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Alkohol und Blutdruck: Wie viel ist noch vertretbar?

Blutdruck

Bluthochdruck durch Alkohol? Schon kleine Mengen zeigen Wirkung

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    Ein netter Abend mit Freunden oder der Familie? Für viele gehört da ein Schluck Alkohol dazu. Allerdings hat dieser größeren Einfluss auf unseren Blutdruck, als wir glauben.
    Ein netter Abend mit Freunden oder der Familie? Für viele gehört da ein Schluck Alkohol dazu. Allerdings hat dieser größeren Einfluss auf unseren Blutdruck, als wir glauben. Foto: Charlize Davids/peopleimages.com, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Die wichtigsten Erkenntnisse

    • Schon kleine Mengen Alkohol können den Blutdruck erhöhen – einen sicheren Schwellenwert gibt es laut Studien nicht.
    • Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto stärker steigen meist die Blutdruckwerte – unabhängig davon, ob Bier, Wein oder Spirituosen getrunken werden.
    • Wer seinen Alkoholkonsum reduziert, kann den Blutdruck oft deutlich senken – besonders bei regelmäßigem oder höherem Konsum.

    Das Feierabendbier, das Glas Wein zum Essen oder der Aperitif am Wochenende gelten für viele Menschen als harmloser Genuss. Während über Zucker, Bewegungsmangel oder Salz als Risikofaktoren für Bluthochdruck regelmäßig gesprochen wird, wird Alkohol oft unterschätzt. Dabei zeigen aktuelle Studien zunehmend deutlich: Schon vergleichsweise kleine Mengen Alkohol können den Blutdruck beeinflussen – und zwar stärker als viele vermuten.

    Kann Alkohol den Blutdruck wirklich erhöhen?

    Denn Alkohol kann den Blutdruck sowohl kurzfristig als auch langfristig erhöhen. Wissenschaftler beobachten dabei einen nahezu linearen Zusammenhang: Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto höher steigen meist auch die Blutdruckwerte. Einen klaren Grenzwert, unterhalb dessen Alkohol keinen Einfluss mehr hätte, konnten Forscher bislang nicht nachweisen, wie aus einem Beitrag aus dem Jahr 2023 im Fachjournal Hypertension hervorgeht.

    Allerdings wirkt Alkohol nicht immer sofort. Direkt nach dem Trinken erweitern sich zunächst die Blutgefäße, insbesondere in der Haut. Dadurch entstehen Wärmegefühle oder gerötete Wangen. Dieser kurzfristige Effekt kann den Blutdruck zunächst sogar senken. In einer großen Cochrane-Analyse zeigte sich, dass mittlere und hohe Alkoholmengen den systolischen Blutdruck in den ersten Stunden nach dem Konsum vorübergehend reduzierten. Gleichzeitig stieg jedoch die Herzfrequenz deutlich an. Nach mehreren Stunden kehrte sich der Effekt um: Etwa 13 Stunden nach dem Konsum stiegen sowohl systolischer als auch diastolischer Blutdruck wieder an. Die Forscher sprechen deshalb von einem „biphasischen Effekt“ des Alkohols.

    Langfristig fällt die Wirkung deutlich eindeutiger aus. Eine Metaanalyse mit knapp 20.000 Teilnehmern zeigte, dass bereits ein Standardgetränk pro Tag den Blutdruck messbar erhöhen kann. Bei Menschen mit ohnehin grenzwertigen Blutdruckwerten kann das langfristig zur Entwicklung einer manifesten Hypertonie beitragen, hieß es dazu in einem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung.

    Dass Alkohol zunächst entspannend wirkt, sorgt übrigens häufig für Verwirrung, aber neben seiner Blutdruck absenkenden Wirkung beeinflusst er auch verschiedene Regulationsmechanismen im Körper. Unter anderem stimuliert er das Nervensystem, erhöht die Herzfrequenz und beeinflusst Hormonsysteme, die für die Regulation von Flüssigkeitshaushalt und Gefäßspannung zuständig sind. Dies geht aus der Cochrane-Analyse hervor. Hinzu kommt, dass Alkohol die sogenannten Barorezeptoren beeinflussen kann – Rezeptoren, die normalerweise Blutdruckschwankungen registrieren und gegenregulieren. Werden diese Mechanismen gestört, steigt der Blutdruck später häufig an. Besonders ausgeprägt scheint dieser Effekt bei größeren Alkoholmengen zu sein.

    Wie viel Alkohol gilt noch als vertretbar?

    Die Frage nach einer „sicheren“ Alkoholmenge lässt sich inzwischen nur noch eingeschränkt beantworten. Zwar empfehlen Leitlinien weiterhin eine Begrenzung auf maximal ein alkoholisches Getränk pro Tag für Frauen und maximal zwei für Männer. Gleichzeitig zeigen neuere Untersuchungen laut Mayo Clinic, dass bereits geringe Mengen Auswirkungen auf den Blutdruck haben können.

    Als „Standardgetränk“ gelten in den Untersuchungen etwa 12 Gramm reiner Alkohol – also ungefähr ein kleines Bier, ein Achtel Wein oder ein Glas Sekt. Studien zeigen: Wer regelmäßig mehr konsumiert, erhöht sein Risiko für steigende Blutdruckwerte deutlich. In einer großen dänischen Untersuchung, die von der Deutschen Herzstiftung zitiert wird, lagen die systolischen Blutdruckwerte bei Menschen mit hohem Alkoholkonsum durchschnittlich bis zu 11 mmHg höher als bei Menschen, die nur ein bis zwei Drinks pro Woche tranken.

    Auffällig ist außerdem, dass es offenbar kaum Unterschiede zwischen verschiedenen Alkoholarten gibt. Ob Bier, Wein oder Spirituosen: Entscheidend ist vor allem die Alkoholmenge. Positive Effekte von Rotwein auf den Blutdruck konnten die Studien nicht bestätigen.

    Was passiert mit dem Blutdruck bei regelmäßigem Alkoholkonsum?

    Wer regelmäßig Alkohol trinkt, belastet laut Mayo Clinic Herz und Gefäße dauerhaft. Studien zeigen, dass Alkohol langfristig die Blutgefäße schädigen und die Regulation des Blutdrucks verändern kann. Dadurch steigt das Risiko für chronischen Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Metaanalyse aus dem Fachjournal Hypertension zeigte einen nahezu linearen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Blutdruckentwicklung über mehrere Jahre hinweg. Je höher die konsumierte Alkoholmenge war, desto stärker stiegen die Blutdruckwerte der Teilnehmer im Verlauf an.

    Besonders problematisch: Viele Menschen merken lange nichts davon. Bluthochdruck verursacht häufig über Jahre keine Beschwerden und wird deshalb oft erst spät entdeckt. Alkohol kann dadurch schleichend zu einem zusätzlichen Risikofaktor für Folgeerkrankungen werden.

    Kann Alkoholverzicht den Blutdruck senken?

    Studien zeigen allerdings, dass Menschen mit höherem Alkoholkonsum ihren Blutdruck oft spürbar senken können, wenn sie weniger trinken oder ganz verzichten. Besonders deutlich profitieren Menschen, die zuvor regelmäßig größere Mengen konsumiert haben, schreibt aerztezeitung.de.

    In einer Metaanalyse sank der systolische Blutdruck bei starken Trinkern um durchschnittlich 5,5 mmHg, wenn sie ihren Konsum deutlich reduzierten. Auch der diastolische Wert verbesserte sich messbar. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass bereits kleinere Veränderungen im Trinkverhalten positive Effekte haben können.

    Ist Alkohol zusammen mit Blutdruckmedikamenten gefährlich?

    Damit endet das Thema allerdings nicht. Gerade Menschen mit Bluthochdruck nehmen häufig dauerhaft Medikamente ein – und genau hier kann Alkohol zusätzliche Risiken schaffen. Denn Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutdruck selbst, sondern auch die Wirkung zahlreicher Arzneimittel.

    Besonders problematisch kann die Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten werden, weil Alkohol die Blutgefäße erweitert und dadurch Kreislaufreaktionen verstärken kann. Experten warnen deshalb vor möglichen Nebenwirkungen wie Schwindel, Kreislaufproblemen oder im Extremfall sogar einem Kreislaufkollaps, heißt es in einem Papier des Deutschen Krebsforschungszentrums.

    Fazit: Für wen ist Alkohol besonders problematisch?

    Für Menschen mit bereits erhöhtem Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme kann Alkohol also ein zusätzlicher Risikofaktor sein. Die Studienlage deutet inzwischen klar darauf hin, dass selbst kleinere Mengen den Blutdruck beeinflussen können. Zwar bedeutet das nicht zwangsläufig, dass jeder vollständig auf Alkohol verzichten muss. Wer seinen Blutdruck kontrollieren oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken möchte, profitiert jedoch meist davon, den Alkoholkonsum möglichst gering zu halten.

    Verwendete Quellen

    • Ärzte Zeitung: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Weniger-Alkohol-niedrigerer-Blutdruck-304821.html
    • Cochrane Database of Systematic Reviews / PMC: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8130994/
    • Deutsche Herzstiftung: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/herzmedizin/blutdruck-alkohol
    • Deutsches Krebsforschungszentrum: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/FzA/FzA_2023_Wechselwirkungen-von-Alkohol-mit-Medikamenten.pdf
    • Hypertension: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/HYPERTENSIONAHA.123.21224
    • Mayo Clinic: https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-pressure/expert-answers/blood-pressure/faq-20058254
    • Pharmazeutische Zeitung: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/schon-ein-kleines-bier-am-tag-erhoeht-den-blutdruck-141561/

    Übrigens: Nicht nur der Verzicht auf Alkohol kann den Blutdruck nachweislich senken. Besonders die Ernährung spielt eine große Rolle, denn einige Lebensmittel, wie Gemüse und Vollkornprodukte, können den Blutdruck positiv beeinflussen. Laut Studien gibt es zudem Hinweise darauf, dass viel Trinken einen zu hohen Blutdruck absenken kann.

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