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Kaum Gehaltsangaben in Stellenanzeigen – warum sich das bald ändern soll

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Kaum Gehaltsangaben in Stellenanzeigen – warum sich das bald ändern soll

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    In vielen Stellenanzeigen sucht man vergebens nach Gehaltsangaben. Das sorgt für Frust bei Bewerbern und verstärkt Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung.
    In vielen Stellenanzeigen sucht man vergebens nach Gehaltsangaben. Das sorgt für Frust bei Bewerbern und verstärkt Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung. Foto: gopixa, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Bei der Jobsuche müssen viele verschiedene Kriterien berücksichtigt und abgewogen werden, von den Arbeitsbedingungen im Unternehmen über die geforderte Wochenarbeitszeit bis zur Zukunftssicherheit der Stelle. Doch auch das Gehalt muss stimmen, um im Job glücklich zu sein. Idealerweise gibt bereits die Stellenanzeige Aufschluss darüber, welchen Lohn man in der Position erwarten kann. Doch deutsche Arbeitgeber machen um die Höhe des Gehalts häufig ein Geheimnis – dabei ist diese Information für viele Bewerberinnen und Bewerber entscheidend. Mit der Einführung eines neuen Gesetzes dürfte damit allerdings bald Schluss sein.

    Gehaltsangaben in Stellenanzeigen: Wie häufig findet man sie in Deutschland?

    Wer zurzeit auf Jobsuche ist, dürfte das Problem gut kennen: Man liest eine vielversprechende Stellenanzeige, in der Aufgaben und Anforderungen detailliert beschrieben sind – Angaben zum Gehalt sucht man jedoch vergebens. Dass Arbeitgeber diese Information lieber erst später im Laufe des Bewerbungsprozesses preisgeben, ist insbesondere in Deutschland geläufig. Das zeigt eine internationale Vergleichsanalyse der Job-Plattform Indeed: Bei der Lohntransparenz in Stellenausschreibungen landet die Bundesrepublik auf dem letzten Platz. Nur etwa jede achte Jobanzeige (12,5 Prozent) auf dem deutschen Arbeitsmarkt enthält demnach eine konkrete Angabe zur Entlohnung.

    In den sechs anderen untersuchten Ländern in Europa fällt die Quote teilweise deutlich höher aus. Besonders in Frankreich (43 Prozent), den Niederlanden (48 Prozent) und Großbritannien (56 Prozent) sind Informationen zum Gehalt häufiger zu finden. Von einer flächendeckenden Lohntransparenz kann man allerdings auch hier nicht sprechen, wie Indeed-Ökonomin Lisa Feist einordnet. Zwar hat sich die Quote in allen europäischen Ländern seit 2020 im Schnitt mehr als verdoppelt, doch in den letzten beiden Jahren stagnierte sie weitgehend. In Deutschland ging der Anteil 2026 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,2 Prozentpunkte zurück.

    Zwischen einzelnen Berufsfeldern bestehen laut der Analyse allerdings klare Unterschiede in der Häufigkeit der Gehaltsangaben. Grundsätzlich ist die Lohntransparenz bei Stellenanzeigen in niedriger bezahlten Branchen größer. In Deutschland sind etwa die meisten Jobausschreibungen mit Gehaltsangaben in den Bereichen Reinigungsdienste (34,8 Prozent), private und öffentliche Sicherheit (23,5 Prozent) und Transportwesen (22,3 Prozent) zu finden. In der Pharmazie (5,2 Prozent) sowie im Sektor IT-Anwendungen (5 Prozent) und Daten-Analytics (4,4 Prozent) halten Arbeitgeber die Gehaltsaussichten dagegen am häufigsten unter Verschluss.

    Warum sind Informationen zum Gehalt in Stellenanzeigen wichtig?

    Wird das zu erwartende Gehalt in der Stellenausschreibung nicht angegeben, fehlt Bewerberinnen und Bewerbern ein wichtiger Orientierungsfaktor, um einschätzen zu können, ob die Vergütung ihren Vorstellungen entspricht und wie sehr sich der angebotene Job finanziell für sie lohnt. Zudem fällt der Vergleich zwischen verschiedenen Arbeitgebern schwerer, wenn man die Bezahlung nicht beurteilen kann.

    Die Mehrheit der Jobsuchenden wünscht sich dementsprechend mehr Lohntransparenz, wie aus einer von Indeed in Auftrag gegebenen Umfrage hervorgeht. 64 Prozent der deutschen Befragten sind der Meinung, dass Stellenanzeigen standardmäßig Informationen zu Gehaltsspannen enthalten sollten. Gibt ein Arbeitgeber die Bezahlung in der Ausschreibung an, sind Arbeitsuchende viel eher dazu bereit, sich bei dem Unternehmen zu bewerben. In Deutschland würden 61 Prozent der Befragten wahrscheinlicher auf eine solche Stellenanzeige reagieren, im europäischen Durchschnitt sind es sogar 71 Prozent.

    Eine größere Lohntransparenz kann außerdem zur Reduzierung des Gender Pay Gap beitragen, also Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern schmälern. Zu diesem Schluss kommt eine Studienübersicht im Fachjournal Annual Review of Economics. In Deutschland verdienen Frauen nach Angaben des Statistischen Bundesamts pro Stunde im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer (unbereinigter Gender Pay Gap). Rechnet man strukturelle Unterschiede mit ein, beispielsweise bei der Berufswahl, dem Beschäftigungsumfang oder Karrierelevel, beläuft sich die Differenz auf sechs Prozent (bereinigter Gender Pay Gap).

    Was ändert sich mit dem neuen EU-Gesetz bei Gehaltsangaben?

    Da Arbeitgeber freiwillig kaum Gehaltsinformationen in Stellenanzeigen preisgeben, müsse der Gesetzgeber nachhelfen, sagt Wirtschaftsexpertin Lisa Feist: „Eine dauerhafte und konjunkturunabhängige Offenheit bei Gehältern wird sich voraussichtlich erst dann als Standard durchsetzen, wenn gesetzliche Rahmenbedingungen vollumfänglich greifen.“ Dieser Mechanismus habe sich bereits auf dem nordamerikanischen Arbeitsmarkt gezeigt.

    Und auch in der Europäischen Union sollen Arbeitgeber künftig zu mehr Lohntransparenz verpflichtet werden. 2023 wurde die EU-Entgelttransparenzrichtlinie beschlossen, um ungerechtfertigte Gehaltsunterschiede zu bekämpfen und den Arbeitsmarkt fairer zu gestalten. Sie gibt laut dem Europäischen Rat unter anderem vor, dass Arbeitgeber Bewerberinnen und Bewerber in der Stellenausschreibung oder zumindest vor dem ersten Vorstellungsgespräch über das Einstiegsgehalt oder die Entgeltspanne informieren müssen.

    Die EU-Lohntransparenz-Richtlinie muss nach Angaben der IHK bis zum 7. Juni 2026 von allen Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland wird es allerdings eng: Zwar verabschiedete eine Expertenkommission im Oktober 2025 einen Abschlussbericht zur Umsetzung der Richtlinie. Ein Gesetzentwurf liegt aber noch nicht vor (Stand: 22. Mai 2026). Und auch andere EU-Länder dürften die Frist laut Indeed verpassen und die Gesetzesänderungen erst verspätet einführen. Fest steht also: Die Pflicht zur Lohntransparenz wird kommen, doch wann es so weit ist, bleibt vorerst offen.

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