270 Euro. Diesen Betrag sparen die Deutschen im Durchschnitt pro Monat, wie aus Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht, die zum Weltspartag am 30. Oktober 2025 veröffentlicht wurden. Dem Bundeskanzler dürfte das gefallen, appelliert er doch immer wieder an die finanzielle Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Aber 270 Euro? So viel müssten es gar nicht unbedingt sein, wenn es nach Friedrich Merz (CDU) geht. Wer früh genug mit dem Sparen anfangen würde, könnte seiner Ansicht nach auch mit kleinen Beträgen eine gute Altersvorsorge erreichen.
„Wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen“, sagte er laut BR24 Anfang März 2026 bei einer Veranstaltung in Ravensburg. Doch stimmt das? Wir haben Berechnungen angestellt.
Sparen für die Rente: Wie weit kommt man mit 50 Euro im Monat?
So einfach ist Merz’ Aussage nicht zu prüfen, immerhin kommt es darauf an, wo und wie man anlegt. Um für einen Überblick zu sorgen, sind daher mehrere Varianten nötig. Zunächst zu den Finanzmärkten: Beliebt sind thesaurierende Geldanlagen, also Investmentfonds oder ETFs, da diese nicht zeitaufwendig sind und mit einem Blick auf die Historie hohe Rendite versprechen. Das gilt zumindest für die großen Indizes wie den MSCI World, in dem laut der Sparkasse die 1500 größten börsennotierten Unternehmen aus 23 Industrieländern gelistet sind.
Der MSCI World hat Anlegerinnen und Anlegern von 1975 bis 2024 auf Eurobasis eine jährliche Rendite von 9,7 Prozent eingebracht, wie aus Daten von finanztip.de hervorgeht. Auf Basis dieser Rendite haben wir mithilfe des Sparplanrechners von finanztip.de Berechnungen angestellt. Zudem haben wir auch ein konservativeres Modell berechnet, welches von einer jährlichen Rendite von 5,0 Prozent ausgeht. Ausgangslage ist jeweils ein Sparbetrag von 50 Euro im Monat, der Sparplan beginnt ohne Startkapital.
| Anlagedauer (Sparbetrag 50 Euro pro Monat, kein Startkapital) | Endbetrag bei jährlicher Rendite von 9,7 Prozent | Endbetrag bei jährlicher Rendite von 5,0 Prozent |
|---|---|---|
| 20 Jahre | 34.936 Euro | 20.373 Euro |
| 25 Jahre | 59.332 Euro | 29.406 Euro |
| 30 Jahre | 98.089 Euro | 40.935 Euro |
| 35 Jahre | 159.661 Euro | 55.649 Euro |
| 40 Jahre | 257.478 Euro | 74.428 Euro |
| 45 Jahre | 412.877 Euro | 98.396 Euro |
| 50 Jahre | 659.754 Euro | 128.985 Euro |
Die Berechnungen zeigen, dass es durchaus möglich ist, auch mit einem Budget von 50 Euro im Monat auf sechsstellige Beträge zu kommen. Wenn man von einer Rendite von 5,0 Prozent ausgeht, dauert es allerdings mehr als 45 Jahre, bis eine solche Summe erreicht ist. Selbst bei einer Rendite von 9,7 Prozent muss mehr als 30 Jahre gespart werden.
Altersvorsorge mit 50 Euro im Monat: Hat Friedrich Merz recht?
Merz scheint mit seiner Aussage grundsätzlich nicht falsch zu liegen, auch mit kleineren Sparbeträgen kann über einen längeren Zeitraum hinweg eine Altersvorsorge im sechsstelligen Bereich erreicht werden. Allerdings nur, wenn entsprechende Renditen erreicht werden.
Außerdem stellt sich die Frage, inwieweit Rentnerinnen und Rentner mit derartigen Beträgen abgesichert sind. Wenn man von einer jährlichen Inflation von 2,0 Prozent ausgeht, leidet die Kaufkraft, die die jeweiligen Beträge mitbringen. Laut finanztip.de wirkt sich die inflationsbereinigte Kaufkraft bei den Berechnungsmodellen wie folgt aus: Das Endvermögen von 128.985 Euro, das durch den 50 Jahre langen Sparplan erreicht wird (aus dem Modell mit einer Rendite von 5,0 Prozent) besitzt demnach eine Kaufkraft von 47.922 Euro. Bei dem Endvermögen von 659.754 Euro (aus dem Modell mit einer Rendite von 9,7 Prozent) liegt die Kaufkraft bei 245.117 Euro.
Die Kaufkraft ist wohl ein Grund dafür, warum andere Modelle der Altersvorsorge davon ausgehen, dass es höhere Ersparnisse braucht, um gut für die Rente vorzusorgen. Beispielsweise gibt die Allianz an, dass alle Sparerinnen und Sparer auf einem guten Weg seien, die zwischen zehn und 15 Prozent ihres Nettoeinkommens auf die Seite legen würden.
Der Business Insider sieht Merz und die Bundesregierung nach den Aussagen des Bundeskanzlers in der Pflicht. Es brauche im Zuge der geplanten Rentenreform stärkere Anreize für die private Altersvorsorge – etwa höhere Freibeträge und Steuervorteile.
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