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Prozess am Amtsgericht

13.02.2020

Beziehungsstreit in Leipheim endet vor Gericht

Wegen einer Ohrfeige musste sich ein 25-Jähriger vor Gericht verantworten.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Obwohl eine junge Frau den Strafantrag gegen ihren Verlobten zurückzog, bleibt es bei der Anklage.

Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr: Die Anklage gegen einen 25-Jährigen war nicht von Pappe. Davon blieb nach der Verhandlung nicht mehr viel übrig. Vor Gericht machte das Opfer eines Beziehungskonflikts keine Aussage. Die junge Frau hat sich mit dem Täter, mittlerweile ihr Verlobter, wieder versöhnt. Verurteilt wurde der Angeklagte nur noch wegen einer Ohrfeige.

Was war passiert? Im April vergangenen Jahres war es zum heftigen Streit des Pärchens im Bereich der Autobahn-Raststätte Leipheim gekommen. Nach Aussage einer Zeugin, die zusammen mit dem Opfer in der Lokalität arbeitet, hatte der Angeklagte die Frau per Kurznachricht zum Treffen nach draußen bestellt.

Geschlagen und getreten

Dort ging es dann zur Sache. Laut Anklage kam es zwischen dem 25-jährigen Maurer und seiner damaligen Freundin, beide aus einer Stadt im nördlichen Landkreis, zur handgreiflichen Auseinandersetzung. Er soll die Frau gegen die Wand des Raststätten-Gebäudes gedrückt, sie mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und getreten haben. Außerdem habe er seine Partnerin aufs Übelste beleidigt. Damit nicht genug: Er hätte die 22-Jährige mit seinem Auto verfolgt und sie später auf einer Straße bis zum Stillstand ausgebremst, strafbar als Nötigung im Straßenverkehr.

Beziehungsstreit in Leipheim endet vor Gericht

Dann die Überraschung: Verteidiger Felix Dimpfl (Augsburg) regte sofort eine Einstellung des Verfahrens an. Sein Mandant habe sich mit der Geschädigten noch im vergangenen Jahr wieder versöhnt. Die Freundin habe in der Kanzlei ihren Strafantrag zurückgenommen: „Beide sind verlobt und planen eine Familie“, sagte der Anwalt, zudem sei sein Mandant nicht vorbestraft.

Der Angeklagte wurde bereits zu einer Geldstrafe verurteilt

Richterin Jessica Huk hatte andere Informationen. Der Angeklagte sei Ende vergangenen Jahres wegen Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, die prompt bezahlt wurde. Für die Staatsanwältin kam eine Einstellung trotz des Verzichts des Opfers auf die Strafverfolgung nicht in Betracht: „Da wird noch genug übrig bleiben.“ Weil sein Mandant die Nötigung eingeräumt hatte, sei das im Strafbefehl verhängte einmonatige Fahrverbot zu viel, erklärte der Anwalt. Die Geschädigte selbst hatte als Verlobte des Angeklagten Aussageverweigerungsrecht und machte als Zeugin keine Angaben zu der Attacke. Als Richterin Huk das ärztliche Attest und eine Aussage des ermittelnden Polizisten verlesen wollte, griff Anwalt Dimpfl erneut ein und beanstandete die Verwertbarkeit.

Die Arbeitskollegin als einzige Zeugin des Vorfalls beschrieb, dass sie gesehen habe, wie der Angeklagte das Opfer zum Auto gezogen und sie beschimpft habe. Sie hielt aber Abstand zu den beiden, weil die Freundin geschrien habe, sie solle wegbleiben und weil der Mann „aggressiv“ auf sie gewirkt habe. Als die Freundin wenig später zurückkam, habe die Zeugin bei ihr Nasenbluten bemerkt.

Nur die Ohrfeige blieb von der Anklage übrig

Mit Zustimmung der Staatsanwältin wurden auf Antrag des Anwalts die Anklagepunkte Beleidigung und Nötigung eingestellt, weil die Beweislage dafür nicht ausreichte. Für die Körperverletzung forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 40 Euro, also 2400 Euro. Vom ursprünglichen Strafbefehl, gegen den der Angeklagte Einspruch eingelegt hatte, blieb laut Verteidiger nur noch die Ohrfeige übrig, dafür sei eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen angemessen. Bei der Gesamtsumme von 1200 Euro blieb es im Urteil von Richterin Huk. Die Höhe des Tagessatzes schätzte sie auf 40 Euro, da der Angeklagte weder zur Sache noch zu seinem Verdienst Angaben gemacht hatte.

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