Die Hitze in der Sauna wirkt sich auf den Blutdruck aus. Langfristig können Saunagänge bei Bluthochdruck damit positive Effekte haben.Foto: New Africa, stock.adobe.com (Symbolbild)
Die wichtigsten Erkenntnisse
Sauna und heiße Bäder erweitern die Blutgefäße und senken den Blutdruck vorübergehend, während Kälte etwa während Wechselduschen die Gefäße verengt und den Blutdruck kurzfristig ansteigen lässt.
Bei gut eingestelltem Bluthochdruck sind Sauna und ähnliche Anwendungen meist nicht verboten und können langfristig sogar positive Effekte auf die Gefäßfunktion haben.
Bei niedrigem Blutdruck kann es nach der Sauna oder einem heißem Bad zu einem stärkeren Absinken der Werte kommen. Wechselduschen hingegen gelten als bewährtes Mittel, um den Kreislauf anzuregen und die Gefäßreaktion zu trainieren.
Doch was bedeutet das konkret für Sauna, heiße Bäder oder Wechselduschen? Wie reagiert der Blutdruck auf diese Anwendungen, und sind sie bei Bluthochdruck oder niedrigem Blutdruck empfehlenswert oder problematisch?
Wie beeinflusst die Sauna den Blutdruck?
Saunieren genießt einen guten Ruf: Regelmäßige Saunagänge sollen das Immunsystem stärken, das Wohlbefinden fördern und sich positiv auf die allgemeine Gesundheit auswirken. Beim Thema Blutdruck herrscht jedoch oft Unsicherheit. Immer wieder ist zu hören, dass die Hitze in der Sauna den Blutdruck stark absenken und sogar zu einem Kreislaufkollaps führen könne.
Tatsächlich ist die Wirkung der Sauna auf den Blutdruck etwas komplexer. Laut Reinhard Ketelhut, Sportwissenschaftler und Sportmediziner am Medical Center Berlin, muss zwischen den „akuten Auswirkungen eines Saunagangs und denen in der Ruhephase sowie der Langzeitwirkung regelmäßiger Saunagänge unterschieden werden“, betont er in einer Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga:
Akute Auswirkungen während des Saunagangs: Der Aufenthalt in der Sauna stellt zunächst eine deutliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Haut- und Körpertemperaturen steigen an, die Körperkerntemperatur kann dabei bis auf etwa 40 Grad Celsius zunehmen. Gleichzeitig schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Die Herzfrequenz steigt und auch der systolische, also der obere Blutdruckwert, nimmt zu. Der diastolische Blutdruck, der untere Wert, steigt dagegen nur zu Beginn leicht an und bleibt während des weiteren Saunagangs weitgehend konstant.
Auswirkungen nach dem Saunagang: Erst nach dem Saunieren sinkt der Blutdruck. In der anschließenden Ruhephase entspannen sich die Blutgefäße, der Kreislauf kommt zur Ruhe und die Blutdruckwerte gehen zurück. Diese blutdrucksenkende Wirkung hält häufig noch einige Zeit nach dem Saunagang an.
Darf man mit Bluthochdruck in die Sauna gehen?
Für viele Menschen mit Bluthochdruck sind Saunagänge der Deutschen Hochdruckliga zufolge grundsätzlich nicht nur erlaubt, sondern können sich sogar positiv auf die Blutdruckwerte auswirken. Studien zeigen, dass regelmäßiges Saunieren den Blutdruck senken kann. In einer Untersuchung konnten Teilnehmer mit Bluthochdruck, die zweimal pro Woche in die Sauna gingen, ihre Werte innerhalb von drei Monaten von durchschnittlich 166 zu 101 mmHg auf 143 zu 92 mmHg verbessern.
Als möglicher Grund gilt eine verbesserte Funktion des sogenannten Endothels – der inneren Auskleidung der Blutgefäße. Dadurch können sich die Gefäße besser erweitern und anpassen. Eine ähnliche Wirkung wird auch durch regelmäßiges Ausdauertraining erzielt. Zudem kann Saunieren dazu beitragen, Stresshormone zu reduzieren, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Bluthochdruck eine Rolle spielen.
Trotzdem ist das Saunieren nicht für jeden Bluthochdruck-Patienten uneingeschränkt geeignet. Laut Reinhard Ketelhut sollten Betroffene nicht nur gut eingestellte Blutdruckwerte in Ruhe haben. Wichtig ist auch, wie sich der Blutdruck unter körperlicher Belastung verhält. Bei einer moderaten Belastung von etwa 100 Watt – entsprechend praktischarzt.de zufolge beispielsweise Treppensteigen oder langsamem Radfahren – sollte der Blutdruck nicht über etwa 200 zu 100 mmHg ansteigen. Liegen die Werte darunter und ist der Blutdruck insgesamt gut eingestellt, gibt es in der Regel keine grundsätzlichen Einwände gegen regelmäßige Saunagänge. Auf Saunabesuche verzichten oder diese zuvor ärztlich abklären sollten Ketelhut zufolge Menschen mit:
schlecht eingestelltem Bluthochdruck,
wiederholten Blutdruckkrisen,
akuter Herzschwäche,
Brustschmerzen mit veränderter oder zunehmender Symptomatik,
Herzerkrankungen, bei denen körperliche Belastungen vermieden werden sollten.
Bluthochdruck und Sauna: Was sollte man beachten?
Damit Herz und Kreislauf nicht überfordert werden, sollten Menschen mit Bluthochdruck beim Saunieren jedoch einige Dinge beachten. Die Deutsche Hochdruckliga rät zu folgenden Maßnahmen:
Beginnen Sie zunächst mit einer Bio- oder Dampfsauna. Die Temperaturen liegen hier meist unter 60 Grad Celsius und belasten den Kreislauf weniger als klassische finnische Saunen.
Starten Sie mit kurzen Saunagängen von drei bis fünf Minuten. Wird die Hitze gut vertragen, kann die Dauer bei den nächsten Besuchen schrittweise erhöht werden.
Auf Eisbäder oder eiskalte Duschen direkt nach dem Saunagang sollten Menschen mit Bluthochdruck möglichst verzichten. Die plötzliche Kälte lässt die Blutgefäße rasch verengen, wodurch der Blutdruck deutlich ansteigen kann. Kühlen Sie den Körper stattdessen langsam an der frischen Luft oder mit lauwarmem Wasser ab.
Gönnen Sie sich nach jedem Saunagang eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten, damit sich Herz und Kreislauf vollständig erholen können.
Darf man mit niedrigem Blutdruck in die Sauna gehen?
Wer einen niedrigen Blutdruck hat, braucht sich beim Saunieren in der Regel keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Saunagänge gelten laut der Deutschen Herzstiftung sogar als sinnvolle Behandlungsmethode bei niedrigem Blutdruck. Während des Saunagangs steigt der Blutdruck zunächst an, da die Hitze das Herz-Kreislauf-System fordert.
Treten solche Symptome nach dem Saunagang auf, kann es helfen, sich hinzusetzen oder hinzulegen, ausreichend zu trinken und dem Kreislauf etwas Zeit zur Erholung zu geben.
Wie wirkt sich ein heißes Bad auf den Blutdruck aus?
Nicht nur Saunagänge, sondern auch heiße Bäder können den Blutdruck beeinflussen. Die Wärme sorgt, wie Rainer Stange, Internist und Experte für Naturheilverfahren an der Berliner Universitätsklinik Charité, der Stiftung Warentest erklärt, dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch sinkt der Widerstand in den Gefäßen und der Blutdruck kann vorübergehend abfallen. Warme Vollbäder oder Thermalbäder können also nicht nur entspannend wirken, sondern auch Herz und Kreislauf entlasten.
Menschen, die ohnehin schon niedrigen Blutdruck haben, sollten jedoch vorsichtig sein. Praktischarzt.de empfiehlt in solchen Fällen eher zu duschen als zu baden. Wer auf ein Bad nicht verzichten möchte, sollte das Wasser nicht zu heiß wählen und anschließend langsam aufstehen, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
Wie beeinflussen Wechselduschen den Blutdruck?
Abwechselnd warm und kalt zu duschen, bringt den Kreislauf in Schwung. Wie Norman Best, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Medizin, gegenüber Öko-Test erklärt, können Wechselduschen nicht nur die Durchblutung anregen, sondern auch den Blutdruck beeinflussen. Vor allem Menschen mit niedrigem Blutdruck wird die Anwendung häufig empfohlen. Der Grund: Während des kalten Wasserreizes ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Beim anschließenden warmen Wasser erweitern sie sich wieder. Durch dieses Wechselspiel kann der Blutdruck kurzfristig ansteigen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Menschen mit Bluthochdruck grundsätzlich auf Wechselduschen verzichten müssen. Best zufolge trainiert das abwechselnde Einwirken von Wärme und Kälte die Reaktionsfähigkeit der Blutgefäße. Dadurch können die Gefäße elastischer bleiben und sich besser an unterschiedliche Belastungen anpassen. Das kann gerade bei Bluthochdruck von Vorteil sein, da die Gefäße häufig weniger beweglich und stärker verengt sind.
Vorsicht ist allerdings bei stark erhöhtem oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck geboten. Nach Angaben des Berufsverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK) können intensive Kältereize eine zu hohe Belastung für den Körper sein. Durch die Verengung der Blutgefäße muss das Herz gegen einen höheren Widerstand pumpen, wodurch der Blutdruck ansteigt.
Verwendete Quellen
Literatur A-Z
Deutsche Herzstiftung: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/klima-und-umwelt/herzprobleme-bei-kaelte
Deutsche Herzstiftung: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/niedriger-blutdruck-harmlos-oder-bedenklich
Deutsche Hochdruckliga: https://www.hochdruckliga.de/pressemitteilung/bluthochdruck-und-sauna
Deutsche Hochdruckliga: https://www.hochdruckliga.de/nachricht/vorsicht-hitze
Übrigens: Bluthochdruck kann unterschiedliche Folgeerkrankungen auslösen. Deshalb ist es sinnvoll, ihn möglichst schnell in den Griff zu bekommen – wenn erlaubt zum Beispiel mit Saunagängen, warmen Bädern oder Wechselduschen.
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