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Handball Dritte Liga

04.10.2020

Applaus für diesen Saisonauftakt des VfL Günzburg

Zu fertig, um schon in den Feiermodus umzuschalten: Unmittelbar nach dem überraschenden 24:24 gegen Leutershausen applaudieren die Günzburger Handballer ihren treuen Fans. Die hatten während eines begeisternden Spiels ebenfalls nicht mit Beifall gespart.
Bild: Ernst Mayer

Plus Die Handballer des VfL Günzburg machen fast alles richtig. Ein Neuzugang wird zum Mann des Tages. Wirklich entscheidend sind aber andere Faktoren.

Schon nach diesem Auftaktspiel lässt sich sagen: Die Günzburger Handballer sind in der Dritten Liga angekommen. Allein das Resultat ihres Premieren-Auftritts ist erstaunlich. Denn dass die Emporkömmlinge von der Donau den Roten Teufeln von der Bergstraße einen Punkt rauben könnten, war im Vorfeld womöglich Bestandteil bunter Träume, nicht aber realistischer Einschätzungen gewesen. Doch genau so kam es. 24:24 (12:13) endete das Spiel zwischen dem VfL Günzburg und der SG Leutershausen. Und natürlich schwappte bei aller Neigung zur schwäbisch-realistischen Selbsteinschätzung die Stimmung erst mal über. Die Jungs feierten ausgiebig.

Zu Recht. Denn zuvor hatten die Bayernliga-Champions den als Titelkandidaten gehandelten Vizemeister der Dritten Liga Mitte stets auf Augenhöhe bekämpft, in manchen Szenen gar schlecht aussehen lassen. Von der Vorstellung seiner Jungs ließ sich sogar der von Berufs wegen nüchternste aller Analytiker, VfL-Trainer Gábor Czakó, mitreißen. „Ich bin prinzipiell begeistert, dass wir das 60 Minuten so durchgezogen haben“, sagte er wenige Minuten nach der Schlusssirene und fügte noch hinzu: „Das ist die Arbeit einer Mannschaft, wie man sie aus Günzburg kennt.

Matevz Kunst übernimmt Verantwortung

So gut sich das Kollektiv auf dieser ersten Stufe zum Klassenerhalt präsentierte, so herausragend agierte ein Neuzugang, den die heimischen Fans sofort in ihre Herzen schlossen. Auf ganz natürliche Art, einfach aufgrund seiner Qualität, hatte Matevz Kunst sofort eine Führungsrolle in der Mannschaft inne. Er übernahm auch gleich Verantwortung, nachdem Pascal Buck den ersten von insgesamt sechs Siebenmetern an den Querbalken gesetzt hatte. Alle weiteren fünf verwertete der Slowene, der mit seinen 22 Jahren ja selbst alles andere als ein Routinier ist. Insgesamt traf Kunst zehnmal und war damit natürlich ein wesentlicher Faktor auf dem Weg zum gefühlten Sieg.

Der Trainer lobt die kleinen Dinge

Czakó wollte den Mann des Tages freilich nicht gleich in den Himmel loben. Er freute sich über „viele weitere, unauffälligere Einzelleistungen“. Und über die Einstellung seiner Spieler: „Dass wir uns 60 Minuten an den Plan halten und mehr laufen als der Gegner, hat mich beeindruckt – und auch den Gegner“. Dieser unbedingte Wille wurde an diesem Staatsfeiertag zu einem Faktor, der die Ruhe, die Leutershausen dank seiner Routine normalerweise bewahren kann, in unverkennbare Unsicherheit übergehen ließ. Hier liegt vielleicht das größte Verdienst dieses VfL-Teams: Dass es den übermächtig scheinenden Auftaktgegner nicht nur mit spielerischen Mitteln ärgerte, sondern mental gewaltig ins Stolpern brachte.

Nun wäre Czakó nicht er selbst, wenn er kein Haar in der Suppe finden würde – auch wenn er es mit einem Lächeln herausfischte. „Es ist sehr schade, dass wir für diese Leistung nur einen Punkt bekommen. Jeder war mindestens an seiner persönlichen Grenze. Für mich hatte das zwei Punkte verdient“, sagte er in der Rückschau.

Ein Neuzugang auf den letzten Drücker

Nicht ganz überraschend präsentierten die Günzburger noch einen fünften Neuzugang. Rechtsaußen Renato Pauli kam auf den allerletzten Drücker – und dem Vernehmen nach nicht ganz ohne Nebengeräusche. Der Mann aus Eisenach schien nämlich bereits beim Bayernligisten TSV Friedberg gelandet zu sein, wurde dort zumindest als Neuzugang vorgestellt.

In der Start-Sieben bei der Günzburger Drittliga-Premiere tauchte Pauli nicht auf. Die Anfangsformation bildeten die Bayernliga-Meister Patrick Bieber, Pascal Buck, David Pfetsch, Julian Ruckdäschel und Daniel Jäger zusammen mit den Neuzugängen Matevz Kunst und Balázs Tóth. Auch das erste Tor der Begegnung erzielten die Gastgeber. Stephan Jahn traf nach einem schnellen Gegenzug (4.).

Spielrausch in der Rebayhalle

Überhaupt schafften es die Weinroten schnell, ihre Aufstiegs-Euphorie in Spielrausch umzuwandeln. So gehörte auch der erste Zwei-Tore-Vorsprung dieser Partie ihnen. Buck packte im rechten Rückraum einen Gewaltwurf aus, der zum 8:6 im Netz landete (15.). Danach wechselten sich viele äußerst starke mit wenigen etwas schwächeren Phasen ab. Zehn, sogar fünf Minuten vor Schluss hätte sich die Sache noch in beide Richtungen entwickeln können. Gefühlt allerdings besaßen die jungen Günzburger immer einen kleinen Vorsprung.

Die Endphase begeisterte das Publikum. Kein Wunder, denn zweieinhalb Minuten vor Schluss war Günzburg dem Auftakt-Coup wirklich ganz nah. Der Leutershauser Maximilian Rolka kassierte für ein Foul eine Zeitstrafe, Kunst verwandelte netzte den fälligen Siebenmeter zum 23:22. Die Gäste glichen durch Gianluca Pauli wieder aus. Noch eine Minute und ein bisschen was blieb auf der Uhr. Der VfL hatte den Ball. Und er hatte Kunst. Denn erneut gab es Siebenmeter. Und wieder netzte der Neuzugang aus Slowenien ein, es war sein zehnter Treffer. Neun Sekunden trennten den VfL noch vom Triumph. Doch es reichte immer noch nicht. Rolka, nach ungemütlichen zwei Minuten auf der Bank soeben erst aufs Feld zurückgekehrt, traf wuchtig aus dem Rückraum.

So haben sie gespielt

VfL Günzburg Bieber, Rösch; Kaulitz (1), Pfetsch, Kunst (10/5), M. Jahn, S. Jahn (1), Buck (4), Grabher, Tóth (2), Meye (1), Ruckdäschel, Jensen (3), Pauli, Köppel, Jäger (2)

SG Leutershausen Hübe, Gärtner; Schreiber (4), Schwerdtfeger, Rolka (2), Stippel (1), Jäger, Ruß (5/1), Cirac (2), Schwalbe (1), Wichmann, Muth (2), Bitz (5), Köder (1), Pauli (1)

Schiedsrichter Brandt/Fleisch

Zuschauer 300

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