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Tierkolumne: Warum Fledermäuse vor Viren so gut geschützt sind

Tierkolumne

Warum Fledermäuse vor Viren so gut geschützt sind

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    Sieht zum Fürchten aus, ist für Menschen aber ganz harmlos: eine Fledermaus der Art Hufeisennase.
    Sieht zum Fürchten aus, ist für Menschen aber ganz harmlos: eine Fledermaus der Art Hufeisennase. Foto: LitterART, Adobe Stock

    Eine verunsicherte Dame schrieb mir kürzlich in einer Mail, es sei ihr völlig unverständlich, warum Fledermäuse unter Naturschutz stünden – speziell vor dem Hintergrund, dass Sars-CoV-2 seinen Ursprung wohl bei den Fledermäusen hat. Muss man sich also fürchten, wenn einem in der Abenddämmerung ein Exemplar um die Ohren fliegt?

    Europäische Fledermäuse haben nichts mit dem Coronavirus zu tun

    Die Fledermaus ist virologisch so gut untersucht wie kaum ein anderes Wildtier. Überall auf der Welt haben Forscher in den vergangenen Jahrzehnten Virusproben von verschiedenen Arten genommen. Das aktuelle beruhigende Ergebnis: Europäische Fledermäuse haben mit Sars-CoV-2 nichts zu tun. Deswegen sind sie nicht virenfrei, doch gefundene Erreger sind für den Menschen ungefährlich.

    In Deutschland gibt es 25 unterschiedliche Fledermausarten. Ein offenbar sehr fröhlicher Zeitgenosse hat sich je nach Aussehen Namen für sie ausgedacht. Heimische Fledermäuse heißen „Hufeisennase“, „Mausohr“, „graues Langohr“ oder „Mopsfledermaus“. Bemerkenswert auch: Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Diese Gabe steht im Verdacht, der Grund für das herausragende Fledermaus-Immunsystem zu sein. Wenn die Tiere nicht gerade irgendwo abhängen, schwingen sie sich in die Lüfte und bringen ihren Stoffwechsel damit auf Hochtouren. Im Flug steigert eine Fledermaus ihre Körpertemperatur von 37 auf 41 Grad – ein Wert wie starkes Fieber.

    Die Fledermaus ist ein fliegendes Fitnessstudio für Viren

    Womöglich hält sie mit diesem regelmäßigen Aufheizen des eigenen Körpers sämtliche Viren in Schach und wird selbst nicht krank. Für die Viren bedeutet das, immer neue Strategien zu entwickeln, um gegen das bislang kaum erforschte Superimmunsystem der Fledermäuse ankämpfen zu können. Die Fledermaus ist gewissermaßen ein Fitnessstudio für Viren. Auch bei massivem Befall stirbt sie nicht, beherbergt aber jede Menge Viren und wird so zu einem natürlichen Reservoir.

    Fledermäuse bei uns sind für sich genommen ungefährlich, es ist keine einzige Krankheitsübertragung bekannt. Und Viren gibt es sowieso überall. Von den Schimpansen kam HIV – an AIDS sind bis heute 32 Millionen Menschen gestorben. Puten in den USA waren Auslöser für die spanische Grippe mit 50 Millionen Toten. Wo viele Lebewesen besonders dicht beisammen sind, können sich Krankheiten rasant ausbreiten. Das gilt für überfüllte Schweineställe wie für vollgestopfte U-Bahnen. Der Platz wird allgemein enger: Über die Hälfte der neuen Infektionskrankheiten des Menschen stammen von Tieren.

    Unsere Fledermäuse sind bedroht und stehen deshalb unter Schutz. Wir brauchen die Vielfalt der Arten, das sichert Stabilität. Viren sind bei den Fledermäusen gut aufgehoben. So lange wir Menschen ihnen nicht zu nahe kommen und ihnen ihren Lebensraum lassen, gibt es für potenzielle Krankheitserreger wenig Anlass, sich neue Wirte zu suchen. Keine Störung – das ist also der beste Schutz für uns und die Tiere. Und so ist Fledermausschutz irgendwie auch Menschenschutz.

    Tanja Warter ist Tierärztin. Seit zehn Jahren verknüpft sie die Leidenschaft für die Tiermedizin mit dem Spaß am Schreiben.

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