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Bezahlen per Smartphone

30.01.2019

Kunden setzen lieber auf Bargeld statt auf mobiles Bezahlen

Etwa ein Viertel der Deutschen kann sich nicht vorstellen, jemals auf Bargeld zu verzichten.
Bild: Monika Skolimowska, dpa (Symbol)

Wer möchte, kann in vielen Supermärkten längst via Handy bezahlen. Doch die meisten Kunden wollen nicht. Der Hauptgrund: Sie halten die Methode für unsicher.

Wenn es nach Teilen der Internetindustrie geht, dann gehören schmuddelige Geldscheine und klebrige Münzen bald der Vergangenheit an. Mit Macht und großen Werbe-Etats drängen Unternehmen wie Google oder Apple darauf, dass die Verbraucher ihr Portemonnaie wegschmeißen und stattdessen mobil mit dem Smartphone oder mit ihrer Smartwatch – also dem Smartphone in Armbanduhr Format – bezahlen. Die Kunden allerdings finden diese Art des Bezahlens bisher überhaupt nicht smart, wie eine aktuelle Studie des Branchenverbandes Bitkom ergibt. Demnach haben 70 Prozent der Deutschen noch nie mobil bezahlt. Und viele haben es auch nicht vor.

Nur 30 Prozent, und damit nicht einmal ein Drittel der Konsumenten, beglichen ihre Schuld schon einmal mobil. Dabei kam vor allem (26 Prozent) die sogenannte Near Field Communication (NFC) auf dem Smartphone zum Einsatz. Es handelt sich um eine Übertragungstechnik, die in einer Entfernung von wenigen Zentimetern den kontaktlosen Austausch von Daten ermöglicht. Weitere 23 Prozent bezahlten mit dem QR-Code auf ihrem Handy, nur schlappe drei Prozent hielten zum Bezahlen locker ihre Smartwatch vor das Lesegerät an der Kasse.

Ein Grund für das Festhalten an altbewährten Bezahlmethoden sind Sicherheitsbedenken. Immerhin 60 Prozent der Befragten gaben sie als häufigste Hürde an. Weitere 28 Prozent halten den Bezahlvorgang für zu kompliziert. Warum genau Verbraucher den mobilen Bezahlvorgang für so kompliziert halten, ermittelte die Studie aber nicht. Bitkom-Präsident Achim Berg fühlte sich indes dem Hinweis an die Industrie verpflichtet, es gebe doch noch „technisch einiges zu tun für die Hersteller, um es so einfach wie möglich zu machen“.

Studie: Deutsche vertrauen dem Bargeld

Banken und Sparkassen dürfen der Studie zufolge frohlocken und auf weiterhin gute Geschäfte hoffen. Wenn Verbraucher mobil bezahlen, dann vertrauen sie zu knapp mehr als einem Drittel ihrer Hausbank. Finanzdienstleister wie Paypal sowie Internetanbieter liegen da mit 14 Prozent Vertrauen schon deutlich zurück. Aber auch die Bezahl-App der VR-Banken, Kwitt, schnitt nicht besser ab. Die Hersteller von Smartphones und Smartwatches kommen auf eine Vertrauensquote von zehn Prozent – und mehr als jeder Fünfte vertraut überhaupt keinem dieser Anbieter.

Vertrauen haben die Deutschen der Studie zufolge aber in ihr Bargeld. Demnach schließen 26 Prozent den Verzicht auf Bargeld kategorisch aus, 28 Prozent beantworteten die Frage nach ihrer Bereitschaft auf Bargeldverzicht mit „eher nein“. Nur 17 Prozent behaupten, dass sie in Zukunft „auf jeden Fall“ auf Scheine und Münzen verzichten wollen, 26 Prozent wollten das zumindest nicht ausschließen.

Datenschützer sind ob des Vorwärtsdrangs von Hightech-Giganten wie Apple oder Google skeptisch. Sie argwöhnen, das mobile Bezahlen sei nur ein weiterer Arm für die Datenkraken, ein weiteres Instrument, das Konsumverhalten der Verbraucher auszuspähen.

Beim „Safer Internet Day 2019“ trat die für Verbraucherschutz und Justiz zuständige Ministerin Katarina Barley anlässlich der Vorstellung der Studie denn auch auf die Euphorie-Bremse. „Wir stehen den neuen Bezahltechnologien ganz offen gegenüber, legen aber natürlich Wert darauf, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher datenrechtlich geschützt werden“, zeigte die SPD-Politikerin die Grenzen des digitalen Hypes auf. Und wer genau zuhörte, der glaubt nicht daran, dass das mobile Zahlen sich in Deutschland so schnell ausbreiten wird. Denn die Politik hat einige Ideen, die dem Datenschutz zuträglich sein können, die Ausbreitung des mobilen Bezahlens und andere vermeintliche Innovationen aber möglicherweise verlangsamen werden.

"Daten-TÜV" für vernetzte Geräte?

So soll es eine Software-Update-Verpflichtung für die Hersteller geben, wie Katarina Barley erklärte. Sicherheitslücken, die sich immer wieder aufs Neue auftun, sollen damit gestopft werden. Wenn ein Unternehmen ein fehlerhaftes Produkt anbietet, soll es in Zukunft möglichst dafür haftbar gemacht werden können. Schon länger denkt die Große Koalition in Berlin darüber nach, ob man bei einem fehlerhaften Verhalten eines Unternehmens zur Strafe die Gewinne einkassieren kann, „Gewinnabschöpfungsklage“ ist das Schlüsselwort. Justizministserin Barley verwies zudem auf die schon länger bestehende Idee, einen „Daten-TÜV“ etwa für die Geräte zu schaffen, die sich vom Benutzer unbemerkt mit anderen Geräten vernetzen können.

Ein Grundproblem können Internetwirtschaft und Gesetzgeber sowieso nicht lösen. Wenn das mobile Konto, das laut Werbeslogans „immer dabei ist“, keine Deckung mehr aufweist, dann nützen auch die fortschrittlichsten Bezahlmethoden nichts.

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