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Günzburg

28.01.2019

Alte Strehle-Gebäude werden zum Übungsplatz

Die frühere Nahrungsmittelfabrik Strehle war am Samstag Schauplatz einer THW-Übung. Dabei kam auch eine Trage an einem Stahlseil zum Einsatz.
Bild: Peter Wieser

Das Technische Hilfswerk hat das Areal für ein besonderes Training genutzt. Was die Ehrenamtlichen zu diesem „Einsatz“ motiviert hat.

Auslöser war ein Beitrag in unserer Zeitung im November. Darin ging es unter anderem um Jugendliche, die sich in den leer stehenden Büro- und Fabrikräumen der alten Günzburger Nahrungsmittelfabrik Gebrüder Strehle GmbH eingenistet hatten. Eingeschlagene Fensterscheiben und Schmierereien an den Wänden zeugen davon – in naher Zukunft sollen die Gebäude abgerissen werden.

Eigentlich optimal für eine Übung des Technischen Hilfswerks (THW) – das war zunächst der Gedanke von Max Köhler, Trupp-Führer beim THW, Ortsverband Günzburg. Er habe seine Idee den Führungskräften vorgeschlagen, sich gleichzeitig an die GZ-Redaktion gewandt und schließlich seien die Kontakte mit dem neuen Besitzer des Areals zustande gekommen. Nachdem die Gebäude ohnehin abgerissen würden, habe dieser zugestimmt, dass man diese für eine Übung gerne nutzen dürfe.

An sechs Stationen werden die Situationen durchgespielt

Es ist Samstagvormittag, zehn Uhr, die Temperaturen liegen gerade einmal um den Gefrierpunkt. Es gäbe Angenehmeres. Im früheren Bürogebäude, das zum sogenannten Bereitstellungsraum umfunktioniert wurde, und wo die Helfer zu ihrem eigentlichen Einsatz zusammengezogen werden, ist es zumindest angenehm warm. Dafür sorgt der Anhänger mit dem riesigen Stromerzeuger hinter dem Unimog, der auch die notwendige Power für die weiteren Gerätschaften liefert. Die THW-Mitarbeiter, dick in ihren blauen Schutzanzügen eingepackt, sind mit vier Fahrzeugen auf dem Strehle-Gelände angerückt, um an sechs Stationen verschiedene Situationen durchzuspielen, wie sie sich ereignen könnten.

Das Technische Hilfswerk probte auf dem Gelände der ehemaligen Kaffeerösterei Strehle am Auweg in Günzburg den Ernstfall.
46 Bilder
Das THW übt für schwierigste Aufgaben
Bild: Peter Wieser


Sie sind bestens ausgestattet, haben alles dabei, was sich ihnen in den Weg stellen könnte. Die Übung biete Möglichkeiten, nicht nur die vertrauten, sondern auch einmal andere Techniken anzuwenden, sagt Max Köhler. In der Tat: Diese scheinen, gerade durch die örtlichen Gegebenheiten, unbegrenzt zu sein. An diesem Samstag sind auch Mitglieder der Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung des Landkreises aus Neuburg an der Kammel mit zwei Fahrzeugen vor Ort. Deren Aufgabe ist es, bei den Einsatzleitungsaufgaben mitzuwirken. Das gemeinsame Zusammenspiel steht im Vordergrund. Man tauscht sich gegenseitig aus. „Jeder soll von jedem profitieren“, erklärt Gerhard Selzle.

Der Weg durch das Gebäude ist ausgeschlossen

Die erste Station ist die aufwendigste: Auf der kleinen Plattform außen am Fabrikgebäude in mehreren Metern Höhe muss eine Person mit einer Rückenverletzung möglichst schonend geborgen werden. Der Weg durch das Innere des Gebäudes mit seinen vielen Treppen ist ausgeschlossen. Anstatt einer Feuerwehr-Drehleiter wird ein Stahlseil, das mit der Plattform und einem der schweren THW-Fahrzeuge verbunden ist, eingesetzt. Ähnlich einer Seilbahn gleitet daran eine Trage, in der sich jetzt die Person befinden würde, nach unten. Im Keller des Bürogebäudes stehen die Helfer vor verschlossenen Türen.

Die alten aus Holz ließen sich sicherlich problemlos eintreten. Manchmal sollte dies jedoch auf sanftere Weise erfolgen, beispielsweise, wenn sich direkt dahinter eine verletzte Person befände. Der richtige Schnitt mit der Akkukreissäge nimmt der Tür die Spannung. Mithilfe der anschließend richtig angesetzten Axt springt diese schließlich aus dem Schloss. Für das Öffnen der Metalltüre daneben sorgen entsprechende Schnitte mit dem Trennschleifer.

„Gute Ausbildung kostet Zeit“

In einem anderen Raum gilt es, eine marode Decke, auf der ein zu hohes Gewicht lastet, mit dem Einsatz von Holzbalken und Baustützen abzusichern. Ins Visier genommen wird auch der sich im Fabrikgebäude befindende stecken gebliebene Aufzug und an der Frontseite kommt das Einsatz-Gerüst-System (EGS) zum Einsatz. In nur wenigen Minuten sind die einzelnen Bauteile zu zwei Konstruktionen zusammengebaut, die aus den beiden Fenstern im zweiten Stockwerk ein etagengleiches und sicheres Abseilen ermöglichen.

Dazu kam es am Samstag allerdings nicht mehr. Zugführer Thomas Ostermeier sah es am Ende der Übung so: „Gute Ausbildung kostet Zeit.“ Und die war definitiv zu schnell vergangen. THW-Ortsbeauftragter Karlheinz Roßner brachte es auf den Punkt: „Das Gebäude gibt uns Möglichkeiten, die wir so nicht haben.“

Lesen Sie hier den Artikel: „Zerstörung: In anderthalb Jahren 13 Mal Polizei geholt“

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