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Corona

08.05.2020

400.000 Schutzmasken für die Region

Am Freitag sind in China gefertigte Schutzmasken in Offingen eingetroffen. Insgesamt 400000 Stück wurden vom Katastrophenschutz aus verschiedenen schwäbischen und oberbayerischen Landkreisen sowie dem BKH Günzburg und dem Therapiezentrum Burgau übernommen.
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Am Freitag sind in China gefertigte Schutzmasken in Offingen eingetroffen. Insgesamt 400000 Stück wurden vom Katastrophenschutz aus verschiedenen schwäbischen und oberbayerischen Landkreisen sowie dem BKH Günzburg und dem Therapiezentrum Burgau übernommen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Wie die Offinger Firma BWF mit Corona in Berührung kam und was die Manager seither unternommen haben – für das eigene Unternehmen und für andere Organisationen.

Die schiere Zahl beeindruckt. Am Freitag hat die BWF-Group eine umfangreiche Lieferung erreicht: 400000 Schutzmasken aus China sind in Offingen eingetroffen. Doch der Hersteller für Filtermedien, technische Filze und Kunststoffprofile hatte nicht vor, die zertifizierten Masken (Klinikstandard FFP 2) an seine Mitarbeiter für die nächsten hundert Jahre zu verteilen.

In der Mittagszeit waren Vertreter von Katastrophenschützern aus verschiedenen Landkreisen zu Gast, um die bestellten Masken zu übernehmen. Wenn man so will, ist BWF als Großhändler aufgetreten – ohne hier, wie Stefan Offermann sagt, „den großen Reibach“ zu machen. „Das würde gegen unsere Geschäftsmoral verstoßen, eine Notlage auszunutzen.“ Auf den aktuellen Einkaufspreis in Höhe von 2,15 Euro sei noch ein bisschen was für den logistischen Aufwand draufgekommen. „Wir verdienen daran praktisch nichts. Vergleichbare Masken des nächsten Anbieters lagen bei drei Euro. Wir haben damit allein dem Landkreis Günzburg zwischen 500000 und eine Million Euro gespart“, sagt der BWF-Seniorchef.

Vorboten während eines geschäftlichen Aufenthalts in China

Beabsichtigt war der Maskenhandel nie. Aber BWF mit seinen weltweit 1800 Mitarbeitern an 15 Produktionsstandorten und zahlreichen Vertriebsbüros hat früher als viele andere Unternehmen die durch das Coronavirus ausgelöste Krise zu spüren bekommen. Zwei Werke stehen in der chinesischen Stadt Wuxi. Mitte Januar hielten sich dort Philipp von Waldenfels, ebenfalls wie Stefan Offermann geschäftsführender, persönlich haftender Gesellschafter, und Offermanns Sohn Maximilian auf. Man habe erstmals von einem damals noch unbekannten Virus gehört, konnte ohne größere Probleme ausreisen. „Aber es fiel auf, das verstärkt Masken getragen wurden.“

Da bald danach in China eine Maskenpflicht herrschte, wurde in den Werken auf Maskenproduktion umgestellt, um den eigenen Bedarf zu decken.

Ein Werk in Norditalien, wo das Virus wütete

Im März schließlich wurde, wenn man so will in einem der Zentren der Corona-Pandemie, auch etwas anderes als normalerweise produziert: Im norditalienischen Caronno bei Mailand gab es plötzlich Schutzmasken anstelle von Filterschläuchen, um die Eigenversorgung, aber auch die Versorgung in lokalen Einrichtungen sicherzustellen. In den Werken in Polen und der Türkei ging die Maskenherstellung ebenfalls los mit dem Ziel, regional zu helfen. Das alles liegt etwa sechs Wochen zurück.

Desinfektionsmittel wurde knapp. Das Offinger Forschungs- und Entwicklungslabor produzierte es in Eigenregie für die Standorte in Polen und Italien.

Schließlich entstanden für einen deutschen Maskenhersteller, der in Deutschland und Mazedonien produziert, in drei Schichten in Offingen und Hof über zehn Millionen Maskenrohlinge. Sie wurden auf speziellen Schneideanlagen für Textilien geschnitten.

Was in Offingen gefertigt wurde und wird

Ende März begann der Aufbau der Maskenkonfektion in Offingen, um regionale Bedarfe der Stadt Günzburg, verschiedener Feuerwehren, Altenheime, des Roten Kreuz und von weiteren Organisationen zu decken. „Die Telefone hörten nicht mehr auf zu klingeln“, berichten die BWF-Manager gleichermaßen.

Stefan Offermann brachte 150 Masken zum Roten Kreuz nach Krumbach, nachdem er gehört hatte, dass die Helfer in nächster Zeit nicht mehr ausrücken können, da sie nicht mehr imstande waren, sich selbst zu schützen. „Da bin ich schon erschrocken“, sagt er im Rückblick und mit dem Wissen, dass es mit diesen 150 Schutzmasken längst nicht getan sein wird. Bis zu sieben Nähmaschinen waren in Offingen beinahe pausenlos im Einsatz – entweder gekaufte oder vom Dürrlauinger Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum St. Nikolaus kostenfrei ausgeliehene. Bis heute wurden auf diese Weise rund 35000 Hygienemasken hergestellt, die im Alltag eingesetzt werden.

Roboter brachte das Essen und frische Wäsche

BWF unterstützte die Stadt Günzburg bei der Importabwicklung von Schutzausrüstung in China. Produziert wird ein Nies- und Spuckschutz. Homeoffice gehört in Bereichen, in denen es möglich ist, inzwischen zum Standard. Manager von BWF, die in China tätig sind, konnten nach ihren Urlauben auf den Philippinen und in Österreich nicht oder nicht ohne weiteres zurückreisen. Der eine steckt noch immer auf den Philippinen fest, der andere musste mit seiner Familie bei der Ankunft in China erst 14 Tage in Hotelquarantäne. Essen und Wäsche wurden von Robotern gebracht und geholt.

Die Hilfe durch zertifiziertes Schutzmaterial ist bereits im April angelaufen. Der Katastrophenschutz Günzburg erhielt auf diese Weise 50000 FFP2-Masken und 20000 OP-Masken. Bis zum Freitag. Da gab es nochmals einen kräftigen Nachschlag.

Ein Maskenautomat an der Pforte

Schutzmasken kann bei BWF jeder kaufen. An der Pforte wurde eigens ein Maskenautomat aufgestellt (Packung mit vier Stück für zehn Euro). Ein Geheimtipp ist dieser Automat inzwischen nicht mehr.

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