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Buchtipps für Weihnachten

09.12.2020

Fernweh zu Verschenken: Unsere Buchtipps nicht nur für Globetrotter

In aller Herrgottsfrüh ein Glücksmoment für den Fotografen. Eine Hirschkuh durch quert mit zwei Jungtieren die Isar.
Bild: Verlagshaus Römerweg;

Von der Isar, über Sizilien an den Amazonas: Mit diesen Büchern und Bildbänden machen Sie zu Weihnachten nicht nur Globetrottern eine Freude.

Derzeit hilft nur Reisen in Gedanken. Vier Bücher und Bildbände, die unterschiedlicher nicht sein könnten – mal eine Einladung, die Nähe zu entdecken, mal eine nachdenklich stimmende Bilderchronik. Aber lesen Sie selbst:

Hintergründiges über Sizilien mit der Sängerin Etta Scollo

Die Schutzheilige von Palermo.
Bild: Verlagshaus Römerweg;

Als Tourist besucht man auf Sizilien die antiken Tempel, geht ins Meer und spaziert abends durch die morbidbarocken Städte. Aber was weiß man schon über die Insel, die gar nicht so richtig zu Italien gehören will? Jetzt kann man in „Voci di Sicilia“ mit der Sängerin Etta Scollo zu einer Lesereise aufbrechen und erhält Einblicke, die man nie erhalten würde. Etwa wenn Scollo über die Parknot in ihrer ’Heimatstadt Catania erzählt und dann überraschend im Palais der Biscaris landet, das sich 80 Erben mittlerweile teilen. Oder wenn Autor Daniele Zito von der wundersamen Neigung der Einwohner von Catania erzählt, die bei einem Ausbruch des Ätna nicht fliehen, sondern der Lava entgegen fahren. Oder die verrückte Geschichte des Ortes Giarre, in dem protzige Bauruinen stehen, weil von irgendwoher Geld floß, doch nicht genügend. Jetzt gibt es dort etwa ein unvollendetes Stadion für Polo-Turniere, aber kein Mensch spielt auf Sizilien Polo. Eine Kommissarin der Staatspolizei erzählt von ihrem Kampf gegen die Kriminalität, ein Bauer und Naturphilosoph von der Wiederbelebung der Manna-Produktion und ein Fürst schildert Syrakus in der Antike – und immer wieder Anekdoten von Etta Scollo, deren Lieder man via QR-Code runterladen kann.

Das Buch Voci di Sicilia. Eine Reise durch Sizilien. Corso, 255 S., 29,90 Euro

Bilder eines Flusses: Die Isar als Lebensader

Die Isar an einem stillem Herbsttag.
Bild: Karl Seidl

Eine Hommage an einen Fluss ist der Bildband „Wilde Isar“. 26 Münchner Fotografen, die der Gesellschaft für Naturfotografie angehören, haben teils jahrelang auf dieses eine Bild gewartet, das sie von der Isar haben wollten. Bis die Stimmung passte, das Wetter sowieso, bis sich die Tiere zeigten. So ist ein detailreiches Porträt über die Isar entstanden – von der Quelle im Karwendelgebirge bis zur Mündung in die Donau. Der Bildband ist ein einzige Einladung, die Welt langsam zu entdecken, das Spannende in der Nähe zu finden, ja, und auch behutsam mit der Natur umzugehen. Der Artenreichtum, den die Hobbyfotografen abbilden, ist beeindruckend. Die Heuschrecken auf der Kiesbank, die bestens getarnten Eulen, die Wechselkröte in der Fröttmaninger Heide mit der Allianz Arena im Hintergrund. Dass viele unterschiedliche Fotografen am Werk waren, erhöht des Reiz des Bildbandes. Mal wirken die Fotografien pastelligzart wie alte Landschaftsmalerein, mal sind sie eher grafische Detailaufnahmen, mal technische Spielereien – am Ende entsteht das Bild eines Flusses.

Das Buch Wilde Isar. Naturschätze zwischen Hochgebirge, Stadt und Auenlandschaft. Knesebeck, 190S., 36 Euro

Verbaute Welt: Wie der Mensch die Erde formt

Plastikabdeckungen für Felder in Südspanien.
Bild: Verlagshaus Römerweg;

George Steinmetz ist als Reporter für die New York Times seit Jahrzehnten in aller Welt unterwegs und für seine Luftaufnahmen berühmt. Seine Bilder entstehen meist aus Ultraleichtflugzeugen oder mit Drohnen. In dem Bildband „Human Planet“ dokumentiert der Fotograf, wie der Mensch die Erde zu seinem Zweck formt. Die oft grafische Ästhetik der Bilder täuscht aber nicht darüber hinweg, wie sehr der Mensch die Erde sich schon zum Untertan gemacht hat. Der Bildband beginnt mit menschenleeren Weiten in der Wüste etwa. Allmählich schleicht sich der Mensch in die Aufnahmen, bis er diese dominiert. Die scheinbar endlosen Reisterrassen von Pengyang in China, die kreisrunden, bewässerten Tomatenfelder in der Wüste Saudi-Arabiens. Und schließlich die gigantischen Einheitssiedlungen für die Arbeiter auf Soja-Feldern im Amazonasbecken. Ein Buch das nachdenklich macht, aber auch Staunen macht – über die Welt.

Das Buch Human Planet, wie der Mensch die Erde formt. Knesebeck, 255 S., 45 Euro

Das Harte-Jungs-Dings mit Till Lindemann und Joey Kelly

Zwei harte Jungs: Joey Kelly und Till lindemann.
Bild: Verlagshaus Römerweg;

Sie haben es wieder getan. Nach ihrem Abenteuertrip auf dem Yukon sind Rammstein-Sänger Till Lindemann und Joey Kelly, Sänger der gleichnamigen Family und Extremsportler, nun in das Amazonasbecken gereist. Mit dem Kanu sind sie zwischen Bolivien, Peru und Kolumbien auf dem Javari-Fluss gepaddelt, haben Koka-Plantagen besucht und mit Einheimischen Fußball gespielt. Wer den ersten Band kennt, wird beim zweiten Bildband nicht überrascht: Da haben zwei ihr Harte-Jungs-Abenteuerdings gemacht. Das Buch? Gleiches opulentes Format, gleiche optische Anmutung, nur in einem anderen Land. Das Titelfoto, das die beiden Sänger mit einer gigantischen Schlange um den Schultern zeigt, kündigt an wovon das Buch vor allem handelt: von Till Lindemann und Joey Kelly. Und so geht es innen weiter: viel Selbstdarstellung, ein erklärendes Interview über den Trip, ein wenig Länderkunde dazu Gedichte von Till Lindemann: „Der Mann mit dem Sombrero, ein garstig Caballero, er spielt mit der Machete, alle Mädchen spielen mit, die schönste bläst Trompete.“ Die großformatigen Fotos von Thomas Stachelhaus und Matthias Matthies sind oft Schwarzweiß beziehungsweise mit einem Filter, der die Farben kalt erscheinen lässt, passend zum Harte-Jungs-Abenteuer-Dings halt.

Das Buch Amazonas. Reise zum Rio Javari. National Geographic, 240 S., 79 Euro

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