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Leipheim

26.09.2017

Bestnoten für das Publikum

Mit der Gitarre stellt Deutschlehrer Streng (Karl-Heinz Helmschrot) denFlamenco als eine nonverbale Form der Kommunikation vor.
Bild: Gah

Karl-Heinz Helmschrot schlüpft im Leipheimer Zehntstadel in die Rolle des Deutschlehrers Streng.

Ein Abend, bei dem das Publikum viel mit eingebunden wurde, war im Leipheimer Zehntstadel zu erleben, und zwar beim Kabarettprogramm „Helmschrot macht Schule“ von Karl-Heinz Helmschrot.

Die erste Aufgabe des Publikums ist es, ein Gedicht über die gespannte Stimmung im Auditorium vor dem Auftreten des Künstlers mit Geräuschen zu untermalen („Gläser klingen, dann im Dunkeln hört man die Gäste munkeln“). Hier spricht Helmschrot das Publikum noch freundlich an. Dann aber folgt die Verwandlung in den stahlharten Deutschlehrer Oberstudienrat Streng mit braunem Cordjackett und einem exakt gekämmten Seitenscheitel. „An ihm konnten wir unseren Charakter stählen“, erzählt Helmschrot aus seiner Schulzeit. Dementsprechend verhält er sich jetzt gegenüber den Zuschauern.

Bei der Anwesenheitskontrolle verteilt er bestimmte Rollen an Personen, die an den verschiedenen Tischen im Zuschauerraum sitzen: „Das sind Sie, obwohl Sie es bislang noch nicht wussten!“ Diese Rollen bleiben den ganzen Abend über gleich und die Personen werden immer wieder in der Rolle angesprochen. So wird zum Beispiel ein älterer Herr zu einem Schüler, der schon seit 20 Jahren in der elften Klasse sitzt. Ein junger Zuschauer wird zum Neuzugang von der Waldorfschule: „Seit wann duzen wir uns?! Und können Sie Ihren Namen tanzen?!“

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Die zwei wichtigsten Figuren aber sind Herr Hagemann und Fräulein Heel. Streng hat Hagemann auf dem Kieker. Egal was er tut, er bekommt immer dasselbe. „Ich belohne Ihren Willen zur Mitarbeit mit dreimal Zwei, also mit einer Sechs!“ Fräulein Heel dagegen ist Strengs Liebling. Egal was sie sagt, sie bekommt immer Recht und eine Eins. So wird sie zum Beispiel nach den wichtigsten Vertretern der deutschen Romantik gefragt. Sie sagt nichts. Der Lehrer erwidert: „Richtig. Die deutsche Romantik kennt keine wichtigen Vertreter. Eichendorff, Tieck, und E.T.A. Hoffmann sind längst vergessene Modeschriftsteller.“

Inhaltlich gestaltet Oberstudienrat Streng seinen Unterricht aber äußerst amüsant. Denn sein Darsteller Karl-Heinz Helmschrot ist überwiegend als Regisseur für diverse Varietétheater tätig und zeigt im Laufe des Abends, dass er alle Spielarten dieses Genres selbst vortrefflich beherrscht. Mit einer Keulenjonglage erklärt er die Kommunikationstheorie. Als eine nonverbale Form der Kommunikation stellt er mit einem fulminanten Gitarrensolo den Flamenco vor. Varieté-Methoden kommen auch bei der Vermittlung der Lektüre von Goethes „Faust I“ zum Einsatz. Den berühmten Monolog „Habe nun, ach…“ übersetzt Helmschrot in den Dialekt Goethes, also das Frankfurter Hessisch. „Nee, was lern isch ieberhaupt...“ Mit einem Schattenspiel zeigt er Mephistos Verwandlung vom Hund zum Menschen. Den nächsten Auftritt des höllischen Wesens begleitet er mit einer Fackeljonglage. Am Ende der Lektionen zum Faust versöhnt sich Streng mit Hagemann. Denn der Lehrer leitet eine Darstellung der letzten Szene mit verteilten Rollen an, die der „begabte Hund“ Hagemann als Faust mit einem verzweifelten Blick eröffnet. Für Gaudium sorgen auch der Waldorfschüler als Mephisto mit herausgestreckter Zunge und die Ohnmacht von Fräulein Heel als Gretchen. Das Publikum verabschiedet Helmschrot mit tosendem Applaus und großem Jubel. Der bedankt sich bei allen Mitspielern aus dem Publikum.

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