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Allgäu

13.01.2020

Wie durch ein Wunder überlebt: "Mein Leben ist heute sogar besser"

Felix Brunner hat mit seinem geländetauglichen Handbike sogar die Alpen überquert. 
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Felix Brunner ist 19, als er beim Bergsteigen 30 Meter abstürzt und knapp überlebt. Nach Intensivstation und über 60 Operationen ist er längst zurück im Leben.

Herr Brunner, Sie waren gerade 19 Jahre alt, als Ihr Leben durch einen Unfall plötzlich komplett auf den Kopf gestellt wurde. Wie haben Sie es geschafft, die Hoffnung nie aufzugeben?

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Felix Brunner: Mittlerweile ist das schon elf Jahre her. Ich war damals voller Lebensfreude, hatte große Ziele, dann ist dieser schlimme Unfall passiert, am 15. Januar 2009. Ich war acht Monate im Koma. Bis du aufwachst und wirklich begreifst, was wirklich mit dir passiert ist, dass das Leben, das du hattest, vorbei ist, braucht das seine Zeit. Zu Beginn war ich unglaublich optimistisch, ich dachte, dass alles wieder gut werden wird, ich in das alte Leben zurückkehre, wieder Bergsteiger, Bergretter sein kann. Das war schon naiv. Das wirkliche Begreifen ist dann erst so eineinhalb Jahre nach dem Unfall passiert. Da habe ich dann erkannt, das kann nie mehr so werden.

Wie haben Sie sich zurückgekämpft?

Brunner: Einerseits durch meinen Optimismus und meinen Willen zu überleben, andererseits durch mein Team. Dazu zähle ich meine Familie, Freunde, Ärzte. Aber der Teamführer war am Ende auch ich, ich musste die Richtung vorgeben. Für mich war klar, ich möchte überleben und ich möchte wieder in mein altes Leben zurück. Das hat ganz natürlich nicht geklappt, aber mein Leben ist heute vielleicht sogar ein bisschen besser.

Felix Brunner: "Für mich war klar, dass alles gut werden wird"

Wie haben Sie auf Momente der Angst und Verzweiflung reagiert?

Brunner: Absolut, diese Momente gab es. Wobei ich die heute nicht mehr als so relevant betrachte. Für mich war immer klar, dass alles wieder gut werden wird. Diese Einstellung haben auch meine Eltern, die immer bei mir waren, mitgetragen. Dabei war es die erste Zeit wirklich schlimm um mich gestanden, der Felix wird sterben, hieß es da. Aber sie haben trotzdem an das Leben geglaubt. Ich kann mich an Situationen erinnern, in denen ich gesagt habe, ich habe keinen Bock mehr, aber ich hatte nie den Gedanken, dass ich nicht mehr leben will. Mein Vater hat einmal zu mir gesagt: „Felix, schau einmal, wo du jetzt bist: Du kannst jetzt schon alleine von der Bettkante ins Sitzen kommen. Vor ein paar Monaten war das noch undenkbar.“ Ich denke, das macht es aus: Diese Erfolge zu erkennen, immer wieder zu reflektieren, was habe ich geschafft?

Heute teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen. Wie bewältigt man Krisen?

Brunner: Den klassischen Katalog gibt es für niemanden, jeder Mensch tickt ein wenig anders und jeder Mensch geht mit Rückschlägen anders um. Aber was man auf alle Fälle sagen kann: Akzeptanz beziehungsweise Verantwortung übernehmen für eine Niederlage oder eine Situation, für die ich im Moment nichts mehr tun kann, ist das Allerwichtigste. Ein weiterer Punkt in meinen Augen ist das Thema Fehlerkultur, die Einstellung zum Scheitern. Der Mensch ist ein Sicherheitswesen. Wir schaffen etwas und das wird dann verwaltet. Das schränkt uns aber stark ein. Nach allem, was ich erlebt habe, ist für mich das große Thema: Fehler machen, Scheitern dürfen.

Was treibt Sie heute an, was wollen Sie noch verwirklichen?

Brunner: Ich habe geheiratet und mit meiner Frau ein Haus gebaut, eine Familie gegründet. So haben sich die Projekte etwas verlagert. Ich möchte gerne ein zweites Buch schreiben und ich habe sportlich noch was vor: Es geht um Kajakfahren auf dem Meer und Handbiken, mehr verrate ich noch nicht.

Augsburger Allgemeine Wissen: Felix Brunner spricht am Mittwoch, 15. Januar, ab 19.30 Uhr in der Stadthalle Gersthofen

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