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Winterwandern

18.12.2018

Auf Schneeschuh-Safari im Nationalpark Hohe Tauern

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2 Bilder
Auf Schneeschuhen den Nationalpark erwandern. Was man zum Schutz der Tiere beachten muss.  

Mit etwas Kondition und einem Fernglas in der Hand kommen Wanderer den Big Five der Alpen näher. Was der Schnee über die Bergtiere verrät.

Das weiße Gold der Alpen ist der Tierwelt schönster und gleichzeitig stillster Verräter. Während in den wärmeren Jahreszeiten Fuchs oder Hase nur schwer aufgespürt werden können, geben die Spuren im frischen Schnee ihre Existenz preis. Nicht dass wir der Tierwelt einen Besuch abstatten wollten; dieser Verrat hat keine Konsequenzen. Gerade im Winter brauchen die Tiere viel Ruhe. Doch wir wollen gern Fährtenleser sein, mehr erfahren und ein kleines bisschen in diese besondere Welt eintauchen – so weit, wie es ihr guttut.

Unsere Gruppe hinterlässt ebenfalls Abdrücke: Riesige Klauen an unseren Füßen krallen sich in den Schnee, daneben die Einstichstellen der Stöcke. Schritt für Schritt folgen wir Nationalpark-Rangerin Maria durch die eisige Nacht in Osttirol. Unsere Spur verrät vor allem, dass wir auf Schneeschuhen wandern. Wir hoffen darauf, dass uns der Mond Licht schenkt. Doch der versteckt sich noch hinter den Wolken. Unsere Augen gewöhnen sich dennoch schnell an die Dunkelheit, also erkennen wir trotz leichtem Schneefall die Konturen der Landschaft, die Bergflanken, die Bäume, die Gipfel. Die Tierspuren aber nicht. Dafür muss Maria erst ihre Taschenlampe anknipsen.

Ein Alpensteinbock – fotografiert durch ein Spektiv.
Bild: Mörzl

Wir ziehen weiter durch die Nacht, da pfeift sie uns zurück. Sie hat Spuren entdeckt, zwar vom Wind in den Schnee gepresst, doch sie erkennt das Tier trotzdem. Ein Fuchs muss dieselbe Strecke zurückgelegt haben. Im Sommer hätten das wohl nur wenige bemerkt. Doch der Schnee verrät ihn, genauso wie wenig später den Schneehasen. Wir begegnen den Tieren nicht, was gut so ist. Dafür brechen für einen Moment die Wolken auf. Im Mondschein gehen wir auf den riesigen Suppentellern zu einer Hütte und wärmen uns auf, sprechen über die Tierwelt dieser alpinen Urlandschaft, die uns bei Tag begegnen wird. Wir wissen schon bald, warum Tourismus und Naturschutz sich nicht widersprechen müssen.

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Unterwegs am Fuß des Großglockners

Es ist Winter im Nationalpark Hohe Tauern. Der Schnee liegt meterhoch auf den Dächern, bedeckt die Gipfel der Gletscherlandschaften. Am nächsten Tag sind wir mit Nationalpark-Ranger Emanuel am Fuß des Großglockners auf Schneeschuh-Safari. Diesmal spüren wir keine Fährten auf. Diesmal sind wir ausgestattet mit Ferngläsern und Spektiv, wollen die Tiere sofort entdecken – in sicherer Distanz aus der Ferne, um ihnen keinen Grund zur Flucht zu geben und ihnen somit keine Energie zu rauben. Uns steht eine Safari der besonderen Art bevor.

Anders als in den Savannen Afrikas müssen wir uns vor den Wildtieren im Nationalpark nicht schützen. Statt in einem Expeditions-Geländewagen zu sitzen, stapfen wir weiter auf Schneeschuhen durch die Natur. Die Safari beginnt am Lucknerhaus bei Kals am Großglockner. Schon nach kurzer Zeit positioniert Ranger Emanuel sein Spektiv mit 60-facher Vergrößerung im Schnee. Auf einem Bergkamm zu unserer Rechten streifen zwei Steinböcke durch den Schnee. Waren diese Tiere nicht sogar schon vom Aussterben bedroht? Sogar mit dem bloßen Auge sehen wir die beiden Tiere, bis sie wieder ins steinige Gelände ziehen. Dann schützt sie die Tarnung im felsdurchsetzten Gelände vor unseren Blicken. Bald schon entdecken wir noch mehr.

Emanuel ist als Ranger im Nationalpark Hohe Tauern unterwegs.
Bild: Mörzl

Rund 200 Alpensteinböcke gibt es in dieser Ecke Österreichs wieder – die größte Einzelpopulation in ganz Osttirol, wie die Nationalparkvertreter informieren. Weiter Schritt für Schritt gehen wir den Hang hinauf, keine Karosserie trennt uns von der Urlandschaft mit Lärchenwäldern. Ranger Emanuel führt uns vorbei an einem Bachlauf. Die steinigen Flanken der Gebirgswelt steigen rechts und links steil auf. Vor uns ist der Gipfel des Großglockners zu sehen. Emanuel zeigt mit seinem Stock auf eine andere Bergflanke, auf der ein Rudel Berggämsen verweilt. „Heute haben wir wirklich Glück“, sagt er. Ein Stückchen weiter des Weges entdeckt der Hüter dieses Lebensraums, wie die Ranger ursprünglich genannt wurden, zwei parallele Abdrücke und zwei vertikale. „Hier war ein Schneehase unterwegs“, sagt er an die Wanderer hinter sich gerichtet.

Der Schneehase zählt nicht zu den Big Five

Im Nationalpark Hohe Tauern Osttirol zählt der Schneehase nicht zu den Big Five, die könnte man so zusammenfassen: Steinadler (Wappentier des Nationalparks), Bartgeier, Steinbock, Gämse und Murmeltier. Wer nun aber denkt, dass für die Ranger der Steinadler der König der Lüfte ist, der hat eine falsche Spur verfolgt. Für sie viel bedeutender ist der Bartgeier. In dieser Alpenregion leben wieder 45 Pärchen. Das Tier galt bereits als ausgestorben, da stoßen Wissenschaftler wieder auf den Beweis, dass wenige Tiere noch durch die Alpen fliegen. Der Bartgeier hatte einen schlechten Ruf, erzählt der Ranger weiter. Die Menschen dachten früher, er würde Unheil bringen, Tiere töten und auch Menschen. Als Beweis sahen sie dafür die Knochen unterhalb seines Nestes an. Doch das war ein Trugschluss. Der Bartgeier ist ein Aasfresser. Auf seinem Speiseplan stehen tote Tiere, keine lebendigen. Er ist vielmehr derjenige, der hier oben aufräumt.

Die Ranger im Nationalpark Hohe Tauern versuchen das Gleichgewicht in der Natur aufrechtzuerhalten. Generell sollen die Nationalparks seit 1971 einen Gegenentwurf zum Massentourismus darstellen. Durch die Ranger und spezielle Projekte will der Nationalpark Besucher für den Naturschutz sensibilisieren. Durch das Schutzgebiet sowie den langjährigen Einsatz vieler Bewohner der Gegend wurden beispielsweise ein Staudammbau oder Gletschergebietserschließungen verhindert, sagt Emanuel.

Er und viele andere Ranger geben im Nationalpark Tipps, wie sich Besucher vor allem im Winter verhalten sollten. Zu dieser Jahreszeit leben nicht nur die Big Five, sondern viele weitere Tiere auf Sparflamme. So sollen vorhandene Wege genutzt und Sperrflächen gemieden werden. Wintersportler sollten sich Wildtieren nicht nähern. Wird die Distanz gewahrt, bleibt die Natur noch lange ein lebendiges Klassenzimmer, in dem Schneeschuhwanderer auf Safari gehen können.

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