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30.08.2010

Als ein Filmstreifen Feuer fing

Als ein Filmstreifen Feuer fing
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Aus dem alten Marktplatzkino wurde der moderne CinePark. Foto: Keller
Bild: Keller

Der Wunsch des Menschen, die Wirklichkeit zu reproduzieren und sich die Illusion "lebender" Bilder zu schaffen, verläuft quer durch die Kulturgeschichte. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wunsch Wirklichkeit, wie die Geschichte des Films belegt. Die lokale Filmgeschichte "als die Bilder laufen lernten" geht auf das Jahr 1903 zurück, als der erste Kinematograph im Einsatz bestaunt wurde.

In einem verdunkelten Raum konnten dann die "lebenden Photographien" auf einer leuchtenden Leinwand bestaunt werden. "Dornröschen", "Die Feuerwehr von New York bei Löschen eines Großbrandes" und "Die letzte Segensspende Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII. an die deutschen Pilger in Rom" hießen die ersten Filmstreifen, die das Krumbacher Publikum zu sehen bekam. Von diesem Zeitpunkt an besuchten reisende Unternehmer regelmäßig mit ihren Wander-Kinematographen die beschauliche Kleinstadt an der Kammel. Sehnsüchte und Träume der Menschen wurden durch die Vorstellung der Filme geweckt, gleichermaßen Wissensdurst gestillt und die Neigung zur Neugier bedient. Nicht außergewöhnlich waren in den früheren Zeiten des Krumbacher Kinos "Herren-Separat-Vorstellungen". So versprach ein Unternehmen bei seiner Vorführung im März 1912 ein "hoch dezentes Programm". Als Extra-Einlage zeigte es den Film "Verführungen im Sumpfe der Großstadt". 1913 endete die von Wanderunternehmen geprägte Epoche lokaler Kinogeschichte. Der 1873 in Fellheim geborene Franz Wassermann erhielt seinerzeit eine Kinokonzession für Krumbach, wenngleich der Stadtmagistrat versucht hatte, dieses Vorhaben zu verhindern.

Wassermann begann, den Saal im "Bayerischen Löwen" entsprechend umzubauen. Die Halle gehörte zum Gasthof Löwen in der Krumbacher Karl-Mantel-Straße (später Ost, heute Obermeier). Bei der Eröffnung des Welt-Kinematographen - so der Name des ersten Krumbacher Filmtheaters - wurden an drei Sonntagen im Juli 1913 die verschiedensten Filme gezeigt. Den dritten Teil am 27. Juli 1913 sah das erwartungsvoll gestimmte Publikum jedoch nicht mehr: Panikartig flüchteten die Besucher aus dem Saal, nachdem ein Filmstreifen im Vorführapparat Feuer gefangen hatte.

In einem Bericht des anwesenden Polizeisergeanten Anton Funk heißt es, dass das Publikum teils bei den Fensterstöcken, teils bei der Ausgangstüre den Saal verließ. Außerdem seien "im ersten Anprall der Panik" einige älteren Personen zu Boden gedrückt worden. Niemand habe aber eine Verletzung erlitten. Überliefert ist, dass Wassermann und seinen Apparateur Metzeler wegen fahrlässiger Brandstiftung angezeigt wurden. Im November selbigen Jahres eröffnete Wassermann sein Kino wieder, allerdings nur für kurze Zeit. Vermutlich wurde er in den Ersten Weltkrieg eingezogen.

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Der "Kino-Müller"

Erst ab 1919 gab es wieder ständiges Lichtspieltheater in Krumbach, das allerdings häufig den Besitzer wechselte. 1932 schließlich eröffnete Johann Müller ("Kino-Müller") das Cinema-Theater am Marktplatz 22a. Ab 1936 wurde die Einfuhr ausländischer Filme von den Nazi-Machthabern immer mehr gedrosselt, der Zweite Weltkrieg reduzierte den Kinobetrieb ohnehin gewaltig. Am 1. Juli 1950 erstrahlte das "Neue Filmtheater Krumbach", ebenfalls zentral am Marktplatz gelegen, in frischem Glanz. Ab Februar 1954 konnten die Krumbacher zusätzlich im "Filmtheater Hürben" in der Karl-Mantel-Straße in die Traumwelt auf der Leinwand versinken.

In der Folgezeit betrieben die Geschwister Wiedemann beide Filmtheater. Von 1966 bis 1982 waren Willi und Helene Sturm Pächter der beiden Krumbacher Filmtheater, deren Nachfolge trat Wolfgang Christ an, der heute für die "lokale Filmtheater-Geschichte" verantwortlich zeichnet. Christ betreibt bis heute neben dem "Filmtheater Hürben" auch den "CinePark" am Marktplatz, ein Lichtspielhaus mit zwei Theatern und seit dem Jahr 2000 in Betrieb, nachdem das alte Kino am Marktplatz (das 1988 geschlossen worden war) für seine neue Aufgabe total umgebaut wurde.

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