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Test
22.10.2021

Volvo wird vegan, aber der neue C40 ist alles andere als öko

Fahrdynamisch eine Wucht, und das ohne schlechtes gewissen: Der Volvo C40 Recharge, das erste reine Elektroauto der Schweden.
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Fahrdynamisch eine Wucht, und das ohne schlechtes gewissen: Der Volvo C40 Recharge, das erste reine Elektroauto der Schweden.
Foto: Volvo

Der vollelektrische C40 beendet gleich zwei Zeitalter: das des Verbrenners. Und das des Leders. Hier der Volvo C40 im Test.

Heute bemisst sich ja der Fortschrittsgrad eines Autos daran, was es alles nicht mehr hat. Einen Verbrennungsmotor zum Beispiel. Dem hatte Volvo als einer der ersten Hersteller früh die Messe gelesen. 2030 soll es noch nicht einmal mehr Hybriden geben, nur noch reine Stromer. Oder eine Höchstgeschwindigkeit. Die haben die Skandinavier auf 180 km/h begrenzt und damit faktisch abgeschafft. Als nächstes an der Reihe: Leder im Auto, auch so ein überholtes Statussymbol.

High-Tech-Materialen ersetzen Leder im Volvo C40

Das schicken die Schweden nun mit dem neuen C40 in Rente. Stattdessen kommen High-Tech-Materialien aus Recycling- oder nachwachsenden Rohstoffen zum Einsatz. Keine Sorge, die Griffigkeit und Geschmeidigkeit von Leder liefern auch sie ein Stück weit. Viele andere Marken experimentieren ebenfalls mit synthetischen oder pflanzlichen Alternativen, haben aber das gute alte Leder oft immer noch als Option im Programm. Selbst Volvo mustert es zunächst nicht ganz aus, sondern nur in den vollelektrischen Wagen.

Da aber konsequent. Die Volvo-Veganer verzichten nicht nur darauf, für ein Auto-Interieur einem Tier die Haut abzuziehen, sondern achten auch auf umstrittene Bedingungen in der Produktion. Wenn zum Beispiel für die Gewinnung eines Materials tierischer Lebensraum zerstört würde, wäre das für die Marke ein Tabu. Oder wenn Chemikalien zum Einsatz kämen, die zuvor an Tieren getestet wurden.

Der C40 ist das erste rein elektrische Auto von Volvo

Einen solchen Bewusstseins- und Imagewandel läutet man natürlich nicht in irgendeinem Auto ein, sondern in einem rein elektrischen. Das verkörpert der „C40 Recharge“, so die offizielle Bezeichnung, und zwar als erster Volvo seiner Art. Zwar gibt es den exakt gleichen Antrieb schon im XC40, aber dieser ist eben auch noch mit Benziner (Plug-in-Hybrid) erhältlich. Während der XC40 als reinrassiges SUV auftritt, versucht sich der C40 in dem schwer in Mode geratenen Crossover-Segment. Das lässt sich kritisch betrachtet auch in diesem Fahrzeug auf die Formel „weniger Platz, dafür mehr Design“ reduzieren.

Was die Längsdynamik betrifft, ist der C40 alles andere als öko. Denn in Sachen Leistung sind und bleiben die Schweden bei aller Liebe zur Nachhaltigkeit großzügig. Zwei E-Maschinen sorgen für satte 300 kW (408 PS) Teamwork. Jede treibt mit 150 kW beziehungsweise 330 Nm eine Achse an, so dass die Power an alle vier Räder abgegeben wird.

Volvo C40: Reichweite und Ladedauer

Ein Tritt auf das Strompedal (das wegen starker Rekuperation übrigens gleichzeitig das Bremspedal sein kann) – und der C40 macht einen gewaltigen Satz. Die Beschleunigung kommt noch knochentrockener als bei anderen kompakten Stromern. Alter Schwede, geht der ab! An einen Verbrenner denkt da wirklich kein Mensch mehr, noch nicht einmal beim Dauerthema Reichweite. Sie liegt im C40 dank 78 kWh fassendem Akku bei 420 Kilometern (nach WLTP). In 40 Minuten an der Schnellladesäule ist die Batterie wieder zu 80 Prozent gefüllt. Im Idealfall wird man den C40 ohnehin an der heimischen Wallbox laden, was rund acht Stunden in Anspruch nehmen sollte.

Das Infotainment im Volvo C40 wird von Google gemanagt

Das komplett neue Volvo Infotainmentsystem hat der C40 serienmäßig an Bord. Es ist zwar auch eine eigene Entwicklung, basiert aber zu großen Teilen auf der Software von Google. Und kann entsprechend viel: Apps laden, Musik streamen, Klartext-Navigationsziele finden, Nachrichten verschicken, personalisierte Einstellungen schon beim Einsteigen bereitstellen. Alles verblüffend einfach per Sprachbedienung.

Ganz so, wie die Zielgruppe es vom Smartphone her kennt. Nur dass der C40 gar nicht mehr auf ein Smartphone an Bord angewiesen ist, sondern sämtliche benötige Hardware gleich mitbringt. Man meldet sich einfach mit seinem Google-Konto im Wagen an oder erstellt eines zu genau diesem Zweck. Updates werden wie bei Tesla über die Luft eingespielt.

Apple Car Play haben die Schweden nicht im Programm. Schade, warum? Weil ihr System besser sei, sagen sie selbstbewusst. In der Disziplin „Konnektivität“ spürt man die Liaison mit den Chinesen, die auf diesem Gebiet weiter fortgeschritten sind als die Europäer. Volvo gehört seit 2010 zum chinesischen Geely-Konzern.

Volvo C40 Recharge: technische Daten

  • Spezifikation Volvo C40 Recharge First Edition
  • Leistung 300 kW, 408 PS
  • Drehmoment 660 Nm
  • Reichweite WLTP 420 km
  • Batteriekapazität 78 kWh
  • Ladedauer (Wallbox) 8 Std
  • Schnellladung 40 min
  • Verbrauch 20,7 - 22,3 kWh
  • L/B/H 4,44/1,87/1,60
  • Leergewicht/Zul. 2207/413 kg
  • Anhängelast gebr. 1800 kg
  • Kofferraum 413-1205 + 31l
  • 0 – 100 km/h 4,7 s
  • Spitze 180 km/h
  • Preis ab 62.050 Euro

So viel kostet der neue Volvo C40 Recharge

Preislich beginnt der „C40 Recharge Twin First Edition“ bei 62.050 Euro. Damit liegt er rund 3000 Euro über einem vergleichbaren XC40. Der Aufpreis ist üblich für die besondere Karosserieform, aber tut schon weh, zumal der Crossover gegenüber dem SUV keinen wirklichen Mehrwert bietet, abgesehen vielleicht von einem optischen, der durch die coupéhaftere Linie begründet ist.

Eine günstigere Einstiegsversion des C40, dann mit nur einem Motor und zwar auf der Vorderachse, ist in Arbeit. Ob der Kundschaft die vegane Kost schmeckt? Geschadet hat Volvo der eingangs erwähnte Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Vernunft jedenfalls nie. Nach jedem Schritt haben die Schweden mehr Autos verkauft als zuvor.

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