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Energiekolumne

05.08.2020

Warum die Reaktivierung alter Räder und Turbinen sich lohnt

In Augsburg gibt es auch eine Reihe kleiner Wasserkraftwerke, wie hier am Schäfflerbach.
Bild: ARochau, stock.adobe.com

Um einen Vier-Personen-Haushalt mit Strom zu versorgen, genügt ein Wasserlauf mit 100 Litern. Neue Anlagen sind kaum durchsetzbar, die Reaktivierung alter Räder und Turbinen lohnt sich.

Die Wasserkraft wird bereits seit mehr als 100 Jahren zur Stromerzeugung genutzt und ist quasi Vorreiter für den Einsatz erneuerbarer Energien. Das Prinzip, das dahintersteckt, ist vergleichsweise einfach: Die Energie des fließenden Wassers versetzt eine Turbine in Drehbewegung. Ein daran gekoppelter Generator erzeugt daraus Strom. Wie viel, das hängt in erster Linie von der Wassermenge und dem Gefälle ab. Wenn das ganze Jahr über 100 Liter Wasser einen Meter tief fallen, werden circa 3600 Kilowattstunden Strom produziert – das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Stromverbrauch eines vierköpfigen Haushalts in Deutschland.

Noch heute gibt es eine Vielzahl von kleinen Anlagen, die mitunter viele Jahrzehnte alt sind, aber noch immer Strom liefern – zuverlässig und in der Regel 24 Stunden lang an sieben Tagen die Woche, anders als beispielsweise Photovoltaikanlagen, die natürlich auf deutlich weniger Betriebsstunden kommen.

Naturschutzauflagen verhindern Kleinwasserkraftwerke

Neue Kleinwasserkraftwerke werden kaum noch errichtet. Der Grund dafür sind vor allem strenge Naturschutzauflagen, die die für den Bau eines Wasserkraftwerks nötigen Eingriffe schier unmöglich machen. Chancen sehen dagegen Experten in der Wiederinstandsetzung der zahllosen Altanlagen, die es in Deutschland gibt, die aber derzeit außer Betrieb sind. Deutschlandweit könnte durch deren Reaktivierung die Stromerzeugung aus Wasserkraft erheblich gesteigert werden, betonen Fachleute.

Gleichzeitig gibt es einen Sanierungsstau. Ein Grund dafür: Mit jeder Veränderung, wenn beispielsweise mithilfe neuer Technik die Effizienz gesteigert werden soll, fallen die Anlagen nicht mehr unter den Bestandsschutz. Es gelten dann strengere Umweltauflagen – was viele Besitzer von Kleinwasserkraftanlagen von Sanierungsarbeiten abschreckt.

Ungeachtet der komplexen und oftmals langwierigen Genehmigungsverfahren kommen beim geplanten Neubau einer Kleinwasserkraftanlage noch die hohen Investitionskosten dazu. Verglichen mit einer Photovoltaikanlage dauert es beim Bau eines Kleinwasserkraftwerks deutlich länger, bis sich die Ausgaben amortisiert haben. Wer auf seinem Grundstück über ein geeignetes Gewässer verfügt und ein Kleinwasserkraftwerk bauen will, sollte nicht in Zeiträumen von 20 oder 30 Jahren, sondern eher von 50 oder 80 Jahren denken. Idealismus ist gefragt.

Lukrativ ist vor allem der Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms

Viel Geld verdienen lässt sich in der Regel mit einem Kleinwasserkraftwerk ohnehin nicht. Wie beim Solarstrom vom eigenen Dach gilt: Lukrativ ist vor allem der Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms. Die Einspeisevergütung liegt für Altanlagen bei 7,67 Cent pro Kilowattstunde. Wer an einem bestehenden Kleinwasserkraftwerk ökologische Verbesserungsmaßnahmen vornimmt, zum Beispiel eine Fischumgehung einrichtet, erhält fortan 11,67 Cent pro Kilowattstunde. Wer darüber hinaus durch technische Maßnahmen die Energieeffizienz erhöht, bekommt 12,67 Cent je ins Netz eingespeiste Kilowattstunde.

Nicht unterschätzt werden darf der Wartungsaufwand, den ein Kleinwasserkraftwerk verursacht. Den Rechen von Treibgut befreien, den Generator überholen, Lager kontrollieren oder Keilriemen wechseln – als Anlagenbesitzer muss man sein Kleinwasserkraftwerk immer im Blick haben. Zumal immer häufiger Extremwetterlagen mit Starkregen auftreten, die dafür sorgen, dass die Bäche und Flüsse mehr Sand, Steine und Unrat mit sich führen, was der Anlage entsprechend zusetzt.

Martin Sambale ist Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz eza!

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