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28.05.2020

Abitur 2020: So läuft es für Schüler und Lehrer

Theresa Kober, die das Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach besucht, legt am Freitag die schriftliche Abiturprüfung im Fach Englisch ab.
Bild: Theresa Kober

Plus Am Freitag findet die dritte schriftliche Prüfung an den bayerischen Gymnasien statt. Sowohl die Abiturienten als auch die Lehrer sind mit dem Abitur zufrieden.

Die diesjährigen Abiturienten haben die bisher wohl ungewöhnlichste Prüfungsvorbereitung hinter sich: Nach dem Shutdown und dem darauffolgenden Homeschooling einigte man sich auf der Kultusministerkonferenz darauf, dass das Abitur später als gewöhnlich stattfindet. Dafür sollten die noch ausstehenden Klausuren des zweiten Halbjahres für die Abiturienten entfallen.

Die dritte Abitur-Prüfung findet in einem Wahlfach statt

Eine Woche nach den Osterferien begann dann für die Abschlussschüler wieder der Präsenzunterricht – und das ausschließlich in den Abiturfächern. „Es war schon gut, dass wir uns nur auf die Abi-Fächer konzentrieren konnten“, sagt die Abiturientin Theresa Kober. Die 18-Jährige besucht das Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach und schreibt am Freitag nach Deutsch und Mathe die letzte schriftliche Prüfung in einem Fach ihrer Wahl. Theresa hat sich für Englisch entschieden. Aufgeregt ist sie nicht. „Ich bin eher nervös wegen der mündlichen Prüfungen.“ Doch die finden erst nach den Pfingstferien statt – ein bisschen Zeit bleibt also noch. Bisher fand Theresa die Abiturprüfungen ganz gut. „Mathe muss man einfach üben und bei Deutsch muss man hoffen, dass gute Texte drankommen“, sagt sie. In beiden Fällen hatte sie Glück. Vor allem Mathe sei zwar nicht geschenkt gewesen, doch auf jeden Fall machbar. Zur Vorbereitung hat Theresa Matheprüfungen aus den Vorjahren durchgerechnet, schwieriger oder leichter als das diesjährige Abitur seien die aber nicht gewesen.

Corona-Maßnahmen waren nur vor der Prüfung bemerkbar

Von den Hygienemaßnahmen hat die 18-Jährige während der Prüfungen kaum etwas gemerkt. Im Abitur sitze man sowieso im großen Abstand zueinander. Nur eines hat sie gestört: „Als wir vor der Turnhalle gewartet haben und total nervös waren, durften wir uns nicht umarmen – das fand ich schon schlimm.“ Auch dass die Aufsichtspersonen durchgehend Masken getragen hätten, sei komisch gewesen.

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Bild: Fabio Dippel

Auch die 17-jährigen Brüder Jakob und Fabio Dippel, die am Freitag am Dossenberger Gymnasium in Günzburg die schriftliche Prüfung in Geografie ablegen, fanden vor allem die Situation direkt vor den Prüfungen befremdlich. „Als wir uns alle getroffen haben und man wegen der Masken niemanden richtig sehen konnte, war das irgendwie ein komisches Gefühl“, sagt Fabio. Bisher seien die Prüfungen sehr gut gelaufen, vor allem Mathe. Das schreibt Fabio zum Teil der Tatsache zu, dass er strukturiert gelernt habe. Großteils liege es jedoch an der guten Vorbereitung seiner Mathelehrerin. „Sie hat sich total bemüht, dass wir alles mitkriegen, sowohl über den Lernstoff als auch über das Abitur selbst.“ Zudem habe sie sich immer Zeit genommen, um Fragen über das Programm Microsoft Teams zu beantworten.

Abiturienten hatten engen Kontakt zu den Lehrern

Mathelehrerin Susanne Stadelmann bestätigt den engen Kontakt: „Aus meiner Sicht war ich dieses Jahr viel näher an den Schülern dran als sonst.“ Es sei durchaus eine Herausforderung gewesen, die Unterlagen für den Präsenzunterricht so umzuarbeiten, dass die Schüler allein damit lernen konnten. Bis 24 Stunden vor der Prüfung hat Stadelmann noch Fragen ihrer Schüler beantwortet. Und die kamen, im Gegensatz zu den Vorjahren, sehr frequentiert. Bisher habe sie den Abiturienten immer vorgeschlagen, bei Fragen in den Pausen zum Lehrerzimmer zu kommen. Das habe jedoch kaum jemand gemacht. Stadelmann vermutet, dass die Möglichkeit, über einen Online-Chat Fragen zu stellen, die Hemmschwelle bei den Schülern gesenkt hat. Und durch die weggefallenen Klausuren und die Zeit im Homeschooling, die man intensiv hätte nutzen können, hätten die Schüler viel für sich herausholen können.

Eine wichtige Aufgabe: den Schülern die Angst nehmen

Susanne Wiesner, die am Simpert-Kraemer-Gymnasium Deutsch unterrichtet, hat die technischen Möglichkeiten ebenfalls ausgenutzt. „Die Hauptarbeit während des Homeschoolings war definitiv, den Abiturienten die Angst zu nehmen und ihnen zu vermitteln, dass wir das schaffen“, betont sie. Denn nach der Schließung der Schulen habe große Unsicherheit geherrscht. Auch sie selbst habe sich damals nicht vorstellen können, dass das Abitur doch noch so reibungslos über die Bühne gehen würde, wie es jetzt der Fall war.

Denn anders als in den vorherigen Jahren war eigentlich nur die Vorbereitung, das Abitur sei relativ „normal“ abgelaufen. Wichtig sei die Organisation gewesen. So hätten alle Schüler ihre Duden einen Tag vor dem Deutschabitur für eine Kontrolle auf unerlaubte Markierungen abgegeben und am Prüfungstag selbst dann desinfiziert zurückbekommen. Ebenfalls neu: Die Abiturienten haben von sich aus gefragt, ob Wiesner auch während der Osterferien Übungsaufgaben zur Verfügung stellen könnte. „Diese Frage kam bisher noch nie“, sagt Wiesner und lacht.

Sie lobt besonders die Schulleitung, die die drei Wochen im Präsenzunterricht so geplant habe, dass man das Maximale aus der verbliebenen Zeit herausholen konnte. Das Deutschabitur bewertet Wiesner als ganz normal. Es sei weder besonders schwierig gewesen, noch habe man es den Schülern nachgeworfen. Und sie muss es wissen, denn sie hat die Abiturprüfungen schon fertig korrigiert – und hat jetzt endlich auch einmal Ferien.


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