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Essen und Trinken

18.02.2021

Wie die Corona-Krise unsere Ernährung verändert

In der Corona-Krise müssen Viele plötzlich selbst für ihr Essen sorgen. Wandern eher Tiefkühlpizzen oder frisches Gemüse in den Einkaufswagen?
Bild: Davizro Photography, Adobe Stock

Plus In der Corona-Krise müssen viele plötzlich selbst für ihr Essen sorgen. Kochen dadurch mehr Leute gesunde Mahlzeiten oder muss ein Fertiggericht reichen? Irgendwie beides.

Symbole für die Corona-Pandemie gibt es viele. Desinfektionsmittel, Masken, leere Klopapierregale. Das Bananenbrot könnte ebenfalls dazuzählen. Es hatte während des ersten Lockdowns eine Hochphase. Später war die Hefe ausverkauft, aktuell experimentieren viele mit Sauerteig. Mehr Zeit zu Hause und geschlossene Restaurants führen zwangsweise dazu, dass die Ernährung sich wandelt. Aber wie?

Dazu, wie viele Bananenbrote 2020 in Deutschland gebacken wurde, gibt es keine Statistiken. Das Statistische Bundesamt teilt allerdings mit, dass von Januar bis September in Deutschland rund 1,1 Millionen Tonnen Fertiggerichte produziert wurden. Das sind knapp 50.300 Tonnen beziehungsweise 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zwischen Homeschooling, Betreuung von Kita-Kindern und Homeoffice bleibt vielen Menschen keine Zeit, noch aufwendig zu kochen. Da kann ein fertiges Essen schon einmal den Tag retten. Den größten Zuwachs gab es bei Gemüse-Fertiggerichten. Aber auch der Klassiker aus dem Kühlregal, Tiefkühlpizzen, war beliebter als sonst.

Extraschichten bei Tiefkühlpizza-Hersteller während des Lockdowns

Der bayerische Tiefkühlpizza-Hersteller Gustavo Gusto etwa steigerte seinen Umsatz laut Geschäftsführer Christoph Schramm sogar um etwa 60 Prozent. Aufgrund der hohen Nachfrage während des Lockdowns hätten die Mitarbeiter zahlreiche Extraschichten einlegen müssen. Das Unternehmen wird allerdings seit Jahren größer. „Die Corona-Krise war nicht allein für das Wachstum ausschlaggebend“, sagt Schramm deshalb. Im Moment stellt das Unternehmen in Geretsried (Oberbayern) täglich bis zu 110.000 Tiefkühlpizzen her. 2022 soll ein zweiter Produktionsstandort in Artern (Thüringen) eröffnen.

 

Auch der Umsatz der Augsburger Firma „Little Lunch“, die fertige Suppen, Eintöpfe und Soßen verkauft, wuchs 2020 laut Geschäftsführer Daniel Gibisch um rund 30 Prozent. In der ersten Welle im Frühjahr seien wegen Hamsterkäufen die Verkaufszahlen stark gestiegen. Es gab aufgrund der hohen Nachfrage teilweise sogar Lieferverzögerungen. Später pendelten sich die Verkäufe wieder ein. Gibisch betont daher ebenfalls, dass der Umsatz nicht wegen Corona gestiegen sei.

In der Corona-Krise werden viele Menschen zu Hobbyköchen

Während manche Menschen zu Hause großen Stress haben, bedeutet die Corona-Krise für viele andere eine gehörige Portion Langeweile. Kein Treffen mit Freunden nach der Arbeit, Vereinssport und Chor fallen aus. Alles soll sich nur noch in den eigenen vier Wänden abspielen und da gibt es außer Netflix schauen und putzen oft nur eine weitere Beschäftigung: Kochen. Viel Zeit und geschlossene Restaurants haben aus einigen Menschen regelrechte Hobbyköche gemacht. Buchhändler geben an, dass Kochbücher in der Corona-Pandemie beliebt geworden sind. Gerade solche mit aufwendigen Gerichten.

Wer zum ersten Mal viel zu Hause kocht, merkt plötzlich, dass der Ofen nicht mehr optimal funktioniert und dass Abspülen wirklich nervt. Edith Riegel vom Augsburger Möbel- und Küchenhaus Riega erzählt, dass aktuell die Lieferung hochwertiger Herde und Spülmaschinen aufgrund der hohen Nachfrage schwierig sei. Auch sonst merkt das Familienunternehmen den Lockdown. „Das Geld, das sonst für Urlaub ausgegeben wird, investieren viele aktuell in Küchen und Möbel“, sagt Riegel. Ein Grund sei sicherlich, dass die Leute so viel Zeit zu Hause sind. „Die Kunden wollen es sich jetzt daheim gemütlich machen.“

Corona-Krise gibt deutschem Bio-Markt einen Schub

Und was kochen die Menschen in ihren hochmodernen Küchen aus komplizierten Kochbüchern? Die Antwort ist erstaunlich banal. Keine Austern oder Drachenfrüchte, sondern regionales Gemüse. Eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des bayerischen Landwirtschaftsministeriums weist auf diesen Trend hin: 44 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihr Einkaufsverhalten in der Krise geändert haben. Die meisten von ihnen kaufen jetzt laut Umfrage vermehrt Lebensmittel aus der Region. Gut ein Drittel der Befragten haben während des Lockdowns mehr Zeit für die Zubereitung ihrer Speisen aufgewendet.

Die regionalen Produkte kamen immer häufiger aus dem Bio-Regal. Die Corona-Krise hat dem Bio-Markt in Deutschland einen deutlichen Schub gegeben. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln ist Marktanalysen zufolge im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf knapp 15 Milliarden Euro gestiegen. Das sei ein Rekord, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch zur Eröffnung der weltgrößten Naturkostmesse Biofach in Nürnberg.

 

Rollende Gemüsekiste in Augsburg nimmt aktuell keine Neukunden auf

Der Trend wirkt sich auf die Region aus. Die rollende Gemüsekiste in Augsburg, die biologische Nahrungsmittel nach Hause liefert, wurde zu Beginn der Krise von Anfragen überhäuft, bis heute kann sie keine Neukunden aufnehmen. Laut Geschäftsführer Hermann Haas-Hübsch kehrt langsam eine gewisse Normalität ein. Das Unternehmen arbeite aber weiterhin eine Warteliste ab. Haas-Hübsch glaubt allerdings nicht, dass sich das Kaufverhalten der meisten Menschen nachhaltig ändert. „Ich bin überzeugt davon, dass die Kunden nicht alle bleiben werden“, sagt er.

Auch Supermärkte bemerken das veränderte Kaufverhalten. Bei Edeka Südbayern ist laut Pressestelle die Nachfrage nach regional und biologisch erzeugten Produkten hoch. Wolfgang März von Edeka März in Augsburg kann diesen Eindruck bestätigen. Abgesehen von Obst und Gemüse sind bei ihm vor allem Getränke seit Beginn der Corona-Krise stärker gefragt.

Corona: Weniger Bier, dafür mehr Wein

Zu ihren aufwendigen Gemüsegerichten gönnen sich die Menschen immer häufiger ein Glas Wein. Im Corona-Jahr ohne große Feste, dafür mit zeitweise geschlossenen Gasthäusern trinken die Deutschen weniger Bier, der Weinkonsum ist dagegen leicht angestiegen. Auffällig ist dabei, dass die Weinkäufe dem Deutschen Wein-Institut (DIW) zufolge ab März, also ab Beginn des ersten Lockdowns, zunehmen. Der Umsatz steigt laut DIW stärker als die Einkäufe. Die Menschen tranken also nicht nur mehr, sondern auch teureren Wein.

Der Weinkonsum ist in der Corona-Krise leicht angestiegen.
Bild: Franziska Gabbert, dpa

Mit dem Getränk ist das Corona-Menü eigentlich komplett: Tiefkühlpizza mit regionalem Gemüse in einem hochwertigen Herd zubereitet. Dazu ein, zwei Gläschen Wein. Und als Nachspeise? Natürlich Bananenbrot.

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