Der Grad der Behinderung (GdB) soll angeben, inwieweit Menschen durch eine chronische Krankheit oder eine Behinderung in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Je höher der Grad der Behinderung, desto mehr Entlastung soll den Menschen zugutekommen. Was genau kann man erwarten, wenn man auf einen GdB von 60 eingestuft wird?
GdB 60: Wann liegt er vor?
Wann genau ein Grad der Behinderung von 60 vorliegt, legt die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) fest. Für einen GdB 60 müssen die „körperlichen, seelischen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen“ – wie der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung schreibt – einer Person so stark sein, dass sie ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben deutlich einschränken.
Generell wird der GdB in Zehnerschritten bestimmt. Ein GdB von 60 gilt rechtlich bereits als Schwerbehinderung, liegt aber unterhalb der höchsten Schweregrade. Mit einem solchen Status können bereits verschiedene Nachteilsausgleiche verbunden sein, etwa steuerliche Erleichterungen oder besondere Kündigungsschutzrechte.
GdB 60 ohne Merkzeichen: Welche Vorteile werden gewährt?
Wer einen Grad der Behinderung von 60 aufweist, bekommt einige Nachteilsausgleiche zugesprochen. So bekommt man automatisch einen Schwerbehindertenausweis. Mit einem solchen genießt man laut Neuntem Sozialgesetzbuch einen besonderen Kündigungsschutz. Eine Kündigung muss, damit sie rechtskräftig wird, erst vom Integrationsamt überprüft werden. Zusätzlich stehen einem mehr Urlaubstage zu. Sollte man außerdem eine besondere Ausstattung am Arbeitsplatz benötigen, werden die Mehrkosten hierfür laut Informationen der Agentur für Arbeit ebenfalls vom Staat übernommen.
Bei einer Schwerbehinderung, die ab einem GdB 50 automatisch vorliegt, kann man außerdem früher abschlagsfrei in Rente gehen. Menschen, die im Jahr 1964 oder später geboren sind, können laut Deutscher Rentenversicherung somit bereits mit 65 Jahren in Rente. Ist man früher geboren, kann man den Rentenbeginnrechner auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung nutzen, um herauszufinden, wann man ohne finanzielle Abzüge in Rente gehen kann.
Auch Steuererleichterungen kommen mit einem Grad der Behinderung. Bei einem GdB 60 liegt der Steuerfreibetrag bei 1440 Euro, wie das Bundesfinanzministerium erklärt.
Neben den genannten Nachteilsausgleichen kann es individuell unterschiedliche, weitere Vorteile für Menschen mit einer Behinderung oder einer Krankheit geben. Welche konkreten Rechte zusätzlich gelten, hängt jedoch von möglichen Merkzeichen ab, die besondere Beeinträchtigungen kennzeichnen. Der GdB selbst bildet dafür die Grundlage, ersetzt laut Behindertenbeauftragten die Merkzeichen aber nicht.
Wofür stehen die Merkzeichen im Behindertenausweis und welche Vorteile gibt es?
Zusätzlich zum Grad der Behinderung können verschiedene Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis festgehalten werden, die weitere Vorteile bieten. Dafür stehen die Merkzeichen:
- G: Die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt. Es gibt eine Ermäßigung bei der Kfz-Steuer sowie die unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr.
- aG: Die Person ist außergewöhnlich gehbehindert. Mit einem solchen Merkzeichen gibt es beispielsweise Vergünstigungen im Nahverkehr und die Befreiung von der Kfz-Steuer.
- H: Die Person ist hilflos. Sie ist von der Kfz-Steuer befreit.
- Bl: Die Person ist blind. Als blind sind auch Menschen anzusehen, deren Sehschärfe so gering ist, dass sie sich in einer ihnen nicht vertrauten Umgebung ohne fremde Hilfe nicht zurechtfinden können. Sie sind von der Kfz-Steuer befreit und werden unentgeltlich im öffentlichen Personennahverkehr befördert.
- Gl: Die Person ist entweder gehörlos, weil eine Taubheit beider Ohren vorliegt oder weist eine beidseitige Hörbehinderung auf, die an Taubheit grenzt. Auch hier gibt es eine Ermäßigung bei der Kfz-Steuer sowie die unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr.
- B: Die Person ist berechtigt zur Mitnahme einer Begleitperson.
- RF: Die Person ist von der Rundfunkgebührenpflicht befreit.
- TBl: Die Person ist taubblind.
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