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Wilde Schönheit

20.06.2017

Schwarze Berge, feine Küsten: Montenegro ist eine Reise wert

Die künstlich angelegte Insel „Our Lady of Rocks“ in der Bucht von Kotor ist Maria vom Felsen gewidmet.
Bild: Katharina Dodel

Montenegro hat viel mehr zu bieten als luxuriöse Hotelanlagen an der adriatischen Küste. Bislang wurde es als Reiseziel wenig beachtet. Doch das ändert sich gerade.

Nebel hängt in den Bergen und legt sich wie ein Foto-Filter über den Ausblick ins Tal. Von hier oben schimmert das Meer in der Bucht von Kotor türkisblau. Es nieselt leicht. In dunklem Grün ragen die Berge empor, die dem Land am adriatischen Meer seinen Namen verliehen haben: Montenegro – „schwarze Berge“. Allein 26 Serpentinen gilt es von der Bucht von Kotor aus zu bewältigen – ein Weg, der sich lohnt: Umgeben von wilder, noch unberührter Natur mit Postkarten-Aussicht ins Tal offenbart die Fahrt die wahre Schönheit des Landes. Die liegt hoch oben mit Blick nach ganz unten.

Während das Hinterland noch recht unberührt ist, nur alle paar Kilometer eine Unterkunft auftaucht, bereiten sich an der Küste zum adriatischen Meer Hunderte Hotels auf die Sommergäste vor. Dort wurden ganze Bergfronten gegen Zimmer für Pauschaltouristen eingetauscht. Die Baustellen nehmen kein Ende: Der Weg vom Flughafen der Hauptstadt Podgorica führt durch den Nationalpark entlang der Küste. Überall stehen Baukräne, überall warten Rohbauten auf ihre Vollendung und die Montenegriner auf den Beginn der Hauptsaison von Juni bis August.

Das Land setzt hier so sehr auf den Tourismus, dass die kleine vorgelagerte Insel Sveti Stefan gleich ganz den Touristen vorbehalten ist. Die Hotelkette Aman, die das Stück Land für 30 Jahre gepachtet hat, hat bereits Showgrößen wie Liz Taylor, Sophia Loren oder Sylvester Stallone beherbergt. Auch wenn eine Übernachtung dort so viel kostet wie sieben Hin- und Rückflüge von Memmingen nach Montenegro – ein Fotostopp an der Küstenstraße ist die Insel auf alle Fälle wert.

Das Saint Tropez von Montenegro

Wer Montenegro bei einem verlängerten Wochenend-Trip besucht, sollte dem Badeort Budva einen Besuch abstatten – einen kurzen. Denn auch wenn der Jaz Beach mit breitem Sandstrand und klarem Wasser als montenegrinische Riviera gehandelt wird, buhlen auch dort die großen Hotels um Gäste. Außerdem versucht die Regierung mit reichen Investoren eine Art Saint Tropez in Montenegro zu errichten. Unter dem Slogan „Life as it should be“ (Leben, wie es sein sollte) zimmert sich das Land auf 690 Hektar eine kleine Stadt mit Hafen zusammen. Die 158 hochpreisigen Wohnungen im mediterranen Stil sollen die Urlauber mit den etwas dickeren Geldbeuteln anlocken. Auf das, was eher wirkt wie ein Disneyland für Luxus-Liebhaber, baut das Land.

Auch am Hafen Porto Montenegro. Ähnlich einer amerikanischen Outlet-Stadt reihen sich bekannte Modelabels im Schatten der großen Jachten und namhaften Hotels aneinander.

Die Stadt Perast liegt malerisch in der Bucht von Kotor.
Bild: Katharina Dodel

Luxus, Modernes und Meer – Montenegro kann aber auch ganz anders, ganz ursprünglich, ganz liebenswert. Die Fahrt von Budva aus ins Hinterland führt ins ruhigere und traditionellere Montenegro. Ein kulinarisches Mitbringsel gibt es für Reisende in Njegusi: Dort wird der beliebte Schweineschinken Njeguska prsut noch auf traditionelle Art in Höhen über 900 Metern luftgetrocknet und geräuchert.

Wer den Daheimgeblieben lieber schöne Bilder zeigt, kommt wenige Kilometer weiter in Perast auf seine Kosten. Die Stadt liegt in der Bucht von Kotor und ist ein beliebter Fotospot. Das liegt vor allem an zwei kleinen Inseln: Auf der einen steht ein kleines Kloster, auf der anderen eine Kapelle. Die malerisch in der Bucht liegende „Our Lady of Rocks“ ist Maria vom Felsen gewidmet, der Schutzpatronin der Seefahrer.

Einer Legende nach fanden Fischer im 15. Jahrhundert eines Morgens eine Muttergottes-Ikone mit Jesuskind auf einem Felsen in der Bucht. Ihr zu Ehren beschlossen sie, an der Stelle eine Insel mit Kirche zu errichten.

Über steile Serpentinen zur Wichtigsten Pilgerstätte Montenegros

Der Glaube spielt in Montenegro eine wichtige Rolle: Fast drei Viertel der fast 630.000 Einwohner sind orthodox, 17 Prozent muslimisch und vier Prozent katholisch. Eine der bedeutendsten Pilgerstätten in Montenegro ist das serbisch-orthodoxe Kloster Ostrog: Jährlich machen sich Hunderttausende auf, um über steile Serpentinen das im 17. Jahrhundert in die Felsen gebaute Gebäude zu besuchen. Im Ersten Weltkrieg soll dort eine Bombe niedergegangen, aber nicht detoniert sein. Das Kloster liegt am Prekornica-Gebirge und bietet eine atemberaubende Sicht ins Tal mit dem Fluss Zeta.

In Stein das Kloster Ostrog.
Bild: Katharina Dodel

Die raue Natur macht im Land der „schwarzen Berge“ einen großen Teil aus – rund zehn Prozent der Fläche sind geschützt. Einer der sechs Nationalparks, der nach dem Bergmassiv Durmitor benannt wurde, liegt im Norden des Landes und lockt mit Superlativen: Der längste Fluss des Landes (Tara, 78 Kilometer) hat sich im Lauf der Jahrtausende über 1300 Meter tief in das Gebirge eingeschnitten und bildet somit die weltweit tiefste Schlucht nach dem Grand Canyon. Außerdem übertreffen im von der Unesco geschützten Durmitor-Park 48 Gipfel die 2000-Meter-Marke – Bobotov kuk ist mit 2522 Metern der höchste.

Ein weiterer Nationalpark befindet sich im Süden in der Nähe der Hauptstadt Podgorica. Die Region rund um den Skutarisee, den sich Montenegro mit Albanien teilt, bietet nicht nur Pelikanen und Kormoranen ein Zuhause, sondern begünstigt auch den Weinanbau: Die Reben der Kellerei „Plantaze“ sind direkt vom Flughafen aus zu sehen. Auf der ehemaligen Militärlandebahn führt der Weg zwischen Hunderten Weinstöcken hindurch bis zum Weinkeller – einem umfunktionierten Hangar, der im Zweiten Weltkrieg im Felsen eingebaut als Versteck für Flugzeuge diente. Dort lagern 30 verschiedene Weinsorten wie Chardonnay, Cabernet oder die Landessorte Krstac. Angebaut werden die Reben (sowie 10.000 Olivenölbäume) auf dem „Cemovsko polje“, dem mit über 2300 Hektar größten zusammenhängende Weingarten Europas.

Montenegro: Ein Land der Superlative

Superlative verwendet die montenegrinische Tourismusbranche gerne: Im Land gibt es den südlichsten Fjord Europas (die Bucht von Kotor), die tiefste Schlucht Europas oder das teuerste Bauprojekt Europas im 19. Jahrhundert (die Mauer bei Kotor). Europa ist in Montenegro auch politisch ein Thema: So arbeitet der Staat, der kaum größer ist als Schleswig-Holstein, seit 2010 am EU-Beitritt.

Und irgendwie fühlt sich Montenegro bereits jetzt recht europäisch an: Nicht zuletzt weil das Land 1998/1999 seine Währung in die eines Mitgliedsstaates wechselte – vom Dinar zur Deutschen Mark. Mit der Währungsänderung in Deutschland erhielt daher auch Montenegro 2002 den Euro.

Zwar verhandelt das Land mit Brüssel über einen Betritt, ist bei den EU-Mitgliedstaaten jedoch noch recht unbekannt. Völlig zu unrecht. Denn Montenegro legt sich ins Zeug – zum Beispiel in Sachen Partys: Pünktlich zum Start der Hauptsaison findet vom 29. Juni bis 2. Juli das Southern Soul Festival an der südlichen Küste statt, gefolgt vom Sea-Dance-Festival in Budva vom 13. bis 15. Juli. Dann zeigt sich Italiens Schwester am Balkan von ihrer wilden Seite – auch wenn die nur wenig mit wilder Natur zu tun hat.

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