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Alte Sorten
09.08.2022

2022 ist ein Tomatenjahr: Ein Augsburger Gärtner baut 60 Sorten an

Gärtner Reinhard Schlegel hat die Vielfalt der Tomaten für sich entdeckt und bietet sie seinen Kundinnen und Kunden an.
Foto: Andrea Schmidt-Forth

Das Wetter sorgt heuer für reichlich schöne und aromatische Früchte. Was Berner rose, Fuji und Ananas-Tomaten so besonders macht.

Heutzutage gibt’s Tomaten bei uns rund ums Jahr. Der weltweite Anbau macht’s möglich. Doch aromatisch schmecken Paradeiser oder Liebesäpfel, wie die Österreicher die Früchte poetisch nennen, nur sonnengereift und frisch gepflückt. Am besten zur Hochsaison im August und September, direkt vom Strauch auf den Teller oder in den Topf. Sagt Reinhard Schlegel, Gärtner in dritter Generation und selbst ein Augsburger Gewächs, während er Tomaten in ein Körbchen pflückt. Schon sein Großvater Josef baute in Oberhausen das Gemüse an, das der heimische Boden und das Wetter so hergaben.

Das Wetter spielt eine wichtige Rolle, nicht nur für Tomaten, um die es in unserer Geschichte geht, aber hier ganz wesentlich. So übel, wie der verregnete Sommer 2021 den Gärtnern und Landwirten mit Braunfäule an Tomaten mitspielte, so ist dieser Sommer ein Ausgleich: „Wir haben definitiv ein Tomatenjahr!“, freut sich Reinhard Schlegel. Umso mehr, als der Gärtner vor bald 30 Jahren beschloss, nicht mehr alles anzubauen wie sein Opa, sondern Schwerpunkte zu setzen und den Kunden und Kundinnen etwas Besonderes zu bieten.

Reinahrd Schlegel hat eine eigene Sorte gezüchtet

Neben vorgeputztem Feldsalat und Rosenkohl ist die Vielfalt an Tomaten sein USP. Unique Selling Point heißt bei Betriebswirten Alleinstellungsmerkmal oder Verkaufsargument: Rund 60 Sorten Tomaten zieht der Augsburger jedes Jahr in den Gewächshäusern der zwei Hektar großen Familiengärtnerei heran. Die Ernte verkauft er mit seiner Mutter Philomena am Stand der Familie auf dem Augsburger Stadtmarkt. Tomaten in allen Farben und Formen: rot, rosa, gelb, orange, grün und schwarz, mit und ohne Streifen, rund, länglich, wie ein Herz geformt, von Murmel-klein bis Männerfaustgroß, mit dicker oder dünner Schale, von mild-süß bis würzig-aromatisch.

Zu den Favoriten der Kunden zählen die Berner Rose, eine rosafarbene Fleischtomate mit dünner Schale aus der Schweiz, wie der Name schon sagt, die japanische Fuji, eine ebenfalls rosafarbene Fleischtomate mit dickerer Haut, die Gourmet, eine kleinere feste Sorte, „die viel Potenzial hat“, und die Krimbel. Die hat Reinhard Schlegel selbst aus der aromatischen Krim-Tomate, einer schwarzen Fleischtomate, und der Belriccio gekreuzt. Ach halt, da wären noch die Mini-Ochsenherzen, die gelbe, leicht rot gemaserte Ananastomate, die überhaupt nicht nach Ananas schmeckt und die der Gärtner diesen Sommer auch in einer hübschen Herzform im Sortiment hat, und die grünen Cocktail-Tomaten, die so lecker frisch-säuerlich schmecken … Wer von allem probieren möchte, muss zeitig kommen, denn vor allem am Samstagmittag sind die Tomatenkörbe am Stand ziemlich geplündert.

An Weihnachten beginnt die Vorarbeit

Im Juni aromatische Früchte ernten bedeutet im Winter mit der Arbeit starten. „Tomaten brauchen ein halbes Jahr, bis sie soweit sind“, erzählt der Gärtner. Das Tomatenjahr beginnt deshalb kurz nach Weihnachten. Zwei Tage danach sät er den ersten Satz, also die erste von insgesamt vier zeitlich versetzten Chargen aus. Der Reiz des Neuen: Reinhard Schlegel probiert jede Saison bis zu einem Dutzend neue Sorten aus. Das Saatgut, samenfestes wie hybrides („da bin ich nicht dogmatisch“) bezieht er von hiesigen wie von einem französischen Saatguthändler. Erfahrungsgemäß fliegt die Hälfte der Sorten, die er ausprobiert, wieder raus, die Hälfte bekommt im nächsten Jahr noch mal eine Chance.

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Bis die Sämlinge pikiert, also vereinzelt werden, dürfen sie bei ihm im Heizkeller wohnen, wo sie mehrmals täglich gegossen werden. „Tomatenbabys müssen ziemlich umsorgt werden“, schmunzelt der Gärtner. Mitte/ Ende Januar kommen sie dann ins Anzuchthaus und Mitte März werden sie in das mit heißem Dampf gegen Pilze und andere Krankheiten behandelte Erdreich ausgepflanzt. Wann die Augsburger dann die ersten reifen Früchte zu essen bekommen, entscheidet das Wetter im Frühjahr: „Tomaten wollen schon mindestens ihre 15 Grad. Kommen ein paar schöne sonnige Frühlingstage dazu, können wir bereits Ende Mai die ersten ernten.“

Hummel sorgen für die Bestäubung der Tomatenpflanzen

Dieses Jahr hat das Wetter für eine Art Tomaten-Turbo gesorgt. Seit Ende Mai bekommen die Kunden am Stand der Familie am Augsburger Stadtmarkt die Früchte zu kaufen. Übrigens immer noch zum Vorjahrespreis: Die Kunden profitieren davon, dass der Gärtner noch Betriebsstoffe vom Vorjahr hat und die Heizanlage günstig mit Holz befeuern kann.

Im Gewächshaus setzt der Gärtner auf tierische Unterstützung: Im Frühjahr bringt er einen großen Kasten mit Hummeln an. Er enthält etwa tausend Brummer in verschiedenen Entwicklungsstadien, die sich dann alsbald auf die Suche nach Pollen und damit ans Bestäuben der Tomaten-, Gurken- und Paprikapflanzen machen. Warum Hummeln und nicht Bienen? „Weil die früher aktiv werden als ihre Verwandten, weniger wählerisch und auch fleißiger sind.“

Auch gegen Schädlinge setzt er auf Tierchen, und zwar auf sogenannte Schlupfwespen. In den Tomatenstöcken, gut versteckt unter Blättern, lauern auf kleinen weißen Karten ähnlich wie Preisschilder, winzig kleine Schlupfwespen darauf, das Gelege der weißen Fliegen zu „parasitieren“. Das heißt, die Nützlinge nutzen die Eier des Schädlings als Brutstätte für eigenen Nachwuchs. Die kleinen Schlupfwespen, die schließlich daraus krabbeln, tun weder dem Gemüse noch den Menschen etwas.

Frische Tomete mit Olivenöl und Balsamico-Essig

Eine automatische Bewässerungsanlage sorgt dafür, dass die Pflanzen im Gewächshaus immer genügend Wasser bekommen: Tropfen für Tropfen, gerade so viel, wie sie benötigen. Auf die Anlage ist der Gärtner sehr stolz. Er hat sie selbst ausgetüftelt. „Eigentlich ist mein Gemüse „Bio“, sagt Reinhard Schlegel auch. Mit einer Ausnahme: Seine Pflanzen düngt er „mineralisch“. Nix Hühner- oder Pferdemist, wie es manche Hobbygärtner oder ein bekannter italienischer Spielfilm propagieren. „Damit kriegen die Tomaten nicht das Aroma, das meine haben“, ist Reinhard Schlegel überzeugt.

Sagt’s, holt zwei, drei kleine feste Gourmet aus dem Körbchen und schneidet sie in fingerdicke Scheiben. Mit etwas Salz und Pfeffer, gutem Balsamico-Essig und Olivenöl, dazu ein kräftiges Bauernbrot mit würzigem Obatzter („Natürlich auch vom Stadtmarkt“) – so hat es der Hüter der 60 Tomaten am liebsten.

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