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Günzburg

01.07.2020

Barrierefreier Günzburger Friedhof sorgt bei einigen Menschen für Ärger

So sieht der barrierefreie Haupteingang des Friedhofs an der Ulmer Straße aus.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus 600.000 Euro investiert die Stadt Günzburg in neue Zugänge und Wege. Warum nicht alle Nutzer davon begeistert sind.

Heller Asphalt begrüßt die Besucher am Haupteingang des Friedhofs an der Ulmer Straße in Günzburg. Ebenerdig geht es nun vom Gehsteig auf geradem Weg zur Kapelle. Ihr ist der Farbton des Asphalts entlehnt, dessen breites Band von einer Allee aus 16 Apfeldorn-Bäumen gesäumt wird. Doch es gibt kritische Stimmen wegen des Umbaus.

Der größte städtische Friedhof wird barrierefrei. Ende Juli soll die etwa 600.000 Euro teure Sanierung der Wege fertig sein. „Mir gefällt es richtig gut“, sagt Stadtbaumeister Georg Dietze während einer Begehung mit dem planenden Landschaftsarchitekten Roland Nagies (MNE Landschaftsarchitekten Augsburg). Mindestens zwei Mal in der Woche habe sich Nagies zur Bauüberwachung und der begleitenden Planung auf dem Friedhof aufgehalten. Denn die Umgestaltung sei durchaus „anspruchsvoll“ gewesen. Der Charakter der Anlage sollte nicht verändert werden. Gleichzeitig sollten die Wege die Vorgaben Barrierefreiheit, Sicherheit und Belastbarkeit durch Fahrzeuge erfüllen. „Wir bauen hier für die nächsten 100 Jahre“, sagt Stadtbaumeister Dietze.

Gelände auf dem alten Teil des Günzburger Friedhofs ist schwierig

Und ihm sei klar gewesen, dass „wir es nicht allen recht machen können“. Denn die Neugestaltung gefällt nicht jedem Grabnutzer. Weil der Weg, der auf beiden Seiten von einer Stahlkante eingefasst ist, nach dem Wegfall der beiden Stufen in gleichmäßigem Gefälle von etwa 1,5 Prozent zur Kapelle ansteigt, hat sich der Übergang zur ersten Grabreihe verändert. „Das Gelände auf dem alten Teil des Friedhofs ist schwierig “, sagt Dietze. Der alte Weg mit seinen Hebungen und Senkungen sei nicht mehr tragbar gewesen. „Die bestehenden Gräber sind in ihrer Lage unterschiedlich hoch, sodass eine individuelle Anpassung des neuen Haupterschließungsweges nicht möglich war“, teilt der Stadtbaumeister in einem Antwortschreiben mit, das der Redaktion zugespielt wurde. „Die Grabeinfassungen müssen angepasst werden“, sagt Dietze.

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Anlieger haben dem Stadtbauamt Günzburg ihre Bedenken mitgeteilt

Genau das fordern auch einige Anlieger der Nord-Süd-Achse, die ihre Bedenken bereits in einer frühen Bauphase schriftlich dem Stadtbauamt mitgeteilt haben. Weil in Einzelfällen die Grabeinfassungen kurz vor Beginn der Baumaßnahme erneuert wurden, kochen die Emotionen hoch. Diese Grabnutzer fordern von der Stadtverwaltung die vollständige Kostenübernahme der erforderlichen Anpassungsarbeiten.

„Ich bedauere, dass sich einige benachteiligt fühlen“, sagt Dietze. Er möchte einvernehmlich eine Lösung mit den betroffenen Nutzern finden und hat bereits ein finanzielles Angebot gemacht.

Günzburg bietet Betroffenen 500 Euro an

Doch der angebotene Betrag von 500 Euro sei nicht realistisch: „Die Kosten an unserer Grabstätte belaufen sich nach ersten Berechnungen auf etwa 1700 Euro“, sagt Elisabeth Lutz. Die Stahlkante des Wegs sei eine Stolperfalle in die nun bis zu 20 Zentimeter tiefer liegenden Gräber. Eine Anhebung der Grabstätte und die Anpassung an das neue Höhenprofil des Wegs sei aufwendig.

Großen Aufwand scheuten die Landschaftsarchitekten nicht bei der Neupflanzung der Allee. Für die 16 Apfeldorn-Bäume wurden auf der gesamten Länge des Wegs beidseitig Baumsubstrat eingebracht, das den Pflanzen den nötigen Lebensraum geben soll. Baumquartiere aus Stahl lassen Wasser und Luft an den Wurzelballen, der sich unterirdisch verzweigen kann. „Die alten Bäume hatten zu wenig Platz zum Wachsen. Ihr Wurzelballen war verkümmert und die Lebenserwartung nur kurz“, begründet Roland Nagies den Ersatz. Die Apfeldorne lassen sich leicht pflegen und halten bis in den Spätherbst ihr Laub. Auf dem Vorplatz der Kapelle werden im Bereich einer neuen Sitzgruppe zwei Ahornbäume gepflanzt.

Der Sitzbereich ist mit Muschelkalk-Platten zur optischen Abtrennung belegt. Die Bänke mit Rückenlehnen werden aus heimischer Lärche gefertigt. Auf der Ost-West-Achse von der Aussegnungshalle bis zum neuen barrierefreien Eingang zum Parkplatz Am Wasen wird eine Bitumen-Spritzdecke aufgebracht. Die Oberfläche bildet gebrochener Split mit einem Durchmesser von fünf bis acht Millimetern, wie er auch zwischen den Gräbern liegt. „Wir wollen damit die Homogenität von Kiesfläche und Weg bewahren“, sagt Nagies. Auf etwa halber Strecke werden zwei weitere Ahornbäume gepflanzt und Sitzbänke geschaffen. Auch Am Wasen wurden bereits zwei große Gruben für Ahornbäume ausgehoben.

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