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Landkreis Günzburg

19.06.2019

Blumenteppiche zu Ehren Gottes an Fronleichnam

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Die Pfarrgemeinderätinnen und ein Pfarrgemeinderat aus Unterknöringen legten im vergangenen Jahr eine Weltkugel in ihren Blütenteppich am Fronleichnamsaltar an der Grundschule. Für die Unordnung sorgte ein Windstoß. Heuer wird das Team um Rosemarie Brenner den Altar gestalten.
Bild: Sandra Kraus

Am Donnerstag wird Fronleichnam gefeiert. Für Dekan Klaus Bucher ist es ein wichtiges christliches Fest. Wie die Tradition bei der Bevölkerung ankommt und wer sich um die Altäre kümmert.

Eine hartnäckige Nonne des Augustinerordens, Juliana von Lüttich, setzte sich im Mittelalter nach einer Vision gegen alle Widerstände durch und begründete das Fronleichnamsfest, das Katholiken morgen feiern. „Fronleichnam ist nicht zufällig ein Donnerstag, es feiert den wichtigsten Donnerstag des christlichen Jahres, den Gründonnerstag, noch einmal. Und mit einem Leichnam hat es gar nichts zu tun“, erklärt Dekan Klaus Bucher.

Im 13. Jahrhundert, als das Fest entstand, war mit „vron“ der Herr gemeint und mit „lichnam“ der lebendige Leib. Die Gläubigen feierten schon damals, dass die konsekrierte Hostie der Herr selber und damit das Allerheiligste ist. An Fronleichnam ist trotz Prozession die Messfeier das wichtigste.

Dekan Klaus Bucher ist vor der Messer noch immer aufgeregt

„Die Predigt soll kurz sein, ich werde über das Velum, das wertvoll bestickte Tuch, mit dem der Priester die Monstranz anfasst, predigen. Und damit auch über einen ehrfurchtsvollen und bewussten Kommunionempfang“, so Bucher. Als Kind sei ihm Fronleichnam das liebste Fest des ganzen Jahres gewesen, noch heute sei er aufgeregt und ihm sei bange. Wie wird das Wetter? Werden die Menschen kommen? Werden sie so dabei sein, dass Außenstehende erkennen können, dass da Menschen ihren Gott begleiten? „Denn immerhin ist die Fronleichnamsprozession der Staatsbesuch Gottes im Dorf und in der Stadt. Darum die geschmückten Häuser und Straßen.“

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Die Prozession ist in den großen Pfarreiengemeinschaften eine Herausforderung für die Priester. „Sie gehen sehr unterschiedlich damit um. Manche haben einen Diakon oder finden einen Priester, der aushilft, andere halten morgens und abends eine Prozession und vielleicht noch eine am nachfolgenden Sonntag.“ Für Dekan Klaus Bucher passt eine prunkvolle, barock anmutende Prozession sehr gut in unsere Zeit. „Sie zeigt, dass die Kirche, das Volk Gottes unterwegs durch die Zeit ist. Und der Herr geht mit, oft verborgen und kaum wahrnehmbar, aber er ist in der Mitte.“ Darum werde die dünne weiße Brotscheibe, materiell wenige Cent wert, in der kostbaren Monstranz getragen. Am Ende gehe es zurück in die Kirche, „weil wir eben nicht planlos und ziellos durch den Nebel der Zeit irren, sondern wissen, wo unser Leben sein Ziel hat.“

Vereine legen sich mächtig ins Zeug

Der Dekan hat den Eindruck, dass das Fest bei vielen in der Region dazugehört. Musikvereine und Feuerwehren, die Fahnenabordnungen der Vereine, Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen, Mesner und Ministranten würden sich mächtig ins Zeug legen. Vier Altäre müssen es sein, wegen der vier Evangelien und der vier Himmelsrichtungen. In Unterknöringen gestalten Pfarrgemeinderat, Frauenbund, Familie Riß und Familie Schmid jeweils einen Altar. Rosemarie Brenner legte 2010 zusammen mit Marion Findler, Michael Fritz, Felicitas Mader, Irene Zech und Barbara Zinner ihren ersten Blumenteppich. „Wir waren gerade in den Pfarrgemeinderat gewählt worden und übernahmen quasi den Altar, den bis dahin die Turnerfrauen erstellt hatten“, erinnert sie sich. Die Familie Schmid macht seit 35 Jahren ihren Altar und die Familie Riß auch schon ewig.

Am Tag der Prozession, heuer erst am Sonntag, heißt es früh aufstehen, denn drei Stunden müssen eingeplant werden. Der Altar und die weißen Tücher wollen bei Familie Zech geholt werden, um die Birken kümmert sich die Kirchenverwaltung. „Den Teppich, der auf den Stufen liegt, habe ich mit meinem Mann im Internet entdeckt und in München bei einer älteren Dame aus Südtirol gekauft. Am Abend vor Fronleichnam haben wir ihn geholt.“ Aus den eigenen Gärten, den Wiesen und Waldrändern kommt das Blütenmaterial für den Teppich. Je nachdem wie weit die Natur ist, gibt es Rosen, Pfingstrosen, Holunderblüten, Lupinen, Schleierkraut, Schneeball-Strauch, als ganze Blüte oder fein verzupft, aber auch Gräser und Farne.

Das Gras für den Blumenteppich muss über Nacht grün bleiben

Eine heikle Geschichte sei das Gras. „Familie Bissinger aus Oberknöringen mäht für uns am Abend, wenn keine Sonne mehr auf den Rasen scheint. Anschließend wird es auf einer Folie in der Stallgasse ausgebreitet, damit es über Nacht schön grün bleibt.“ Auch sonst heißt es erfinderisch sein.

Für das Gesicht von Maria hat Rosemarie Brenner schon einmal Reis in der Kaffeemühle gemahlen und mit Paprikapulver eingefärbt, ein Gotteslob entstand aus Weizenkörnern und dunkler Erde, für eine Weltkugel wurde Aquariumkies verwendet. Zum Altar der Pfarrgemeinderäte aus Unterknöringen gehört jedes Jahr ein Spruch. „Gemeinsam mit Jesus auf dem Weg“ wird 2019 aus Körnern und Blüten geschrieben werden. „Das sagte Stadtpfarrer Simon Stegmüller bei seiner Vorstellung im vergangenen Sommer. Das passt doch gut zu Fronleichnam“, findet Brenner.

Am Ende landen die Blumen auf dem Kompost

Sie empfindet es als eine Ehre, die Fronleichnams-Tradition pflegen zu können. „Die Blumenteppiche werden zur Ehre Gottes und dem Gefallen der Gläubigen gelegt.“ Da spielt es keine Rolle, wenn nach einigen Stunden die Pracht zusammengekehrt und mit dem Schubkarren auf den Kompost gefahren wird.

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