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Islam
18.12.2018

Toblerone wird "halal" produziert: Was bedeutet das eigentlich?

Toblerone erlebt einen rechten Shitstorm, weil die Schokolade "halal" produziert wird. Aber was heißt das eigentlich genau?
Foto: Andy Rain, EPA/dpa

Die Schweizer Firma Toblerone erlebt einen rechten Shitstorm, weil ihre Schokolade "halal" produziert wird. Dabei hat sich an der Rezeptur nichts geändert.

Die Schweizer Firma Toblerone hat bekannt gegeben, dass ihre berühmte dreieckige Schokolade "halal" produziert wird – dafür gibt es im Netz nun Ärger. Die Schokolade wird zwar vom US-amerikanischen Hersteller Mondelez produziert, die weltweit einzige Tobleronefabrik steht aber in Bern. Von dort werden 97 Prozent aller Schokoladen exportiert, in 122 Länder der Welt – darunter nicht wenige muslimisch geprägte. Aus diesem Grund hat die Firma ihre Fabrik nun als "halal" zertifizieren lassen.

"Halal" ist ein arabisches Wort (حلال) und bedeutet so viel wie "erlaubt". Es bezeichnet Dinge und Handlungen, die nach islamischem Recht zulässig sind. Im Lebensmittelbereich kennzeichnet das Wort "halal" Speisen, die den Reinheitsgeboten des Koran entsprechen. Sind sie es nicht, gelten sie als "haram", verboten.

Obwohl sie jetzt "halal" ist, hat sich an der Rezeptur der Schokolade überhaupt nichts geändert. Toblerone hat sein "Halal"-Zertifikat bereits seit April dieses Jahres. Auf den Schachteln wirbt der Mutterkonzern Mondelez allerdings nicht mit dem Label. Man wollte verhindern, dass Kunden mit Boykottaufrufen reagierten, schreibt die Schweizer Zeitung Blick .

Rechte rufen zum Toblerone-Boykott auf

Nun ist genau das trotzdem passiert. Die islam-konforme Produktion der Schokolade wurde durch die Blick-Berichterstattung bekannt und daraufhin in Sozialen Netzwerke heiß diskutiert. Rechte rufen zum Boykott der Schokolade auf, andere machen sich darüber lustig oder versuchen, die Nachricht einzuordnen.

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Blutwurst, Joghurt, Gummibärchen: Welche Lebensmittel sind "haram", welche "halal"?

Doch wann genau sind Produkte "halal"? Die Verbraucherzentrale informiert, dass die islamischen Rechtsquellen - Koran und Sunna - Speisevorschriften wie "halal" ohne eine klare Einordnung von Lebensmitteln beschreiben. "Ob ein Lebensmittel in die 'halal'-Kategorie fällt, ist von verschiedenen Kriterien abhängig, die von islamischen Rechtsgelehrten zum Teil unterschiedlich ausgelegt werden. Es existieren auch keine für alle Muslime gültigen Listen von Lebensmitteln, die ausdrücklich als 'halal' gelten."

Lebensmitel, die nicht "halal" sind, werden als "haram" (arabisch ,حرام; "verboten") bezeichnet. Diese sind typischerweise:

  • Schweinefleisch oder mit dessen Bestandteilen hergestellte Produkte (zum Beispiel Zwiebelkuchen mit Speck, Mettbrötchen)

  • gelatinehaltige Joghurts, Torten und Gummibärchen

  • Alkohol und Lebensmittel, die diesen enthalten (zum Beispiel gefüllte Pralinen; auch Spuren von Alkohol oder Trägerstoff etwa bei Aromen, Farbstoffen)

  • bluthaltige Lebensmittel (zum Beispiel Blutwurst)

Der Begriff "halal" ist in der Europäischen Union lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Bisher gibt es keine einheitlichen Standards, die bei einer Zertifizierung überprüft werden, weshalb viele unterschiedliche "halal"-Siegel exisiteren. Die Verbraucherzentrale kritisiert: "Für Verbraucher ist selten klar, wie sich diese unterscheiden beziehungsweise welche konkreten Kriterien zugrunde liegen. Während einige Zertifizierer Fleisch als "halal" siegeln, wenn Elektrokurzzeitbetäubung oder Bolzenschussapparate eingesetzt wurden, legen andere die betäubungslose Schächtung zugrunde."

Bei der Zertifizierung eines Produkts als "halal" geht es nicht nur um die Zutaten, sondern auch darum, ob die Bestimmungen im Produktionsprozess eingehalten werden. Je nach Zertifizierer wird zum Beispiel die Reinigung und Pflege der Anlagen mit Alkohol oder Schweinefett unterschiedlich bewertet. Im Sinne des Korans werden auch ethische Gesichtspunkte bewertet: Produkte, die durch Kinderarbeit entstehen, sind ebenso "haram" wie Lebensmittel aus Massentierhaltung. Auch in der Medizin-, Pharma-, Kosmetik-, Mode- und Bankenbranche gibt es "Halal"-Standards.

Zentralrat der Muslime: Halal-Siegel nicht nur aus Marketinggründen benutzen

Und was sagen die Betroffenen, also Muslime, zur "Halal"-Toblerone?

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, erklärt in einem Stern-Interview: "Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, ein Produkt so herzustellen, dass bestimmte Gruppen von Menschen es dann auch konsumieren können. Aber man sollte das natürlich nur bei solchen Produkten machen, bei denen dies überhaupt Sinn ergibt. Wichtig ist mir immer, dass eine Ernsthaftigkeit zu erkennen ist und 'Halal'-Siegel nicht nur aus Marketinggründen benutzt werden, welche dann Tür und Tor auch für Missbrauch öffnen könnten." (sli)

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