Für die meisten Menschen bedeuten Achterbahnen Nervenkitzel und gute Laune. Aber was, wenn der Blutdruck nicht mitmacht und Schwindel und Übelkeit hinzukommen?Foto: galitskaya, stock.adobe.com (Symbolbild)
Die wichtigsten Erkenntnisse
Achterbahnfahren belastet den Kreislauf deutlich. Während einer Fahrt steigen Herzfrequenz und Blutdruckstark an.
Psychischer Stress spielt eine größere Rolle als gedacht. Schon beim langsamen Hochfahren steigt der Puls an.
Bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzproblemen kann die Belastung durch eine Achterbahn riskant werden.
Loopings, steile Abstürze und hohe Geschwindigkeiten sorgen in Freizeitparks für Nervenkitzel. Doch manche Besucher fragen sich vor der Fahrt: Kann eine Achterbahn bei Bluthochdruck oder Herzproblemen gefährlich werden? Tatsächlich belasten Achterbahnen den Kreislauf kurzfristig deutlich. Gleichzeitig zeigen Studien: Für gesunde Menschen sind die Risiken meist gering. Vorsicht gilt allerdings bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was passiert im Körper während einer Achterbahnfahrt?
Während einer Achterbahnfahrt reagiert der Körper mit einer klassischen Stressreaktion. Das Herz schlägt schneller, Stresshormone werden ausgeschüttet und der Blutdruck steigt kurzfristig an. In einer Studie der Universitätsklinik Mannheim, die später im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde, stieg die durchschnittliche Herzfrequenz der Teilnehmenden während einer modernen Achterbahnfahrt von 89 auf maximal 155 Schläge pro Minute an.
Der systolische Blutdruck erhöhte sich im Durchschnitt um 19 mmHg. Auffällig war dabei: Der stärkste Herzfrequenzanstieg trat bereits während des langsamen Hochfahrens auf – also noch bevor starke Beschleunigungskräfte wirkten. Die Forschenden vermuten deshalb, dass emotionale Aufregung und psychischer Stress eine wichtige Rolle spielen.
Blutdruck und Achterbahnfahren: Welche Rolle spielen die G-Kräfte?
Achterbahnen erzeugen außerdem teils erhebliche Beschleunigungskräfte, sogenannte G-Kräfte. Moderne Bahnen erreichen Belastungen von mehr als dem Vierfachen der Erdanziehungskraft, heißt es in der Untersuchung des Universitätsklinikums Mannheim. Durch diese Kräfte wird Blut verstärkt in Richtung Beine gedrückt. Das Herz muss stärker arbeiten, um Gehirn und Organe ausreichend zu versorgen.
Forschungen zu hohen G-Belastungen bei Kampfjetpiloten zeigen ebenfalls, dass starke Beschleunigungskräfte Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben können. Allerdings beziehen sich diese Untersuchungen auf deutlich extremere Bedingungen als bei Freizeitpark-Fahrgeschäften. Die Autoren der Studie fanden keine eindeutigen strukturellen Herzschäden bei den untersuchten Piloten, diskutieren aber mögliche Auswirkungen auf die rechte Herzhälfte bei langfristiger Belastung.
Können Achterbahnen für Menschen mit Bluthochdruck gefährlich sein?
Für gesunde Erwachsene gelten Achterbahnen grundsätzlich als relativ sicher. Anders sieht es bei Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Dazu zählen laut der American Heart Association unter anderem:
Die JAMA-Studie schloss Menschen mit bereits bekanntem Bluthochdruck über 160/100 mmHg ausdrücklich von der Teilnahme aus. Das bedeutet: Die gemessenen Werte und Einschätzungen beziehen sich ausschließlich auf gesunde Erwachsene ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Warum manchen Menschen auf Achterbahnen übel wird
Neben Herzrasen berichten viele Menschen über Schwindel, Übelkeit oder Benommenheit. Ursache dafür ist meist eine sogenannte Bewegungskrankheit („Motion Sickness“) und nicht unbedingt der Blutdruck. Dabei senden Augen und Gleichgewichtsorgan widersprüchliche Informationen an das Gehirn. Besonders unvorhersehbare Bewegungen, schnelle Richtungswechsel und Drehungen können der Mayo Clinic zufolge Symptome auslösen.
Typische Beschwerden sind:
Schwindel,
kalter Schweiß,
Übelkeit,
Erbrechen,
Benommenheit.
Achterbahnfahrt: Was gegen Übelkeit und Schwindel helfen kann
Die Mayo Clinic empfiehlt in diesem Zusammenhang mehrere Maßnahmen, um die Bewegungskrankheit während einer Achterbahnfahrt vorzubeugen:
den Blick auf den Horizont oder einen festen Punkt richten,
den Kopf möglichst ruhig halten,
große, fettige Mahlzeiten vor der Fahrt vermeiden,
elektronische Geräte während der Fahrt nicht nutzen.
Auch Ingwer oder Akupressur-Armbänder könnten manchen Menschen helfen, die Studienlage dazu ist allerdings begrenzt.
Was Freizeitpark-Besucher mit Blutdruck-Beschwerden beachten sollten
Viele Freizeitparks weisen bereits an den Fahrgeschäften darauf hin, dass Menschen mit Herzproblemen oder Bluthochdruck bestimmte Attraktionen meiden sollten. Wer unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet oder Medikamente gegen Bluthochdruck einnimmt, sollte im Zweifel vor dem Freizeitparkbesuch ärztlichen Rat einholen, empfiehlt die American Heart Association.
Treten während oder nach der Fahrt Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot, starke Schwindelgefühle oder Herzstolpern auf, sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Verwendete Quellen
Literatur A-Z
American Heart Association: https://www.heart.org/en/news/2019/03/04/are-thrill-seekers-with-heart-conditions-playing-with-dangerI