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Tesla-Aktien

08.10.2020

Vier Gründe, bei Tesla jetzt noch einzusteigen - und eineinhalb dagegen

Es könnte sich lohnen, in Tesla-Aktien zu investieren.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Plus Die Tesla-Aktie steigt, fällt und steigt. Die Verlockung ist groß, jetzt einzusteigen und an den sagenhaft erwarteten Profiten teilzuhaben. Kann das gutgehen?

Schon wieder ist die Tesla-Aktie gestiegen und steht davor, alte Höchststände wieder zu erklimmen. Mancher Anleger wird von dem Fieber erfasst, das diese Aktie seit Monaten umgibt. Tesla, die neue Apple-Story, Elon Musk, der neue Steve Jobs - wer will da nicht dabeisein. Elon Musk, Superstar der Investoren, Visionär mit Show-Qualitäten, schillernd und manchmal ein wenig entrückt wirkend, könnte aus Versehen verraten haben, wie die weiteren Potentiale für den Elektroautobauer sind.

Bei seinem gefeierten Besuch kürzlich in Deutschland landete er mit seiner Privatmaschine in Braunschweig. Noch auf der Landepiste stieg er auf der Fahrerseite in einen nagelneuen ID.3 ein, das nagelneue Vorzeige-Elektroauto von Volkswagen. Auf dem Beifahrersitz saß VW-Chef Herbert Diess. Elon Musk gab Gas, wenn man das bei einem solchen Auto noch sagen darf. Wie die "Financial Times" erfahren haben will, sagte er nach der kleinen Spritztour zu Diess mit ganz leicht herablassendem Tonfall: "Für einen Nicht-Sportwagen ist er ziemlich gut".

Ist VW ein ernst zu nehmender Konkurrent?

Ein solcher Satz muss nichts aussagen, aber wenig später sagte er in der Rede zu seinem groß angekündigten "battery day", er plane einen Kleinwagen für Tesla. Er soll in drei Jahren auf den Markt kommen. Da hat er wohl VWs ID.3 im Blick. Drei Jahre sind eine lange Zeit, während VW jetzt mit voller Kraft und Stolz auf seinen ID.3 setzt. Wird VW das Kleinwagen-Segment beherrschen können, wenn Tesla kommt? Die Frage kann auch anders lauten: Kann Tesla mit mehrjähriger Verspätung in diesen Markt eindringen?

Die weiteren Potentiale für die Tesla-Aktie liegen nicht zuletzt in der Frage begründet, ob der Konzern den Massenmarkt erobern kann. Für Tesla spricht, dass der Konzern technologisch einen mehrjährigen Vorsprung vor Wettbewerbern hat, jedenfalls ist das eine verbreitete Ansicht.

Sie wird unter anderem untermauert durch offizielle US-Zahlen, wonach Teslas Standardmodell S 3,2 Meilen pro Kilowattstunde schafft, ca. 50 Prozent mehr als Audis etron und Porsches Taycan. Die Batterietechnik ist einer der entscheidenden Pfeiler und da kann Tesla kaum einer das Wasser reichen. Aber wird der Konzern den Vorsprung halten können?

Zukunftsmusik mit Tesla-Chef Elon Musk: Der US-amerikanische Hersteller arbeitet an einem Einstiegsmodell für 25.000 Dollar.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Die Welt kann sich schnell ändern, in die eine wie die andere Richtung. Noch vor eineinhalb Jahren beherrschten andere Nachrichten die Schlagzeilen. Von drohendem Bankrott Teslas war die Rede, von der Unfähigkeit des Konzerns, geplante Stückzahlen zu produzieren und zu liefern, und ein Mangel an Bauteilen, die benötigt wurden.

Dem Elektroauto gehört die Zukunft

Extrovertierte Auftritte von Elon Musk - er holte in einem Radiostudio eine Haschischzigarette hervor, zündete sie sich an und sagte Dinge, die nicht für jeden verständlich waren - taten ihr übriges, an der Seriosität seiner Projekte zu zweifeln. Seither hat sich aber vieles geändert. Tesla kann die geplanten Stückzahlen produzieren, ist seit vier Quartalen in den schwarzen Zahlen und hat keine Probleme mehr, sich zu finanzieren. Dies und der technologische Vorsprung sind vier gewichtige Gründe, die dafür sprechen, dass Tesla eine blühende Zukunft erwarten kann.

Die Coronakrise hat den Erfolg befeuert. Während die Verkaufszahlen herkömmlicher Autobauer einbrachen, fuhr Tesla unbeschadet durch die Krise. Die Aussichten für Elektroautos sind hervorragend. Laut McKinsey wird im Jahr 2030 jedes zweite in der EU und in China verkaufte Auto elektrisch angetrieben. Was spricht gegen einen Kauf von Tesla-Aktien? Zweifelnde Fragen, ob Tesla den Vorsprung und den Show-Hype noch mehrere Jahre aufrecht erhalten kann, sind noch keine gewichtigen Gründe, die gegen die Aktie sprechen.

Was sagen Banken und Fondshäuser?

Ein Grund ist die Überbewertung. Trotz zwischenzeitlichen Einbruchs hat sich die Aktie wieder erholt und notiert nahe ihren Höchstständen. Tesla ist an der Börse etwa so viel wert wie die folgenden fünf größten Automobilbauer zusammen. Dabei produzierte Tesla 2019 nur 368 000 Fahrzeuge, Volkswagen allein dagegen 11 Millionen.

Nach Angaben von Bloombergs Marktanalyst John Authers bewegt sich die Tesla-Aktie "weit jenseits von allem, was fundamentale Daten rechtfertigen könnten, so dass es fair ist zu sagen, dass sie eine Korrektur nötig hat, wobei es lächerlich wäre zu implizieren, dass ein Fall um 10 Prozent ausreichend wäre". Wer die Tesla-Aktie kaufen möchte, könnte vorher darüber nachdenken, wie er sich fühlen würde, wenn eine solche Korrektur kommt. Einen Vorgeschmack bot Anfang September ein Fall der Aktie um 21 Prozent an einem einzigen Tag. Grund war die Nachricht, dass die Aktie noch nicht in den wichtigen Index S&P 500 aufgenommen wird. Seither geht es aber wieder aufwärts. Und damit das Fieber der Anleger, die dabei sein wollen.

Die Aktie von Elektroautobauer Tesla ist momentan auf dem Höhenflug.
Bild: dpa

Die Analysten der großen Banken und Fondshäuser sind überwiegend vorsichtig. Eine Kaufempfehlung gibt einzig derzeit noch Jeffries aus. JPMorgan empfiehlt, die Aktie unterzugewichten, Bernstein Research und RBC trauen Tesla nur ein "Underperform" zu. Eine neutrale Bewertung - "Halten" - gaben zuletzt Goldman Sachs, UBS und Credit Suisse ab. Ein gemischtes Bild also von dieser Seite, mit leichter Tendenz zur Skepsis. Der entscheidende Grund, Tesla nicht zu kaufen, ist die Überbewertung an der Börse. Wird Tesla die extrem hohen Erwartungen, die sich in dem hohen Kurs ausdrücken, erfüllen können? Oder gar übertreffen können? Letzteres wäre notwendig, wenn der Kurs langfristig weiter stark ansteigen sollte.

Anleger, die auf Einzelaktien setzen, haben nicht oft Glück. Einer Studie von Hendrik Bessembinder von der Arizona State University zufolge generiert nur ein kleiner Anteil aller Aktiengesellschaften - 4 Prozent - die gesamte Überrendite des Aktienmarkts gegenüber Staatsanleihen. Wie wahrscheinlich ist es, dass Anleger diese wenigen Aktien identifizieren? Es sind also wenige Aktien, die den Gewinn bringen. Tesla könnte eine solche Aktie sein. So wie vorher Apple, Amazon, Microsoft oder Exxon Mobil.

Oder sie ist es nicht.

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