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Historie
29.04.2021

Und es war Sommer: 25 Jahre Porsche Boxster

Aufbruch in eine große Zukunft: Der kleine Roadster box(s)te Porsche einst aus der Krise - und macht heute noch Spaß.
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Aufbruch in eine große Zukunft: Der kleine Roadster box(s)te Porsche einst aus der Krise - und macht heute noch Spaß.
Foto: Porsche

 Eigentlich aus der Not geboren wurde der Boxster zum Bestseller. Heuer wird er 25 Jahre alt. Eine Jubiläums-Ausfahrt.

Man schreibt das Jahr 1996. Klon-Schaf Dolly wird geboren. Erstmalig besiegt der Schachcomputer Deep Blue einen Menschen. Die Pop-Gruppe Take That trennt sich endgültig. Für Porsche ist Geburtsstunde des Kult-Cabrios dunkel. Der Preisverfall des Dollars lässt den wichtigen Überseemarkt Anfang der 1990er Jahre fast zusammenbrechen. Auf der anderen Seite verursachen die technisch eigenständigen Modellreihen 911, 944, 968 und 928 hohe Produktionskosten. Porsche gilt in der Branche als Übernahmekandidat.

Der Preis war heiß - und sollte neue Zielgruppen locken

Mit der Idee eines völlig neuen, offenen Sportwagens verfolgen die Zuffenhausener zwei Strategien. Eine neue Zielgruppe muss her. Das geht nur über den Preis. 70.000 Mark soll das Cabrio kosten - und damit rund 50.000 Mark weniger als ein 911er. Um so einen günstigen Porsche zu bauen, müssen die Produktionskosten herunter. Und das geht nur mit gleichen Teilen über die Baureihen hinweg. Vorderwagen und Türen sind mit dem 911er identisch, der erst ein Jahr später auf den Markt kommen wird.

Ein Klassiker stand Pate

Und natürlich bekommt der Neue einen Boxer-Motor. Aus Roadster und Boxer wird Boxster. Porsche stellt die erste Studie dazu anno 1993 bei der Autoshow in Detroit vor, als die US-Stadt noch das Mekka der Automobilindustrie ist. Designer Grant Larson zitiert im Ur-Modell Sportwagen-Klassiker aus dem eigenen Haus wie den legendären 550 Spyder aus den fünfziger Jahren. Mittelmotor, kurze Karosserieüberhänge am Heck, lange Motorhaube und der mittig montierte Auspuff - das gefällt dem Publikum in Detroit auf Anhieb. Die Verantwortlichen entscheiden: „Bitte die Studie genauso bauen!“

Drei Jahre später kommt der Boxster auf den Markt. 10.000 Vorbestellungen liegen schon vor. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Von der ersten Generation werden knapp 165.000 Exemplare verkauft. Herzstück ist der Sechszylinder-Boxermotor, der erstmalig in der Serie mit Wasserkühlung daherkommt.

Aus 2,5 Litern holt das Triebwerk in der ersten Generation immerhin 204 PS mit einem Drehmoment von 245 Nm heraus. Das reicht für einen Spurt von 6,9 Sekunden von 0 auf 100 und eine Endgeschwindigkeit von 240 km/h. Damit liegt der Boxster weit vorne. Da sieht sogar die Konkurrenz von BMW blass aus, auch wenn der Z 3 spektakulär im James-Bond-Streifen Golden Eye der Welt-Öffentlichkeit präsentiert wurde.

So fährt sich der Boxster als Youngtimer

Und so fährt sich der Youngtimer: Vor dem Porsche-Museum in Zuffenhausen warten ein Exemplar ganz in Gelb. Gebaut 1996 - Ehrensache. Leider kein Cabrio-Wetter, es stürmt, schneit und rieselt. Platz nehmen in der Vergangenheit: Erster Eindruck: Irre, wie schnell die Zeit vergangen ist, das Interieur sieht gar nicht nach Gestern aus. Rotes, feines Leder und Rundinstrumente. Fast so wie heute, nur dass Drehzahlmesser, Tacho, Kühlwasser-Temperatur und Tankinhalt natürlich noch analog angezeigt werden. Gestartet wird wie bei Porsche üblich links vom Lenkrad und - Glück gehabt - der Testwagen hat das Fünfgang-Getriebe mit Handschalter. Damals gab es auch die Automatik Tiptronic, die man am Lenkrad per Knopfdruck schalten konnte.

Technische Daten Porsche Boxster, Modelljahr 1997 - 1999

  • Länge / Breite / Höhe: 4,31 / 1,78 / 1,29 Meter
  • Motor: 2,5 Liter-Benziner
  • Hubraum: 2.480 ccm
  • max. Leistung: 150 kW/204 PS bei 6.000 U/min
  • max. Drehmoment: 245 Nm bei 4.500 U/min
  • 5-Gang-Handschalter, Heckantrieb
  • 0-100 km/h: 6,9 Sekunden
  • Spitze: 240 km/h
  • Normverbrauch: 9,7 l/100 km
  • CO2-Emission: 239 g/km
  • Preis damals: ab 76.500 Mark

Ab geht es auf die Landstraßen rund um Zuffenhausen, rein in die schwäbische Alb. Der Asphalt ist schmierig, da heißt es „Vorsicht!“ mit dem Heckantrieb. Aber der Boxster liegt erstaunlich gut auf der Straße. Der Youngtimer tänzelt, als ob keine 25 Jahre vergangen wären. Mit Schwung rein in die Kurve, mit Vollgas wieder raus. Und immer schön schalten, der Boxer-Motor braucht Drehzahl. Ab 4000 U/min macht das Aggregat mächtig Druck, das anfänglich leicht unterschätzte Drehmoment von 245 Nm ist ausreichend.

Was das Urmodell heute kostet

Nach Ende der nostalgischen Testfahrt lautet das Fazit: 25 Jahre hat dieses Modell schon auf dem Blech. Aber ansehen tut man sie dem Boxster nicht. Ein Youngtimer, der schon in fünf Jahren zum Oldtimer reift. Vielleicht ein Oldie, der sich als Investment eignet. Exemplare mit wenigen Kilometern Laufleistung werden im Augenblick zwischen 20.000 und 30.000 Euro gehandelt. Eines ist jedenfalls jetzt schon sicher: Mit dem Boxster kauft man sich auch heute noch verblüffend viel Fahrspaß.

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