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Erziehung

31.03.2018

Wenn sich Oma und Opa in die Erziehung einmischen

„Ich mein ja nur…“ Mit Bemerkungen wie dieser beginnt häufig ein Streit über die Kindererziehung zwischen Großeltern und Eltern. Dabei ist Harmonie sehr einfach möglich.
Bild: Martina Ferrari, dpa

An Ostern kommt man zusammen. Über die Kindererziehung gehen die Meinungen zwischen Großeltern und den Eltern häufig auseinander. Was gegen den Streit hilft.

„Bei euch läuft aber schon recht häufig der Fernseher“ – mit solchen Aussagen bringen Großmütter ihre Töchter auf die Palme. Denn oft genug hört die Tochter daraus einen Vorwurf und sieht den vielleicht nur neugierig gemeinten Satz als unzulässige Einmischung. Andererseits: Wenn die Oma die Enkel regelmäßig von der Schule abholt – hat sie dann nicht auch das Recht, an der Erziehung mitzuwirken? Und wie geht man damit um, wenn aus dieser Einmischung Konflikte entstehen?

Ungefähr ein Drittel der Großeltern ist an der Enkelbetreuung beteiligt. Das fand das Deutsche Zentrum für Altersfragen im Jahr 2014 heraus. Demnach ist der Anteil betreuender Großeltern im Vergleich zu den Jahren 2002 und 2008 erstmals wieder gestiegen. Die Autoren der Studie vermuten, dass die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen mit dazu beigetragen hat. Wenn beide Eltern arbeiten gehen, werden die Großeltern gebraucht.

Auf die Enkel aufpassen: Eigentlich profitieren beide Seiten

Für die Enkel bedeutet die Zeit bei den Großeltern häufig eine willkommene Abwechslung. Die Eltern sind entlastet – und die Großeltern profitieren auch. Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist gerade für älter werdende Menschen wichtig. Wären da bloß nicht die Konflikte, die aus unterschiedlichen Vorstellungen resultieren.

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Dass sich die Großeltern Fragen wie die nach dem TV-Konsum ihrer Enkel stellen, sei erst mal ganz normal, erklärt Familientherapeut Björn-Enno Hermans. „Ansichten, Prinzipien und Methoden haben sich verändert.“ Und so leuchtet der älteren Generation nicht auf den ersten Blick ein, warum die Eltern Fernsehen am Nachmittag erlauben – oder wieso ein Kind mit einem Jahr in die Krippe gehen soll.

Entscheidend dafür, dass aus unterschiedlichen Ansichten keine großen Konflikte entstehen, ist die Art, wie man miteinander redet. „Es muss eine Kommunikation auf Augenhöhe sein“, sagt Sozialpädagogin Sylvia Görnert, die mehrere Ratgeber geschrieben hat. „Das ist gar nicht so einfach, wenn aus Kindern Eltern werden.“

Streit über die Erziehung schon frühzeitig vermeiden

Je früher sich Eltern und Kinder darum bemühen, die alten Muster hinter sich zu lassen, desto besser gelingt es, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Hermans plädiert dafür, überhaupt im Gespräch zu bleiben. Passiv-aggressive Äußerungen à la „Na, wenn du meinst, dass das gut ist fürs Kind…“ seien kontraproduktiv. „So beginnt ein Konflikt unter der Oberfläche zu schwelen.“ Schlimmstenfalls werden die ganz Kleinen am Ende mit in den Konflikt gezogen.

Stört sich die Oma an etwas, spricht sie es deshalb besser ohne das Kind bei den Eltern an. Wie so oft gilt dabei: Besser Ich-Botschaften senden als Vorwürfe machen, rät Görnert. „Ich mache mir Sorgen, weil...“ öffne eher Türen als die Feststellung „Du gehst viel zu viel arbeiten“. Im besten Fall einigen sich am Ende beide Seiten auf eine Lösung. Im Hinterkopf behalten sollten Großeltern bei solchen Gesprächen auch, dass die Eltern letztlich am längeren Hebel sitzen.

„Der Weg zum Herzen der Enkel führt über die Herzen der Kinder“, sagt Professor Eckart Hammer von der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg. „Wenn Großeltern also versuchen, Konflikte mit Macht zu lösen, können sie eigentlich nur verlieren.“ Er rät, im Zweifelsfall auch mal einen Kommentar herunterzuschlucken – und generell nicht zu weit vom Erziehungskonzept der Eltern abzuweichen. Das heißt andererseits nicht, dass man alles ganz genauso machen muss.

Bei den Großeltern darf es ruhig ein Stück Schokolade mehr sein

„Großeltern dürfen mit dem Herzen denken – sie müssen nicht permanent erziehen“, sagt Görnert. Diese Chance sollten sie unbedingt ergreifen, findet die Autorin. Bei Oma oder Opa darf es ruhig mal ein Stück Schokolade mehr sein. Die Kinder verstehen sehr gut, dass dort andere Regeln gelten. Um Missverständnissen vorzubeugen, helfe es aber, solche Abweichungen mit den Eltern abzusprechen.

Kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen, liegt das Hermans zufolge eventuell auch an ganz anderen Dingen. „Manchmal sind das Stellvertreterkonflikte“, sagt er. Gibt es ein ganz grundsätzliches Problem zwischen der Oma und ihrer Tochter, kann die Enkelbetreuung einen Streit verschärfen.

Letztlich – da sind sich die Experten einig – gilt es, den Blick auf das Wohl der Enkel zu richten. Sie können sich nur entfalten, wenn Eltern und Großeltern an einem Strang ziehen.

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