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Landkreis Günzburg

20.08.2019

Aus Frust die früheren Kumpels bestohlen

Ein Mann musste sich zu seiner Tat vor Gericht bekennen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Ein heute 19-Jähriger ist in einen Bauwagen-Treff eingedrungen. Warum er trotzdem ohne Strafe davon kommt.

Einem jungen Mann war die Mitgliedschaft in einer Bauwagen-Clique gekündigt worden. Wegen dieser maßlosen Enttäuschung wurde der 19-Jährige zum Gesetzesbrecher. Er stahl aus dem Treffpunkt der jungen Leute mehrere Gegenstände, die er im Internet verhökern wollte. Wegen besonders schweren Diebstahls stand er nun vor der Jugendrichterin in Günzburg. Das Verfahren ging aber ohne strafrechtliche Folgen für den 19-Jährigen aus.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft war nicht von Pappe: Anfang Januar dieses Jahres sei der damals 18-Jährige in den als Jugendtreff genutzten Bauwagen einer Stadt im nördlichen Landkreis eingedrungen. Das fiel ihm leicht, denn er verfügte über den Schlüssel zum Jugendtreff. Den hatte er zum Zeitpunkt seiner Mitgliedschaft bekommen. Aber bereits 2017 lief es mit den Kumpels dort überhaupt nicht mehr und er musste den Bauwagen verlassen.

Wenige Monate nach der Tat wollte er die Sachen zu Geld machen

Aus dem Treff holte sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft ein Stromaggregat, eine Endstufe und einen Hochtöner im Gesamtwert von fast 600 Euro, rein juristisch gesehen ein besonders schwerer Diebstahl. Wenige Monate später stellte der junge Mann eben diese Gegenstände unter seiner Wohnadresse bei einer Internet-Verkaufsplattform ein, um sie zu Geld zu machen. Einen Käufer für die Artikel fand der Angeklagte nicht.

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Die Verfehlung gegenüber dem Bauwagen-Team räumte er in der Verhandlung am Montag unumwunden ein. Beim Aufbau des Treffpunktes habe er selbst tatkräftig mitgewirkt und sogar zur Anschaffung der Ausstattung mit 50 Euro beigetragen. Als ihm die Mitgliedschaft gekündigt wurde, habe er diesen Betrag zurück haben wollen – allerdings erfolglos. Wegen dieser Enttäuschung sei nach Angaben von Susanne Czudnochowski von der Jugendgerichtshilfe der Frust so heftig gewesen, dass er sich zu der Straftat hinreißen ließ – eine wohl einmalige Jugendsünde.

Bislang ist er noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten

Daher empfehle sie eine Einstellung des Verfahrens, eventuell verbunden mit einer geringen Geldauflage, denn der 19-Jährige verdiene in der Ausbildung gerade mal 250 Euro monatlich. Der Angeklagte ist bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Sein Verteidiger Kurt Hank wies darauf hin, dass sämtliche entwendeten Gegenstände an die rechtmäßigen Besitzer wieder zurückgegeben wurden.

Mit Zustimmung der Staatsanwältin folgte Jugendrichterin Jessica Huk dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe und stellte das Verfahren ohne finanzielle Konsequenzen für den reuigen Angeklagten ein, zumal dem Treff durch die Rückgabe kein Schaden entstanden sei.

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