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25.05.2018

Privatkredite – immer am Rand an der Überschuldung entlang?

Günstiges Geld gibt es auch im Internet.
Bild: Christin Klose, dpa

Ist die schöne bunte Konsumwelt dafür verantwortlich, dass die Zahl der verschuldeten Privatpersonen immer weiter zunimmt – trotz wirtschaftlicher Beständigkeit und sinkender Arbeitslosigkeit?

Nicht alle Schuldner haben finanzielle Probleme, weil sie den Versuchungen erliegen. Differenzierungen sind angebracht.

Darf es etwas mehr sein?

Wer sich Geld leihen will, geht zu Bekannten oder zu einem Geldinstitut. Normalerweise werden Kredite an Privatpersonen von Banken vergeben. Doch nicht jeder bekommt die benötigte Geldsumme. Gerade Personen mit mittlerer Bonität erhalten bei klassischen Bankinstituten keine Kurzzeitkredite. So müssen andere Alternativen her und das meist schnell.

In der Regel sind die Gründe für die Aufnahme eines Privatkredits an einen wichtigen Zweck gebunden. Die Finanzierung eines Hausbaus, die Vorfinanzierung eines Studium oder einer kostenpflichtigen Aus- oder Weiterbildung gehören zu den existentiell bedeutenden Gründen, sich gegenüber einem Kreditgeber zu verschulden. Bei Kreditsummen ab 500 Euro handelt es sich oft um dringend benötigten Spielraum, auch um andere Zahlungen machen zu können. Mit einem Sofortkredit von Vexcash beispielsweise erhalten Kunden kleine Kredite meist innerhalb von 24 Stunden – ohne aufwändige Bonitätsprüfung.

Für viele Kreditnehmer ist eine solche Lösung eine smarte Lösung angesichts konkreter finanzieller Engpässe. Das kann bei einer Friseurin oder einem selbstständigen Taxifahrer am Monatsende geschehen oder, wenn unerwartete Kosten durch Unfälle entstehen. Was kurzfristig aus der Not hilft, sorgt manchmal nicht lange vor. Geringverdiener haben längerfristig oft keine Chance, aus der Überschuldung herauszukommen. Denn letztlich verschlingt jeder Kredit am Ende immer mehr Geld.

Schuldner und Schuld

Streng genommen ist tatsächlich jeder, der einen Kredit aufnimmt, bereits verschuldet. Unterm Strich haben Privatpersonen im Laufe der letzten Jahre immer mehr Kreditsummen aufgenommen.

Seit dem Jahr 2013 hat sich die Gesamtsumme langsam aber stetig weiterentwickelt: Waren es 2013 noch 2.354 Milliarden Euro, hat sich die Kreditsumme bis 2017 auf 2.589,5 erhöht. Das sind stolze 235 Milliarden mehr innerhalb von vier Jahren, also durchschnittlich 58 Milliarden im Jahr.

Nach statistischen Erhebungen gab es in Deutschland im Jahr 2010 6,5 Millionen sogenannte Schuldner. Dieser Begriff bezeichnet alle Personen ab 18 Jahren, die nachhaltige Zahlungsstörungen haben. Das heißt, dass Schuldner die fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in einer absehbaren Zeitspanne voraussichtlich nicht begleichen können. Steht der verschuldeten Person nichts mehr zur Verfügung, folgt meist daraufhin eine Privatinsolvenz als einziger Ausweg aus der Schuldenspirale.

Inzwischen sind immer mehr ältere Menschen betroffen von der Überschuldung. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform errechnet hat, waren in Deutschland 2017 knapp 194.000 Menschen über 70 Jahre davon betroffen. Das bedeutet eine Zunahme von 20.000 Fällen im Vergleich zum Vorjahr – und die Vergleichswerte liegen hier deutlich über denen der jüngeren Altersgruppen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Ruheständler von ihrer knappen Rente nicht gut leben können und sie gezwungen sind, sich ihre notwendigen Ausgaben über Kredite zu finanzieren. In diesen Fällen kann von einer Konsumverschuldung kaum die Rede sein.

Wenn die Schulden an die Substanz gehen

Die Schuldenfalle schnappt oft viel schneller zu, als angenommen. Sogar die geldgebenden Kreditinstitute warnen Personen, die schon mehrere Kredite haben, vor einer weiteren Gewährung von Geldbeträgen und verweisen auf Schuldnerberatungen vor Ort. Auch wenn Fair-Play und Raten-Optionen für eine Rückzahlung im Angebot stehen – bei Zahlungsverzug werden selbst die tolerantesten Kreditgeber mit Verzugszinsen drohen. Das bedeutet weitere Schulden, die dadurch entstehen.

Für viele Menschen hat sich bereits eine Online-Schuldnerberatung bewährt. Hier haben verschuldete Personen eine anonyme und unkomplizierte Möglichkeit, Informationen einzuholen über ihre Situation und Auswege aus der finanziellen Überschuldung. Meist ist reelle Gefahr im Verzug, denn bei einer Anhäufung von Miet- oder Energieschulden drohen fristloste Kündigungen. Bevor der Strom zuhause abgedreht wird oder man aus der Wohnung fliegt, sollte man den Schritt in die Beratung wagen.

Verbesserte Konditionen bei Privatinsolvenzen

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland insgesamt über 101.100 Verbraucher-Insolvenzverfahren eröffnet, dabei lagen die durchschnittlichen Schuldensummern bei ca. 60.000 Euro. Wenn die Gläubiger nicht bereit sind, Raten anzunehmen, ist die Privatinsolvenz oft die bessere Alternative. Auch wenn vereinfachte Insolvenzverfahren hoffnungslos Überschuldete erleichtern - dieser Schritt hat auch immer weitreichende Konsequenzen: Die Kreditwürdigkeit ist auf den Tiefstwert gesunken, was zu ernsthaften Problemen schon beim Abschluss von Mietverträgen führen kann.

Bei der Privatinsolvenz haben sich die Bedingungen im Juli 2014 zugunsten der Verbraucher geändert.  Die zweite Insolvenzrechtsreform hat bestimmt, dass eine Restschuldbefreiung im Falle einer Privatinsolvenz bereits nach drei oder fünf Jahren möglich ist, zuvor wurde spätestens nach sechs Jahren darüber entschieden.

Nun kann der Schnuldner von den Restschulden befreit werden, wenn er innerhalb der ersten drei Jahre mindestens 35 Prozent aller Schulden und die Verfahrenskosten gezahlt hat. Bis dahin ist es aber auch schon ein harter Weg, denn in dieser Zeit wird das Einkommen (Pfändungsgrenze: ab 1050 Euro) regelmäßig um einen bestimmten Satz gekürzt.

Die Promis und das liebe Geld

Das Gefühl, versagt zu haben und sich finanziell nicht mehr alleine aus den Schulden befreien zu können, belegt viele Betroffene mit Scham und Schuldgefühlen. Kommen bestimmte Suchtverhalten mit ins Spiel, umso mehr. Die Versuchungen sind vielfältig: Shopping, Spiele oder Reisen, aber auch eine zu sorglose und verantwortungslose Lebensplanung gehört dazu.

Doch nicht nur kleine Leute oder Geringverdiener haben mit massiven Schulden zu kämpfen. Immer wieder gibt es Schlagzeilen über hochverschuldete Prominente wie Boris Becker oder ein weiteres Mal “Naddel” Nadja Abd el Farrag, die Ex-Freundin von Dieter Bohlen. Ein gewisser Verlust des Realitätssinns ist meist mit im Spiel. Trotz immenser Schulden wohnt die Sängerin immer noch im Hotel und kann sich dem Reiz von überteuerten Kleidungsstücken und Einrichtungsgegenständen nur schwer entziehen.

Nicht nur um solche prominente Fälle kümmert sich Peter Zwegat in seiner TV-Sendung “Raus aus der Schuldenfalle”, die bei RTL läuft. Der gelernte Sozialpädagoge ist generell spezialisiert auf ganz schwierige Fälle, die sich selber nicht mehr helfen können. Gut, dass er seine Herangehensweise kombinieren kann, dann gehört eine realistische finanzielle Planung genauso dazu wie einfühlsame oder ermahnende Worte.

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