer auf einen Mähdrescher mit „Flex-Tisch“ zurückgreifen kann, steigert seinen Ertrag zusätzlich, da die Schoten, die bodennah sitzen, mitgeerntet werden können.
  • Bio-Verbände wie Vermarktungsgesellschaft bieten Umsteigern aus dem konventionellen in den Bio-Anbau gezielt eine Fachberatung zu Soja an.
  • Hält der Landwirt der Pflanze die Beikräuter vom Hals, im Bioanbau durch das aufwendige Hacken und Striegeln, ist die Pflanze zufrieden. „Soja stellt keine hohen Ansprüche. Im Gegenteil, die Pflanze gibt dem Boden viel zurück“, erklärt Markus Jakob. Stickstoff und eine tolle Bodengare zum Beispiel. Dafür sorgen die Knöllchenbakterien, die wie kleine Trauben an den Wurzeln der Pflanze sitzen.
  • Damit die Sojapflanze in unseren Breiten wachsen kann, braucht sie allerdings Starthilfe. Weil die Bakterien, die sie für die unterirdische Knöllchenbildung braucht, hierzulande in der Erde nicht vorhanden sind, werden die Samen damit „geimpft“. Das heißt an Torf gebundene Bakterienkulturen werden mit Melasse an das Saatkorn gebunden.

Und noch über etwas freut sich der Landwirt. Über seinem Feld gondeln viele Schmetterlinge in der Sonne: „Soja scheint auch ein Paradies für Insekten zu sein.“

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