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Günzburg

09.07.2019

Am Erdbeersee wird gern nackt gebadet - trotz Verbots

Vieles ist nicht erlaubt am Günzburger Erdbeersee, nackt zu baden gehört dazu. Das ist auch auf Schildern deutlich zu lesen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Viele scheint das Verbot der Stadt Günzburg nicht zu interessieren. Die Polizei musste deshalb schon einige Male Anzeige erstatten. Und wie ist die Situation sonst im Landkreis?

Was gibt es Schöneres, als sich im Sommer bei heißen Temperaturen an den nächstgelegenen Badesee zu begeben, sich im Wasser abzukühlen und anschließend von der Sonne trocknen zu lassen? Während die meisten das in Badehose, Bikini oder Badeanzug tun, mögen es andere lieber ohne. Am Günzburger Erdbeersee jedoch gibt es ein Nacktbadeverbot – was nicht jeden davon abhält, ohne Bekleidung ins Wasser zu gehen. Erst am Wochenende hatte die Polizei wieder gemeldet, dort Nackte angetroffen zu haben, was für diese nun wohl auf ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro hinauslaufen wird.

Bis zum 1. Oktober 2013 war das öffentliche Nacktbaden im Freistaat Bayern grundsätzlich verboten, doch das Land wollte sich dann nicht mehr länger mit dem Thema beschäftigen, hob das Verbot auf und überlässt es seither den Kommunen, das zu regeln. Diese dürfen entscheiden, ob und in welcher Form sie für Gäste an Badegewässern entsprechende Vorschriften machen. Die wenigsten Gemeinden jedoch hielten es damals für nötig, Nacktbade-Regeln zu erlassen (wir berichteten). Seitdem ist aber einige Zeit vergangen. Hat sich seither etwas daran geändert?

2014 wurde die Badeverordnung bereits beschlossen

Die Stadt Günzburg hat eine Verordnung „über das Verhalten beim öffentlichen Baden“ erlassen. Bereits 2014 beschloss das der Stadtrat, am 13. Juni dieses Jahres ist die Badeverordnung schließlich in Kraft getreten. Gleich an erster Stelle unter Paragraf eins ist darin zu lesen: „Wer öffentlich badet, muss im Stadtgebiet der Stadt Günzburg Badekleidung tragen. Dies gilt für Wasser-, Luft- und Sonnenbaden.“ Zudem heißt es in der Verordnung weiter: Der Platz muss allgemein zugänglich und einsehbar sein. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr sind nicht betroffen. Ebenso Plätze, an denen Badegäste davon ausgehen können, von anderen nicht gesehen zu werden. Die Verordnung ist auf der Internetseite der Stadt unter www.guenzburg.de/buerger/rathaus/ortsvorschriften zu finden und nachzulesen.

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Die Gründe für den Beschluss des Günzburger Stadtrats zu dieser Badeverordnung erklärt Julia Ehrlich, Pressesprecherin der Stadt: Bürger, die dort ihre Freizeit verbringen, wie Mitglieder der Fischereivereine oder Badegäste, hätten sich von den zumeist von auswärts stammenden Nacktbadenden beeinträchtigt gefühlt. Vor allem der Erdbeersee sei betroffen. „Beim Nacktbaden in Günzburg geht es immer um den Erdbeersee“, sagt Ehrlich. Warum das so sei, könne sie nur vermuten. Wohl aufgrund der guten Erreichbarkeit über die Bundesstraße 16 habe sich das Gewässer zu einem überregionalen Treffpunkt für Nacktbadende entwickelt. Trotz Schildern, die dort auf das entsprechende Verbot hinweisen, muss sich die Polizei seit Inkrafttreten der Verordnung Mitte Juni aber bereits wiederholt mit Bürgern befassen, die sich nicht daran halten.

Der Erdbeersee bei Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Wer hier nackt badet, muss 150 Euro zahlen

Wird ein Verstoß gegen die Badeverordnung von den Beamten der Polizeiinspektion Günzburg festgestellt, nehmen die Polizisten diesen auf und leiten ihn an das Ordnungsamt der Stadt weiter, die sich dann darum kümmert. Bei einem erstmaligen Verstoß wird ein dreistelliger Betrag als Bußgeld verhängt, eben die genannten 150 Euro, erklärt Polizeichef Stefan Müller. Es gebe immer mal wieder Personen, die sich von Nacktbadenden gestört fühlten und die Beamten informierten. Aber auch bei Streifenfahrten achte die Polizei darauf. Müller mag nicht ausschließen, dass der Ärger über Nacktbadende auch an anderen Gewässern ein Thema ist, aber Meldungen bekomme die Inspektion nur in Sachen Erdbeersee.

Dort gebe es Einsichtige, die die Anzeige klaglos annehmen, aber auch Menschen, die das Verbot infrage stellen und solche, die sagten, sie wüssten gar nichts von der Regel. „Ich halte die Badeverordnung der Stadt für berechtigt“, sagt Müller, und die Leute sollten sich daran halten. Seit sie in Kraft getreten ist, habe die Polizei bereits sieben bis zehn Verstöße registriert.

Im Silbersee wird gerne gebadet - auch nackt?

Und wie sieht es in anderen Gemeinden im Landkreis aus? In Burgau, den Gemeinden Offingen, Gundremmingen und Kötz sowie im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Haldenwang beispielsweise sei das Thema keines, heißt es in den Rathäusern, da es im jeweiligen Gebiet keine Badeseen gebe.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Rettenbach hingegen liegt einer – der Silbersee. Doch Nacktbaden finde dort nicht statt, ist sich Rettenbachs Bürgermeisterin Sandra Dietrich-Kast sicher. Zumindest habe es einen solchen Fall dort noch nie gegeben, sodass auch kein Bedarf bestanden habe, eine Verordnung dazu zu erlassen.

In Jettingen-Scheppach hat sich noch keiner beschwert

Entsprechendes bestätigt auch Bürgermeister Walter Sauter für Bubesheim. Im Gemeindegebiet gebe es zwar den Wasserburger See. Doch Sauter habe noch nie etwas von Nacktbadenden dort gehört, sodass er sich keinerlei Gedanken über eine Verordnung gemacht habe.

Auch in Jettingen-Scheppach gibt es keine eigene Verordnung. Auf Gemeindeflur liegen zwar neben dem Heiligmannsee, einem EU-Badesee, weitere Gewässer, in denen gebadet werden darf. Christine Reichard vom Ordnungsamt ist jedoch noch nie zu Ohren gekommen, dass dort Badende ihre Hüllen fallen lassen. Bislang habe sich noch niemand beschwert.

Der Oberrieder Weiher.
Bild: Peter Bauer (Archiv)

In Breitenthal und somit am Oberrieder Weiher gibt es klare Regeln

Ein klares Nacktbadeverbot gibt es am Oberrieder Weiher. Seit 2014 regelt die Badeverordnung der Gemeinde Breitenthal, dass Badebekleidung zu tragen ist – dies gilt generell am Weiher, sowohl im Wasser als auch außerhalb. Diese Vorschriften greifen für alle Plätze im Gemeindegebiet, die allgemein betreten werden können oder die einfach einzusehen sind. Aber es gibt auch Ausnahmen: Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr dürfen ohne Bekleidung planschen. Wer darüber hinaus einen Platz hat, an dem er damit rechnen kann, dass er von Unbeteiligten nicht zu sehen ist, darf seine Hüllen fallen lassen. Nach Auskunft von Bürgermeisterin Gabriele Wohlhöfler gab es mit diesen Regeln bisher nie Probleme: „Keine Beschwerde hat die Gemeinde erreicht. Daher gehe ich davon aus, dass sich entweder jeder an die Regeln hält oder dass sich die Menschen untereinander absprechen.“

Ähnlich problemlos ist die Situation im Gemeindegebiet von Balzhausen. Mehrere Weiher werden dort im Sommer von Badegästen angesteuert. Eine Badeverordnung, die Kleidung vorschreiben würde, gibt es nach den Worten von Bürgermeister Daniel Mayer nicht: „Wir hatten keinen Grund, eine solche Verordnung zu veranlassen. Uns erreichen in diesem Zusammenhang keine Beschwerden.“

Vor Jahren gab es Vorfälle entlang des Mindeltal-Radwegs

Auch in der Stadt Thannhausen ist es ruhig um dieses Thema. „Eine Satzung gibt es nicht, da es keinen Grund dafür gibt“, sagt Bürgermeister Georg Schwarz. Schon seit Jahren habe die Stadt keine derartige Beschwerde erreicht. Vor einigen Jahren habe es Vorfälle entlang des Mindeltal-Radwegs südlich von Thannhausen gegeben. Dabei wurden Menschen nicht nur beim Nacktbaden beobachtet – es wurde manchmal auch intimer. Doch dies liegt laut Schwarz bereits länger als sieben oder acht Jahre zurück. „Sollte es heute Beschwerden über Nacktbadende geben, würde ich das Gespräch mit den Leuten suchen. Man muss so etwas nicht gleich mit einer Verordnung klären“, sagt der Bürgermeister.

Im südlichen Landkreis scheinen Beschwerden über Nachtbadende kein großes Thema zu sein. Auch die Polizeiinspektion in Krumbach erklärt auf Anfrage, dass sie damit bislang so gut wie nie konfrontiert werde.

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