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Gericht

05.11.2012

220000 Euro verschwanden im Restaurant

Auch viel Geld ist schnell verschwunden.
Bild: Ralf Lienert (symbolbild)

Beim Prozess um die Burtenbacher Eisengießerei sind Konkursdelikte und Betrug zum Nachteil von über 100 Aktionären angeklagt. Dabei kommen abenteuerliche Geschäfte zutage.

Drei Jahre nach der Firmenpleite der Eisengießerei Bühler AG – 101 Mitarbeiter verloren durch sie ihren Arbeitsplatz – durchleuchtet eine große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Augsburg die damaligen Vorgänge. In dem gestern begonnenen Prozess erhebt die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen vier Mitglieder der Geschäftsführung.

Franz S., 71, seit 1978 Geschäftsführer, fehlte allerdings wegen Erkrankung. Das Verfahren gegen ihn ist abgetrennt. Das Unternehmen soll bereits als GmbH und ab August 2007 dann auch als Aktiengesellschaft überschuldet und zahlungsunfähig gewesen sein. Um dies zu vertuschen und um an frisches Geld zu kommen, sollen die Angeklagten falsche Geschäftszahlen veröffentlicht haben.

Angeklagt sind verschiedene Konkursdelikte und Betrug zum Nachteil von über 100 Aktionären. Staatsanwalt Christian Engelsberger bezifferte ihren Verlust auf eine drei Viertel Million Euro. Bereits beim Aktienkauf sei ihre Firmenbeteiligung wertlos gewesen.

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Mit eigenem Geld für die Eisengießerei Bühler gebürgt

Einer der Angeklagten ist Henning Isbruch, bekannt als Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Rosenheimer Klepper Faltbootwerft AG. Der 63-Jährige war als Unternehmensberater geholt worden, später wurde er in der zur Aktiengesellschaft umfirmierten Gießerei Vorsitzender des Aufsichtsrats. Isbruch versicherte: „Mir war nicht bewusst, dass Bühler überschuldet und zahlungsunfähig war.“ Wie er sagte, hatte er 2006 und später noch einmal mit eigenem Geld für die Gießerei gebürgt.

Er und Geschäftsführer Bernd S., der auch geschäftsführender Vorstand der AG war, sind auch der Untreue angeklagt. Es geht dabei um 220 000 Euro, die sich die Angeklagten offenbar von „Gangstern“ abluchsen ließen. Isbruch, der einmal Filialleiter für die Commerzbank gewesen war, schilderte eine abenteuerliche Geschichte. Alles fing damit an, dass 2007 ein zugesagter Bankenkredit geplatzt war. Der 63-Jährige schaltete daraufhin eine Zeitungsanzeige, in der die Eisengießerei nach einem Investor suchte.

Mit Erfolg, wie es schien. Ein Anrufer behauptete, sein in Italien lebender „Onkel Thadeos“ sei interessiert, mit zwei Millionen Euro einzusteigen. Die Angeklagten gewährten die erbetenen Auskünfte über die Gießerei, weil sie glaubten, sie hätten es „mit knüppelharten Profis“ zu tun. Womit sie nicht ganz falsch liegen sollten. Denn bei ihrem zweiten Treffen mit „Onkel Thadeos“ in Mailand im Januar 2008 hatten sie die geforderten 220 000 Euro in bar dabei.

Geschäftsmann Isbruch wurde ausgetrickst

Mit diesem Geld wollte der Italiener angeblich Schulden in bar zurückzahlen, um dann wieder Spielraum für den Millionenkredit zu haben. Als Sicherheit war den Deutschen die gleiche Summe in Schweizer Franken zugesagt worden. Diese wiederum, um nicht in den Verdacht der Geldwäsche zu geraten, „Thadeos“ angeblich nicht selbst zur Bank bringen mochte.

Das Ende ist schnell erzählt. Isbruch und sein Burtenbacher Begleiter übergaben in einem Restaurant die 220000 Euro. Im Gegenzug erhielten sie einen Darlehensvertrag einer Züricher Bank, dessen Unterschriften, wie sich zeigen sollte, gefälscht waren. Konsterniert sahen sie, wie der Italiener mit den Worten, er wolle das Geld auf der Toilette unbeobachtet nachzählen, aufstand und verschwand. Er sei erstaunt, sagte Richter Rudolf Weigell, „dass so hoch qualifizierte Geschäftsleute sich von Unbekannten derart aufs Kreuz legen lassen.“ Der Prozess ist bis Dezember angesetzt.

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