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Test
10.11.2021

Laden fast so schnell wie tanken: Der Kia EV6 im Test

Kia EV6
4 Bilder
Kia EV6
Foto: Kia, F.  Roschki

An der Ladesäule stellt der Koreaner alles in den Schatten - und den Verbrenner endgültig in Frage. Der Test.

Das ist ja fast so schnell wie Benzin tanken! Der neue Kia EV6 zieht innerhalb von 18 Minuten Strom für knapp 400 Kilometer. Adieu Verbrenner! Wer kia, der Kia. Denn was der Südkoreaner mit diesem Elektroauto auf den Markt bringen, das ist im Augenblick zumindest konkurrenzlos. Technisch so gut wie ein Porsche Taycan, allerdings um die Hälfte billiger. Das Zauberwort heißt 800-Volt-Technik - nur sie ermöglicht so hohe Ladeleistungen.

So viel zieht der Kia EV6 aus dem Schnellader

Wir machen gleich die Probe aufs Exempel. Klassische Situation. Einkaufen im Supermarkt. Was für ein Glück, dass es hier auch einen Schnellader gibt. Immerhin zieht der Kia bis zu 240 KW. Wir parken den Koreaner und holen Reiseproviant. Zehn Minuten später sind wir zurück. Die faustdicke Überraschung: In dieser kurzen Zeit hat der EV6 tatsächlich 35 kWh gezogen. Eine Reichweite von knapp 200 Kilometern. Nach diesem Praxistest sind wir auch geneigt, die offiziellen Ladezeiten zu glauben, wonach 80 Prozent Akku-Ladung schon in 18 Minuten erreicht werden. In knapp einer halben Stunde ist die Batterie ganz voll. Damit ist der EV6 langstrecken- und urlaubstauglich.

Kia EV6: Preise, Leistung, Ausstattung

Zum Marktstart kommt der flotte Koreaner in drei Varianten. Heckantrieb, kleine Batterie (58kWh), 170 PS - das ist die Basisversion für 44.990 Euro. Wenn man die Umweltprämie abzieht, bleibt ein Kaufpreis von 35.420 Euro. Wenig Geld für viel (Elektro-)Auto. Aber ewig lockt die Leistung. Deshalb werden die wenigsten Kunden der Versuchung widerstehen können, ihren EV6 zu pimpen. Sinn macht zunächst einmal die größere Batterie mit 77,4 kWh, damit das E-Auto bis zu 528 Kilometer weit rollen kann. Dann schon mit 229 PS Leistung (Aufpreis 4.000 Euro). Bei der Allrad-Variante (Aufpreis 7.900 Euro) bringt der EV6 nicht nur noch mehr Power auf die Straße (325 PS), sondern liefert auch ein sattes Drehmoment von 605 Nm ab. All diese Varianten sind wegen des gleichen Grundpreises förderungswürdig im Sinne der Umweltprämie. Wer Fahrleistungen wie bei einem Sportwagen haben will (3,5 Sekunden von 0 auf 100) - der muss Geduld aufbringen. Die GT-Version mit 585 PS kommt erst Ende 2022.

Optisch folgt der EV6 den aktuellen Designtrends

Optisch folgt der EV6 den aktuellen Designtrends. Die Coupélinie gehört ja schon zum guten Ton, ansonsten wirkt das Auto wie ein höher gelegter Sportwagen. Hinten verfügt der EV6 über gleich zwei Spoiler. Einen am Dach und einem unter der Heckscheibe. Sieht ein bisschen nach Entenhausen aus. Das Platzangebot ist reichlich, auch auf den Rücksitzen. Allerdings müssen sich größere Passagiere zum Einsteigen ein wenig falten. Komisch, die alte Papierfaltkunst Origami wurde eigentlich in Japan und nicht in Korea erfunden. Innen bietet der EV6 futuristisches Digital-Design auf zwei Bildschirmen.

Die Mittelkonsole schwebt dank des fehlenden Getriebes wie ein Ufo im Raum. Plastik findet sich reichlich. Auch solches, das nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnen würde. Aber irgendwo muss ja bei diesem Kampfpreis ja gespart werden. Und außerdem geht es neuerdings ja auch immer Nachhaltigkeit. Bei der Ausstattung des Innenraumes wird das Material von genau 111 geschredderten P.E.T-Flaschen verwendet, wie Kia stolz vermeldet. Eine besondere Erwähnung verdient das Leder - vegan hergestellt, was der künftigen Kia-Klientel wichtig zu sein scheint.

Technische Daten Kia EV6 Pro (77,4 kWh)

  • Elektro-Motor auf der Hinterachse
  • Leistung: 168 kW (229 PS) Drehmoment: 350 Nm
  • Antriebsart: Heck
  • 0-100 km/h: 7,3 Sekunden
  • Spitze: 185 km/h
  • Akku-Kapazität: 77,4 kWh
  • Ladeleistung (kW): AC 2,3 bis 11,0; DC: 50,0 - 240,0 kW
  • Reichweite: bis zu 528 km
  • Verbrauch: 16,5 kWh / 100 km
  • Testverbrauch: 22,5 kWh / 100 km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,70 / 1,89 / 1,55 m
  • Leergewicht / Zuladung: 1.985 / 440 kg
  • Anhängelast (gebr.): 1600 kg
  • Kofferraum: 490 – 1.300 l
  • Frunk: 52 l
  • Preis: ab 54.790 Euro

Praktisch ist der EV6 in vielerlei Hinsicht. Das fängt schon bei der Anhängelast an. Immerhin 1,6 Tonnen kann der EV6 mit der großen Batterie ziehen. Also wohnwagentauglich. Und der Strom für den Caravan ist auch schon mit an Bord. Der Koreaner kann nämlich nicht nur Ladung auftanken, sondern sie auch abgeben. Über einen Zusatzadapter, der über den Ladestecker gestülpt wird, bietet der Kia eine 220-Volt-Steckdsoe an. Entweder für den Wohnanhänger oder um sein E-Bike noch mal aufzufüllen, bevor es auf Mountainbike-Tour geht.

Der virtuelle Außenspiegel kann Leben retten

Das vielleicht wichtigste Ausstattungsfeature, das bereits im Kia Sorento oder im Stinger Dienst tut, sollte man sich auf jeden Fall gönnen. Es ist ein virtueller Außenspiegel, genauer gesagt eine Kamera, die den toten Winkel rechts und links vom Fahrzeug filmt und die Bilder davon auf den Tacho schickt, sobald der Blinker bedient wird. Zusammen mit dem Totwinkelwarner ist das ein Assistent, der Leben rettet und sollte von daher Pflicht in jedem Pkw sein. Rudolf Bögel

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