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Test
29.11.2021

In diesem Auto spielt der Benziner nur die dritte Geige

Außen hui, innen kompliziert: der Mitsubishi Eclipse Cross Plug-In-Hybrid.
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Außen hui, innen kompliziert: der Mitsubishi Eclipse Cross Plug-In-Hybrid.
Foto: Mitsubishi

Moderne Hybriden wie der Mitsubishi Eclipse Cross zeigen, welche Komplexität die Motor-Materie annehmen kann. Und was man davon hat. Der Test.

Früher war alles einfacher. Entweder man fuhr Diesel oder Benziner. Dann noch die Entscheidung: Schalter oder Automatik, Heckantrieb oder doch lieber Front? Und schon hatte man sein Wunschauto. Wer heutzutage einen Neuwagen kauft, muss sich hingegen durch einen wahren Antriebs-Dschungel kämpfen. Darf es ein Mild-Hybrid sein, oder lieber ein Plug-In-Hybrid? Ein MHEV, PHEV oder doch ein BEV? Und selbst hybrid ist nicht immer nur hybrid.

Bestes Beispiel dafür ist der neue Mitsubishi Eclipse Cross Plug-In-Hybrid. Zunächst einmal ist das Auto mit dem unaussprechlichen Namen ein PHEV. Also ein Auto, das mit einer aufladbaren Batterie ausgestattet ist und sowohl Verbrenner als auch Elektro-Motor an Bord hat. Normalerweise findet sich die E-Maschine zwischen Getriebe und Verbrenner und mischt von dort aus tatkräftig mit.

Der Verbrenner arbeitet lediglich als Generator

Nicht so beim Mitsubishi Eclipse. Da sitzt jeweils ein Elektro-Aggregat auf Vorder- und Hinterachse - und nur diese beiden geben den Takt an. Das heißt: Im unteren und mittleren Lastbereich fährt der Fernost-SUV rein elektrisch. Der 2,4 Liter große Benziner spielt sogar nur die dritte Geige. Denn selbst, wenn mehr Kraft benötigt wird, arbeitet der Verbrenner lediglich als Generator, also als Strom-Zulieferer, um die E-Maschinen zu versorgen. Und erst dann, wenn es richtig zur Sache geht, also bei Vollgas, voller Ladung oder mit Anhängelast - schiebt der Benziner auch direkt auf den Achsen an. Das nennt man einen seriellen Antrieb. Einer folgt auf den anderen.

Die Vorteile eines solch komplexen Systems liegen eindeutig bei den Finanzen: Als Käufer eines Plug-In-Hybrids bekommt man nach den derzeitigen Förderkriterien schließlich die Umweltprämie. Aber auch beim Verbrauch will man damit einen geschmeidigen Wert anpeilen. Der Verbrenner wird nämlich nach dem Atkinson-Prinzip betrieben.

Einfach gesprochen heißt das, er arbeitet immer in dem vom Wirkungsgrad her besten und recht hohen Drehzahlbereich (was aber akustisch ziemlich nerven kann). Dafür verzichtet er weitgehend auf das Drehmoment. Kein Problem, denn das liefern die E-Aggregate. Und so liest sich der Verbrauch von zwei Litern auf 100 Kilometer zunächst einmal ziemlich gut. Und auch die rein elektrische Reichweite von 45 Kilometern scheint für den Alltag tauglich zu sein.

So viel verbraucht der Mitsubishi Eclipse Cross Plug-In-Hybrid wirklich

Aber wie sieht das in der Praxis aus? Bei unserem Trip durch die bayerischen Alpen verhielt sich der 13,8 kW große Akku vorbildlich. Erst nach knapp 51 Kilometern flotter Fahrt war selbst die letzte Ladung verbraucht, so dass wir unter dem fast alleinigen Einsatz des Benzinmotors nochmal die gleiche Strecke zurücklegen mussten. Unterm Strich lag der Verbrauch nach 100 Kilometern bei knapp 6,5 Litern Benzin. Dazu muss man dann fairerweise noch den verbrauchten Strom dazurechnen.

Ergibt in Summe dann in etwa das, was ein vergleichbarer Benziner verbraucht. Nicht vorzustellen, was dieser Antrieb schluckt, wenn es über Autobahnen geht oder über längere Strecken, bei dem nicht alle 50 Kilometer aufgeladen wird.

Apropos Aufladen. Mit Wechselstrom dürfte die Batterie binnen vier Stunden und sechs Stunden befüllt sein. Der Eclipse weist aber noch eine Besonderheit auf: Dank seines ChadeMo-Anschlusses darf er auch an die schnellen Charger. In 25 Minuten hat er dann wieder 80 Prozent. Klingt gut - nach Messungen des ADAC jedoch braucht der Akku jedoch weitere 30 Minuten, bis er wieder voll im Saft steht. Und das ist für einen Zwischenstopp beim Lebensmittel-Discounter deutlich zu lange, es sei denn man kauft für die Weihnachtsfeiertage ein.

Dynamic Shield nennen die Japaner ihr charakteristisches Markengesicht

Zum eigenwilligen Antrieb passt auch das Erscheinungsbild des Mitsubishi Eclipse. Von vorne wirkt er so, als ob er aus einem Science-Fiction-Film der 2000er Jahre gefallen wäre. Die übereinander angeordneten Doppelscheinwerfer, eingebettet in zwei Chrom-Boomerangs garantieren jedenfalls einen selbstbewussten Auftritt. Dynamic Shield nennen die Japaner ihr charakteristisches Markengesicht. Hinten wirkt der Eclipse weniger spektakulär, eher bieder - und die Seitenlinie folgt dem aktuellen Design-Trend, der aus allen Autos ein Coupé macht.

Reduziert und deshalb geeignet für Freunde des gepflegten Understatements präsentiert sich das Innenleben. Schwarz, Silber, Grau - mehr Farben gibt es nicht in der Nüchternheit der Moderne. Klar und einfach ist auch die Bildschirm-Landschaft. Digital-Tacho und großer Touch-Screen fürs Infotainment - das ist der neue Cockpit-Standard. Wenig aufregend ist auch das Fahrwerk, das ordentlich mitgeht, beim Komfort glänzt und auch beim Kurventanz fast alles mitmacht.

Mitsubishi Eclipse Cross Plug-In-Hybrid: technische Daten

  • Verbrenner: Vierzylinder-Benziner
  • Hubraum: 2.360 ccm
  • Maximale Leistung: 72 kW (98 PS) bei 4000 U/min
  • Maximales Drehmoment: 193 Nm bei 3.500 U/min
  • E-Motor auf der Vorderachse: 60kW (82 PS),137 Nm
  • E-Motor auf der Hinterachse: 70 kW (95 PS), 195 Nm
  • Maximale Systemleistung: 138 kW (188 PS)
  • Batterie: 13,8 kW
  • Reichweite: 41 km (rein elektrisch)
  • Ladezeit: 3 Stunden bei 3,7 kW
  • Antrieb: Automatik, Allrad
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 10,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h
  • Kraftstoffverbrauch kombiniert: 2,0 l/100 km
  • CO2-Emission kombiniert: 45 g/km
  • Länge / Breite / Höhe: 4.55 x 1,81 x 1,69 Meter
  • Leergewicht / Zuladung 1.985 / 515 kg
  • Anhängelast gebr. 1.500 kg
  • Kofferraumvolumen: 359 – 1108 l
  • Preis: 39.890,00 Euro (Basis) - 47.590,00 Euro (Top)

Für welche Zielgruppe ist der Eclipse Cross zu empfehlen? Zunächst einmal für Individualisten, die auf das progressive Design stehen. Wer auf die inneren Werte schaut, der bekommt ein Auto, das bei geduldiger Fahrweise einen soliden Alltagsverbrauch hinlegt. Vorausgesetzt, man kann auch zu Hause aufladen. Das Platzangebot ist ausreichend für eine Familie mit zwei Kleinkindern, wenn die Sprösslinge größer werden, wird es schon schwieriger mit dem Gepäck.

Was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, so glänzt der Mitsubishi mit typisch japanischen Eigenschaften. Der Preis ist solide, auch dank der Umweltprämie. Auch bei der Ausstattung bleibt der Eclipse ein echter Japaner. Das Basismodell ist schon ziemlich gut bestückt. Runde 8000 Euro Aufpreis kostet das Topmodell. Dann hat man auch die 360-Grad-Kamera mit an Bord und eine 230-Volt-Steckdose für alle möglichen Outdoor-Aktivitäten.

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