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Reisen für Entdecker

26.02.2019

Warum nicht mal in kleine Städte fahren?

Gent statt Brüssel - vielleicht die bessere Alternative.
Bild: adobe.stock.com

Amsterdam, Venedig Dubrovnik und viele andere große Städte ächzen unter den Folgen der Besuchermassen. Warum nicht mal ins Abseits der Rennstrecken reisen? 

Nach Gent

Gent ist nicht Brügge, und das ist schon ein Kompliment. Denn die flämische Universitätsstadt hat eigentlich all das, was die Massen nach Brügge lockt, nur eben keinen Kinofilm als Werbeträger. Aber was ist schon „Brügge sehen… und sterben?“ gegen den Genter Altar, der immerhin auch schon Star eines Films war – „Monuments Men“ von und mit George Clooney (zugegeben neben Michelangelos Brügger Madonna).

Dieses rätselhafte Meisterwerk der Spätgotik, hinter dickem Glas in einer dunklen Kapelle der Kathedrale untergebracht, kann die erste Station eines Rundgangs durch 260.000-Einwohner-Stadt sein, aber bitte nicht die einzige. Die eben nicht nur von Touristen belebte Altstadt erzählt mit ihren vielen mittelalterlichen Gebäuden, Flandern-typisch natürlich auch mit einem stolzen Belfried, von (glor)reichen Zeiten; auch in Gent lässt es sich wunderbar an Kanälen spazieren oder auf ihnen Boot fahren. Und wer dann Stärkung braucht, kann sich – zum Beispiel im Viertel Patershol jenseits der Leie – mit Waterzooi stärken, einem Eintopf, der für einen Sommertag vielleicht ein bisschen zu üppig ist.

Dann ist aber auch wieder gut mit Geschichte und Tradition. Denn abseits der Innenstadt liegt mit dem SMAK eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst in Europa. Brügge, aber auch die Metropolen Brüssel und Antwerpen, haben das nicht zu bieten. Marcus Golling

Nach Nantes

Nantes ist ein überraschendes Ziel für eine Städtereise in Frankreich.
Bild: Le Machine des Nantes

Es hatte eigentlich nur ein kleiner Zwischenstop auf dem Weg zum Atlantik werden sollen, doch es wurde Liebe auf den ersten Blick, weil Nantes rockt, Nantes kreativ, mutig und dynamisch ist. Schön natürlich auch.

Verlieben kann man sich schon allein wegen der Architektur, die eine spannende Mischung aus patinierten Altbauten und modernen Gebäuden ist. Da ist zum Beispiel La Maison Radieuse von Le Corbusier oder der Justizpalast von Frankreichs Star-Architekten Jean Nouvel auf der Île De Nantes, einer stadtplanerisch spannend erschlossenen Insel mitten in der Loire. Dort befinden sich auch „Le Fabrique“, ein auf einen Bunker aufgesetztes Kulturzentrum, und der wohl fantastischste Ort der bretonischen Stadt: Les Machines de l’île. In diesem Mix aus Museum und Kunstinstallation entstehen in einer alten Werfthalle riesige, mechanische Maschinentiere, die aus Leonardo da Vincis oder Jules Vernes’ Träumen stammen könnten. Letzterer übrigens in Nantes geboren.

Auch das Leben zwischen dem Gestein: superbe. Hübsche Plätze, nette Cafés, schöne Flanierecken und der tolle Kunstparcours „Le Voyage à Nantes“, durch den es Kunst in der Stadt zu entdecken gibt – übrigens auch gut via Fahrrad. Nantes gilt als grünste Stadt Frankreichs und als die Siebtfahrradfreundlichste weltweit. Mit dem Velo geht’s sogar auf Radwegen bis an den Atlantik.

Lea Thies

Nach Bremerhaven

Bremerhaven hat zwei spannende Museen und macht damit Bremen Konkurrenz.
Bild: adobe.stock.com

Zugegeben, um zu bummeln und lauschiger Plätze zu entdecken ist Bremerhaven nicht das richtige Ziel. Warum also trotzdem dorthin fahren, wo doch Bremen mit seiner historischen Innenstadt, der Weserpromenade und dem bezaubernden Schnoorviertel nicht weit ist? Weil es hier zwei der besten Museen in Deutschland gibt und es schade wäre, die an einem Tag nur im Schnelldurchgang zu erleben.

Am eigenen Leibe erfährt man im Klimahaus, wie sich die Temperaturen in der Antarktis und in der Wüste anfühlen, läuft über den steinigen Boden der Tundra und hört das Fauchen, Zirpen und Rascheln im nächtlichen Regenwald, während einem die Schweißtropfen über die Stirn laufen. Entlang des 8. Längengrades, auf dem Bremerhaven liegt, aber auch Isenthal in der Schweiz und Satitoa auf Samoa, reisen die Besucher durch die verschiedenen Klimazonen der Erde und erfahren, wie die klimatischen Verhältnisse den Alltag der Menschen bestimmen. Gleich daneben, dort wo einst die Dampfer in Richtung Amerika ablegten, steht man dann vor der meterhohen Bordwand im Deutschen Auswandererhaus und nimmt Abschied von der Heimat. Mit der Eintrittskarte erhalten die Besucher die Identität eines Geflüchteten, dessen Reise auf dem überfüllten Schiff bis zur Ankunft in New York sie nacherleben. So bekommt man eine Ahnung davon, was Flucht und Migration tatsächlich für die Menschen bedeuten. In einer Stadt rund um die Welt – wenn sich da ein Besuch nicht lohnt! Birgit Müller-Bardorff

Nach Linköping

Linköping hat seine alten Gebäude erhalten, umgesetzt und einen eigenen altertümlichen Stadtteil daraus gemacht.
Bild: Gamla Liköping

Es war natürlich von Vorteil, dass auf dem Hauptplatz von Linköping gerade ein Aperol-Festival gefeiert wurde. Aber um Linköping, das übrigens Linschöping ausgesprochen wird, zu mögen, braucht es gar keinen Alkohol. Schwedens siebtgrößte Stadt ist gemütlich, hat nette Geschäfte und liegt ideal, um nach drei Tagen Stockholm-Trubel etwas zur Ruhe zu kommen – nach zwei Stunden Fahrt über die Autobahn ist man schon da.

Der riesige Dom der Stadt ist nicht zu übersehen, wahrscheinlich zählt er allein wegen seiner Größe schon zu den bedeutendsten Bauwerken Schwedens, Linköpings netteste Sehenswürdigkeit ist aber Gamla Linköping. Eine kleine Stadt in der Stadt voller alter Gebäude mit einer besonderen Geschichte. Zusammen ergeben sie ein Schweden, wie es früher vielleicht einmal war. So eine Art Pippi-Langstrumpf-Schweden: eine alte Schule, Krämerläden mit hübschem Nippes, den kein Mensch braucht, Bauerngärten, eine Bank, eine Post, eine alte Feuerwache. Gamla Linköping wirkt zwar wie ein alter gewachsener Stadtteil, die meisten Gebäude wurden aber aus der Stadt in das Freiluftmuseum versetzt. Deswegen mag man aber nicht weniger gern darin herumbummeln.

Das echte Pippi-Langstrumpf-Schweden ist nicht weit. Östergötland ist die Nachbarregion von Småland, und da führt an Astrid Lindgren und ihren Helden nichts vorbei. Und wenn man den Trubel dann wieder satthat, kehrt man zurück ins beschauliche Linköping. Doris Wegner

Nach Zadar

Zadar in Kroatien punktet mit Meeres-Musik. Eine beeindruckende Installation zieht Besucher in den Bann.
Bild: adobe.stock.com

Zadar hat, was keine andere Stadt bieten kann: Musik vom Meer. Wie Sirenenklänge hört man schon von weitem die dunklen Töne der Meeresorgel. Auf einer Steintreppe am Meer sitzen Touristen und lauschen versonnen den sphärischen Klängen. Indem die Meereswellen Luft in 35 unter Wasser installierte Röhren drücken, erzeugen sie wie in Orgelpfeifen unterschiedliche Töne. Zu verdanken ist diese „Naturmusik“ dem Architekten Nikola Baic.

Er hat auch den „Gruß an die Sonne“ konzipiert. Genau da, wo Alfred Hitchcock den „schönsten Sonnenuntergang der Welt“ verortete, hat Baic 300 mehrschichtige Glasplatten kreisförmig verlegen lassen. Die Solarzellen darunter speichern tagsüber die Sonnenenergie und geben sie abends in Form von farbigem Licht wieder ab – magisch. Doch nicht nur an dieser Uferpromenade ist Zadar zauberhaft. Die kroatische Stadt liegt auf einer Halbinsel und hat eine reiche Geschichte. Das Forum stammt noch von den Römern, die vorromanische Kirche Sveti Donat aus dem 9. Jahrhundert. In der Altstadt, die von einer Festungsmauer aus dem 16. Jahrhundert umgeben ist, erinnern viele Bauten an Venedig. Auf glänzendem Granit-Pflaster spaziert man durch enge, von Läden, Restaurants und Kneipen flankierte Gassen durch die Jahrhunderte. Und dazwischen gibt’s Maraschino zu probieren und zu kaufen, jenen weißen Likör aus Maraska-Kirschen, der seit dem 18. Jahrhundert wo heimisch ist? In Zadar natürlich. Wo sonst? Lilo Solcher

Nach Vaduz

Mit dem Rad an einem Tag durch ein ganzes Land fahren? In Liechtenstein ist das selbst für Freizeitsportler locker möglich. Denn das Fürstentum ist nur 24,8 Kilometer lang und 12,4 Kilometer breit. Wer tatsächlich am Rheintal entlang fährt, den belohnt jedoch nicht nur das malerische Flussbett, sondern auch ein imposanter Blick auf die Berge. Auch wenn die Landschaft zum Verweilen einlädt, eine Rast in Vaduz lohnt sich.

Er ist zwar klein, der Hauptort des Landes, in dem nur gut 5000 Menschen leben, aber im Städtle, wie Liechtensteiner Vaduz liebevoll nennen, lassen sich viele architektonische Schätze entdecken. Denn in kaum einer anderen Stadt harmonieren Baustile der verschiedenen Epochen so selbstverständlich miteinander. Etwa im Regierungsviertel. Das Zentrum bildet ein historisches Gebäude aus dem Jahr 1905. Das mit Mosaikbildern verzierte, dreistöckige Regierungsgebäude ist Palästen aus der Spätrenaissance nachempfunden. Daneben schließt sich seit 2008 ein fast sakraler Bau aus ockergelben Sichtziegel an – der Landtag des Fürstentums.

Nur wenige Meter entfernt schillert das mittelalterliche Schloss Vaduz zauberhaft, fast mystisch in allen Regenbogenfarben. Allerdings nicht hoch oben am Berg, sondern in der Glasskulptur des deutschen Künstlers Heinz Mack. Die zwei Stelen, eine acht und eine zehn Meter hoch bestehen aus speziell gedampftem Glas. Die Zwei-Licht-Prismen spiegeln das Städtle so, dass der kleine Ort jedem in einem anderen Licht erscheint. Birgit Schindele

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