Der Blutdruck spielt eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit. Ist er zu hoch, kann das ernsthafte Folgen für Herz, Gefäße und Organe haben. Ist er zu niedrig, drohen Kreislaufprobleme, Schwindel oder Ohnmacht. Manchmal kommt es vor, dass man bei Blutdruckmessungen unterschiedliche Werte feststellt: Mal ist er niedriger als sonst, mal steigt er plötzlich stark an. Doch ist das normal? Oder könnte ein stark schwankender Blutdruck möglicherweise ein Warnsignal sein?
Ursachen: Warum schwankt der Blutdruck?
Der Blutdruck kann durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Laut der Deutschen Herzstiftung entstehen Schwankungen zum einen durch körpereigene Einflüsse wie Hormone oder den Stoffwechsel. Zum anderen spielen äußere Faktoren eine Rolle, etwa Stress, körperliche Aktivität oder die Trinkmenge.
Weitere Einflüsse, die den Blutdruck kurzfristig ansteigen lassen können, sind unter anderem:
- bestimmte koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee oder grüner Tee
- salzreiche Speisen
- Übergewicht
- Alkoholkonsum
- Tabakkonsum – insbesondere bei Menschen, die sonst nicht rauchen
- sportliche Aktivitäten
- Stress, seelische Belastung oder Nervosität
- bestimmte Medikamente oder das Vergessen von Blutdruckmedikamenten
Wie stark kann der Blutdruck schwanken?
Wie stark der Blutdruck schwankt, kann davon abhängen, welche Ursachen dahinterstecken. Wer beispielsweise in letzter Zeit deutlich an Gewicht zugenommen hat, muss laut der Deutschen Herzstiftung mit einem Anstieg von etwa einem mmHg pro zusätzlichen Kilogramm Körpergewicht rechnen. Auch Alkoholkonsum kann den Blutdruck kurzfristig erhöhen: Dabei kann der systolische (obere) Wert um bis zu sieben mmHg und der diastolische (untere) Wert um bis zu fünf mmHg ansteigen.
Normale Blutdruckwerte liegen laut der Deutschen Herzstiftung bei Erwachsenen bei etwa 120 zu 70 mmHg. Steigen die Werte dauerhaft auf über 140 zu 90 mmHg, spricht man von Bluthochdruck. Im Laufe des Tages kann es jedoch, wie die AOK Krankenkasse berichtet, auch bei gesunden Menschen zu Schwankungen kommen. So kann der systolische Wert zeitweise auf bis zu 150 mmHg und der diastolische Wert auf bis zu 100 mmHg steigen. Doch sind solche Schwankungen normal oder bereits bedenklich?
Schwankender Blutdruck: Ist das normal?
Blutdruckschwankungen gehören laut der AOK zu einem normalen Tagesablauf dazu. Während des Schlafs sinkt der Blutdruck in der Regel und steigt morgens wieder an. Nachts kann es vorkommen, dass der Blutdruck auf 100 zu 60 mmHg oder sogar noch niedriger fällt. Tagsüber kann er hingegen auf bis zu 150 zu 100 mmHg steigen – solche Schwankungen über den Tag hinweg sind völlig normal. Für die ärztliche Beurteilung ist deshalb der Durchschnittswert über den Tag entscheidend.
Doch wie ist es, wenn der Blutdruck innerhalb von Minuten plötzlich schwankt? Auch das kann vorkommen. Wer seinen Blutdruck mehrmals hintereinander misst, wird sehr wahrscheinlich unterschiedliche Werte feststellen. Wie die Kardiologin Dr. Judith Jütte vom Deutschen Herzzentrum der Charité dem Hamburger Abendblatt erklärt, sind identische Blutdruckwerte innerhalb weniger Minuten äußerst unwahrscheinlich. „In der Regel weichen die Werte leicht voneinander ab“, sagt Jütte.
Ist es gefährlich, wenn der Blutdruck stark schwankt?
Leichte Schwankungen über den Tag hinweg sind in der Regel unbedenklich. Stärker ausgeprägte, langfristige Schwankungen können jedoch ein Hinweis auf gesundheitliche Risiken sein. Darauf weist eine 2024 veröffentlichte Studie hin. Untersucht wurden 23.499 Erwachsene mittleren Alters, die über durchschnittlich 15 Jahre hinweg begleitet wurden. In einer anschließenden Nachbeobachtung erfassten die Forschenden Fälle von plötzlichem Herztod.
Das Ergebnis: Menschen mit einer hohen Blutdruckvariabilität hatten ein fast 70 Prozent höheres Risiko für plötzlichen Herztod als Personen mit relativ konstanten Blutdruckwerten. Bei den Probanden schwankte der systolische Wert im Durchschnitt um bis zu zwölf mmHg, der diastolische Wert um bis zu sieben mmHg.
Laut der American Heart Association stieg das Risiko selbst nach Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren weiter an: Pro einem mmHg Schwankung des systolischen Blutdrucks stieg das Risiko für plötzlichen Herztod um drei Prozent. Warum eine hohe Blutdruckvariabilität die Herzgesundheit beeinflusst, wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.
Unabhängig davon können auch akut sehr hohe Blutdruckwerte gefährlich sein: Werden Werte von über 200 zu 100 mmHg gemessen und treten zusätzlich Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Atemnot oder Brustschmerzen auf, sollte laut der Deutschen Herzstiftung sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Hierbei kann es sich um einen Bluthochdrucknotfall handeln, der einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nach sich ziehen kann. In einem solchen Fall sollte man sofort den Notruf 112 wählen und alle Symptome genau schildern, damit das Einsatzteam gezielt und schnell reagieren kann.
Starke Blutdruckschwankungen: Was sollte man dagegen tun?
Wer im Tagesverlauf starke Blutdruckschwankungen feststellt – zum Beispiel Werte, die tagsüber deutlich über 140 zu 90 mmHg steigen oder nachts nicht abfallen –, sollte dies ärztlich abklären lassen, rät die Deutsche Herzstiftung.
Um solche Schwankungen zuverlässig zu erkennen, empfiehlt die Stiftung eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Dabei wird der Blutdruck alle 15 Minuten tagsüber und alle 30 Minuten nachts über einen ganzen Tag hinweg aufgezeichnet. So lassen sich die Schwankungen genau dokumentieren und beurteilen, ob sie noch im normalen Bereich liegen oder möglicherweise auf eine Erkrankung hinweisen.
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