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Landkreis Günzburg

23.07.2020

Alte Scheppacher Müllkippe wird aufwendig saniert

Die frühere Deponie „Am Kapf“ liegt zwischen zwei Wohngebieten. Sie muss nun aufwendig saniert werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Warum einige Gemeinderäte Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme haben.

Alte Müllkippen gibt es viele. Die ehemalige Deponie der einstigen Gemeinde Scheppach stellt aber eine Besonderheit dar. Denn sie liegt nicht, wie sonst üblich, in einiger Entfernung vom Ort, sondern mitten zwischen zwei Wohngebieten. Die Deponie „Am Kapf“ muss nun saniert werden, weil die dort abgelagerten Abfälle das Grundwasser verunreinigen – mit erheblichem Aufwand und Kosten von schätzungsweise 375000 Euro. Im Gemeinderat herrschte bei einigen Mitgliedern Kopfschütteln.

Die Sanierungsarbeiten, die in einem ersten Schritt im Herbst beginnen sollen, werden vom Krumbacher Büro Kling Consult geplant. Projektleiter Jan Peter Burghard ging kurz auf die Historie der ehemaligen Scheppacher Deponie ein. Angelegt wurde sie in den 1950er Jahren in einer Sandgrube. Bis Ende der 1970er Jahre wurde die Grube auf einer Fläche von etwa 3100 Quadratmetern und mit einer Tiefe von 16 bis 17 Metern mit Müll verfüllt. Als das Ganze voll war, wurde als Deckel eine dünne Lehmschicht aufgebracht. Dann ließ man buchstäblich Gras über die Sache wachsen.

Bor, Methangas, Kohlendioxid

Bereits seit 1991 wird die alte Müllkippe immer wieder untersucht. Das Ergebnis: Die dünne Deckschicht lässt Regen durch, der wiederum schwemmt vor allem das Halbmetall Bor aus dem Müll ins Grundwasser. Aus dem Deponiekörper entweichen zudem Methangas und Kohlendioxid. Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt haben deshalb die Sanierung angeordnet. Der Umfang der Maßnahmen war unter Experten umstritten, erklärte Burghard. Die Gesellschaft für Altlastensanierung in Bayern (GAB) hätte einen geringeren Aufwand betrieben, durchgesetzt habe sich letztlich das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth.

Die Folge sind Sanierungsarbeiten in erheblichem Umfang. Die wichtigsten Maßnahmen: In zwei Bauabschnitten werden Drainageleitungen und ein Entwässerungsgraben rund um die Deponie angelegt. Das derart aufgefangene Regenwasser wird zur Allerheiligenstraße abgeleitet. Die Straße muss an einer Stelle aufgerissen werden, weil dort eine Versickerungsanlage eingebaut wird. Entlang der Straße wird das Gelände zudem um zwei Meter erhöht, dazu ist eine Stützmauer notwendig. Außerdem wird baulich Vorsorge getroffen, dass auch das Methangas und das Kohlendioxid kontrolliert abgeleitet werden können. Abschließend erhält die Deponie zur Abdeckung eine Kunststofffolie und eine 1,5 Meter dicke Deckschicht, um die weitere Auswaschung von Schadstoffen zu verhindern. Halten soll das Ganze nach Angaben von Burghard 40 bis 50 Jahre.

Warum mancher Gemeinderat zweifelt

Nicht wenige Gemeinderäte hegten Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Sanierung. Angesichts der Strömungsverhältnisse werde durch die Deponie weder das Grundwasser in Jettingen-Scheppach noch in anderen Gemeinden belastet, erklärte Zweiter Bürgermeister Hans Reichhardt. Auch CSU-Rat Raimund Strobl konnte keine große Gefahr erkennen. „Dafür geben wir Hunderttausende aus und greifen in die Landschaft ein.“ FUW-Rat Hans Selzle erklärte, die im Grundwasser gemessenen Bor-Werte entsprächen jenen, die im Meer „ganz üblich“ seien. Das Meer sei nicht die Basis, erwiderte Burghard, „sondern ein unbelastetes Grundwasser“. Deshalb müsse gehandelt werden. Wobei ein Totalaushub der Deponie noch teurer käme als die kalkulierten 375000 Euro.

Bürgermeister Christoph Böhm erklärte, aufgrund vergangener Leistungen kämen keine weiteren Kosten auf die Gemeinde zu. Das mag wohl einige dazu bewogen haben, dem Projekt trotz aller Bedenken zuzustimmen. Gegen die Stimmen von Raimund Strobl ( CSU) und den FUW-Räten Helmut Feuchtmayr, Hans Reichhardt und Markus Kraus wurden die Sanierungspläne mehrheitlich gebilligt.

Im Herbst geht's los

Im Herbst beginnen die ersten Arbeiten, sie sollen acht bis zehn Wochen dauern. Im Frühjahr 2021 folgt Abschnitt zwei, binnen zwölf bis 14 Wochen soll die Deponie dann saniert sein.

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