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Coronavirus

23.04.2020

Wasser, Strom, Internet: Wie Corona den Verbrauch verändert

Weil die Deutschen zur Zeit mehr zu Hause sind, verbrauchen sie dort auch mehr Strom. Dafür hat die Industrie weniger Bedarf - insgesamt ist der Stromverbrauch in der Corona-Krise gesunken.
Bild: Christian Charisius, dpa

Plus Gas, Wasser, Strom, Telefon, Internet: Die Corona-Krise verändert, wie stark wir verschiedene Ressourcen nutzen. Auch auf den CO₂-Ausstoß hat das Virus Auswirkungen.

Viele Geschäfte haben noch geschlossen, weite Teile der Industrie stehen still, viele Menschen arbeiten von zu Hause aus: Während der Corona-Krise läuft in Bayern alles anders. Das ändert auch unseren Ressourcenverbrauch - nicht nur bei Klopapier und Desinfektionsmittel, sondern auch bei den Ressourcen, die wir eher unbemerkt verwenden: Gas, Wasser, Strom, Datenströme. Einige Anbieter berichten, was gerade besonders wichtig ist und was ungewöhnlich wenig gebraucht wird.

Doppelt so viel Telefonate wie vor der Corona-Pandemie in Deutschland

Die Telekom schickt vorweg, dass die Netze des Telefon- und Internetanbieters auch in der Krise stabil laufen. Aber die Kunden verhalten sich deutschlandweit ganz anders als gewohnt: "Wir sehen einen deutlichen Anstieg - doppelt so viel - bei den Telefonaten im Festnetz und im Mobilfunk", berichtet Pressesprecher Christian Fischer. "Bei der Datennutzung haben wir einen leichten Anstieg im Festnetz und auch beim Fernsehen." Bei der mobilen Datennutzung gebe es hingegen einen Rückgang. "Kunden nutzen anscheinend überwiegend das heimische WLAN-Netz", sagt Fischer.

Die Nutzung der Netze sei wie sonst auch über den Tag verteilt. Deutschland starte morgens ins Homeoffice. Die Menschen seien aber abends länger online: "In den späten Stunden bis nach Mitternacht sehen wir etwas mehr Nutzung als sonst."

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Stadtwerke Augsburg: Weniger Stromverbrauch in Deutschland

Die Stadtwerke Augsburg registrieren einen Rückgang beim Energieverbrauch. Der Stromverbrauch der Kunden sei bundesweit um etwa neun Prozent zurückgegangen, in Augsburg um rund zehn Prozent seit dem Beginn der Corona-Einschränkungen im März. "Industrie und Gewerbe sind davon am meisten betroffen, es gibt aber auch Zuwächse im Bereich Papierproduktion sowie Lebensmittel und Chemie und auch bei den großen Kliniken", teilt ein Pressesprecher mit. Privatkunden hingegen verbrauchen etwa fünf Prozent mehr Strom, weil sie sich länger in den eigenen vier Wänden aufhielten.

 

Bei Gas und Fernwärme seien keine ungewöhnlichen Entwicklungen festzustellen. "Da quasi der Winter mit Corona beinahe zu Ende ging, lässt sich hier wenig ablesen", begründet der Sprecher. Auch beim Wasser gebe es kaum Veränderungen, nur die morgendliche Spitze habe sich von 7 auf 9 Uhr nach hinten verschoben. Bei der Versorgung mit Energieträgern gebe es insgesamt keinerlei Probleme, sagt der Sprecher der Stadtwerke Augsburg.

CO₂-Ausstoß um etwa 30 Tonnen zurückgegangen

Janne Görlach, Sprecherin der Agora Energiewende, stellt beim CO₂-Ausstoß in Deutschland eine große Veränderung fest: "Seit Beginn der Kontaktbeschränkungen am 21. März sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland um etwa 25 bis 30 Millionen Tonnen zurückgegangen." Der CO₂-Ausstoß von Kraftwerken zur Stromerzeugung sei um knapp zehn Millionen Tonnen gesunken, die Emissionen aus Fabriken um etwa sieben Millionen Tonnen CO₂ und die Verkehrsemissionen um etwa acht Millionen Tonnen.

Der Emissionsrückgang sei im Wesentlichen auf eine insgesamt sinkende Stromnachfrage, weniger Personenverkehr und den Produktionsrückgang in den Fabriken zurückzuführen.

"Der Emissionsrückgang im Stromsektor zeigt, dass die Verlagerung ins Home Office keinen steigernden Effekt auf die Stromnachfrage hat", sagt Görlach. Stillstehende Automobilwerke, der Rückgang im Güter- und Bahnverkehr oder der Stromverbrauch von Flughäfen fielen deutlich mehr ins Gewicht und führten zu einer sinkenden Stromnachfrage und damit zu sinkenden Emissionen im Vergleich zum Vorjahr.

 

Im Stromsektor haben konventionelle Kraftwerke nach Angaben der Agora Energiewende 40 Prozent weniger Strom geliefert als im selben Zeitraum 2019. Dafür produzieren Windkraft- und Solaranlagen 18 Prozent mehr Strom. Das liege zum einen an günstigen Wetterbedingungen und zum anderen daran, dass durch den Zubau von Solaranlagen insgesamt mehr Strom aus Erneuerbaren Energien zur Verfügung stehe als im Vorjahr.

Aus der Corona-Pandemie für den künftigen Klimaschutz lernen

Patrick Graichen, Geschäftsführer der Agora Energiewende, zieht aus der aktuellen Situation schon Schlüsse für die Zukunft: "Wir lernen gerade, wie wichtig politische Antworten und Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten sind. Außerdem erleben wir, wie aus wissenschaftlichen Fakten politische Maßnahmen werden, und dass uns im Krisenmodus wirkungsvolle Hebel zur Verfügung stehen. Und wir sehen, dass schnelle, entschiedene Reaktionen Spielraum schaffen."

Diese Lehren seien auch im Umgang mit der Klima-Herausforderung entscheidend - "mit dem Unterschied, dass wir auf diese Herausforderung nicht innerhalb weniger Tage reagieren müssen und uns mehr Zeit zum überlegten Handeln bleibt." Allerdings warte der Klimawandel auch nicht, bis die Corona-Krise vorüber ist. "Deshalb müssen wir, wenn es an die Bewältigung der jetzigen Wirtschaftskrise geht, auch den Klimaschutz mitdenken." Agora Energiewende schlägt ein 100-Milliarden Wachstums- und Investitionsprogramm für Deutschland vor, das die zukunftssichere Modernisierung der Volkswirtschaft unterstützt.

Über alle Entwicklungen rund um die Corona-Krise informieren wir Sie auch in unserem Live-Blog.

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