1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken

Günzburg

07.05.2018

An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken

Copy%20of%208E1A0515a(1).tif
2 Bilder
Joachim Grzega führte die Vhs-Nachtschwämer am Freitag durch die Günzburger Innenstadt.
Bild: Peter Wieser

Was die Vhs-Nachtschwärmer bei ihrem abendlichen Spaziergang durch Günzburg alles erfahren haben.

Seit acht Jahren gibt es die „Vhs-Nachtschwärmer“ der Volkshochschule Günzburg – sozusagen ein Abend mit Begegnungen aus Kreativem und Wissenswertem. Am Freitag wurde wieder ausgeschwärmt: Vom Ukule-Crash-Kurs über Vokabeln, die man sogar im Schlaf lernen kann, bis hin zu moderner Kalligrafie im Stil von Hundertwasser. Gewissermaßen war es ein Jubiläumsschwärmen, denn seit zehn Jahren befindet sich die Volkshochschule in den Räumen des Dossenbergerhauses, dem Haus der Bildung. Eine ganze Reihe an „Wiederholungstätern“ war mit von der Partie, wie Vhs-Leiterin Petra Demmel feststellte.

Auf dem Programm stand eine Ort-und-Wort-Wanderung. Doch was bedeutet das eigentlich? Prof. Dr. Joachim Grzega, Sprachwissenschaftler und Sprachdidaktiker aus Treuchtlingen stellt an diesem Freitag von vornherein klar: „Nomen ist heutzutage nicht immer Omen.“ Recht hat er. Also los, zum Ausschwärmen in die Günzburger Altstadt. Bei der Konditorei am Bürgermeister-Landmann-Platz und beim Betrachten des Wortes „Konditor“, wird klar: Wörter mit der Endung „or“ , „eur“ oder „ore“ bezeichnen eine Person, die etwas „tut“, und haben in ganz Europa die gleiche Bedeutung. Im Italienischen genauso wie im Französischen. Der „Doktor“ ist gleichzeitig der „Docteur“ oder der „Dottore“, der „Professor“ ist der „Professeur“ oder der „Professore“. „Wenn man mit solchen internationalen Elementen in einen Sprachkurs einsteigt, kann man zeigen, dass man innerhalb von zwei Minuten 100 Wörter im Sprachbuch hat“, erklärt Grzega. Gut, bei dem Wort „Malheur“ sei das etwas anders, fährt er schmunzelnd fort.

„Die düstere Seite“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Gleichzeitig haben in vielen Ländern gleiche Begriffe nicht die gleiche Bedeutung. Während das „Baguette“ in Deutschland alles bezeichnet, was irgendwie weiß und länglich ist, gibt es in Frankreich Unterschiede, wie bei „Flute“, „Ficelle“ oder „Pain“. Joachim Grzega erklärt, warum die Hausnummern auf der rechten Seite aufsteigend gerade und auf der linken Seite ungerade sind: „Rechts“, oder auf Englisch „right“, das seien die „Richtigen“, währen die linke Seite, auf Englisch „left“ und auf Italienisch „sinistra“, die übriggebliebene oder gar die düstere Seite bedeute.

Vorbei an dem Barber Shop erfährt man dass unsere arabischen Zahlen für die Araber eigentlich europäische Zahlen sind. Was haben so ziemlich alle Postkästen Europas gemeinsam? Es steht „Post“ oder eine ziemlich ähnliche Bezeichnung darauf. Das Wort „Brief“ kommt vom altfranzösischen „bref“ (kurz), und schreibt man „Lettres“ (Buchstaben) darauf, hat man den englischen „Letter“. Nach einer guten Stunde voller Wörter an den verschiedensten Orten ist der Spaziergang beendet. Einige der Teilnehmer sind etwas außer Atem, einig aber sind sie sich alle: „Faszinierend“ und „Es hat den Horizont erweitert“, sagen zwei Günzburgerinnen, die die Runde genossen haben, lachend.

„Günzburg strahlt“

Am Ende beginnt die Stadt zu strahlen: „Günzburg strahlt“, so heißt der in den 80er Jahren gedrehte Super-8-Film von Ortwin Gut, der nach langer Zeit wieder gezeigt wird. Er ist eine Parodie auf die „schönste Stadt in Schwaben“ – auch wenn zu Beginn der Blick zum Schloss zunächst auf die Gundremminger Kühltürme abschweift. Wie war das denn damals, als der Günzburger Marktplatz nach den neuesten Methoden der Verkehrsführung verkehrsberuhigt werden sollte? Das Pärchen, das in einer roten Ente auf den Marktplatz rollt, ist überrascht. Verkehrsberuhigung heißt in dem Film: Entweder rückwärts fahren oder das Auto schieben. Und wie war das damals mit dem Guntia-Brunnen? In dem Film ist von neoägyptischem Stil die Rede. Der Künstler hat sich seine Inspiration dazu nämlich von einem Puffer eines Eisenbahnwaggons auf dem Bahnhof in Neuoffingen und von der Sphinx aus einem Asterix-Heft geholt. In jedem Fall ist Günzburg jetzt sauber, und auch die „Nackerten“ an den Badeseen sind von der Polizei abgeführt worden. „Günzburg strahlt“ entlockt den Besuchern ein heiteres Schmunzeln und lässt sogar nach 35 Jahren den einen oder anderen Darsteller am Rande wiedererkennen.

Gewinner prämiert

Am Freitag wurde auch das Gewinnerbild des Malwettbewerbs präsentiert. Darin galt es, das Haus der Bildung in einer besonderen Perspektive darzustellen. Erlaubt waren alle Maltechniken, bewertet wurde nach Idee, Technik, Schwierigkeitsgrad und Ausführung. Gewinnerbild war das Bild von Wolfgang Hackel aus Riedhausen, Acryl auf Karton, das nun das Titelbild des Programmhefts Herbst 2018 werden wird.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Landrauschen-10(1).tif
Landkreis Günzburg

Kinopremiere: „Landrauschen“ in der Region

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen