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Günzburg

24.06.2017

Braucht das Dekanat ein Freizeitheim?

Um die Zukunft der 1200 Meter hoch gelegenen Kahlrückenalpe ging es in Günzburg.
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Um die Zukunft der 1200 Meter hoch gelegenen Kahlrückenalpe ging es in Günzburg.
Bild: Johannes Schneider

Die Zukunft der Kahlrückenalpe löst bei der evangelischen Kirche in Günzburg hitzige Diskussionen aus. Dann wird entschieden.

Es war eine ausgesprochen knappe Entscheidung am Donnerstagabend im evangelischen Gemeindehaus in Günzburg: Dort kam die außerordentliche Dekanatssynode des Dekanatsbezirks Neu-Ulm zusammen, um darüber zu befinden, wie es mit dem evangelischen Freizeitheim Kahlrückenalpe im Oberallgäu weitergehen soll.

Über zwei Möglichkeiten wurde leidenschaftlich diskutiert: Entweder wird das Heim mit 50 Übernachtungsplätzen, das viele der Anwesenden bereits aus der eigenen Jugendzeit kennen, verkauft. Oder aber es wird vorerst weiter betrieben. Nach über zwei Stunden der Rede und Gegenrede und des Austauschs vieler Argumente aus beiden Lagern votierten 43 der 80 Stimmberechtigten für den „befristeten Weiterbetrieb“. 37 Synodale wollten die defizitäre Einrichtung verkaufen.

Mit einem „Vater Unser“ beendete Dekanin Gabriele Burmann die Synode – und mit dem Wunsch, „dass wir uns nicht auseinander dividieren lassen“.

Das sind die Argumente

Pfarrer Friedrich Martin (Günzburg) fasste in seinem Vortrag die Argumente zusammen, die dafür sprechen, das auf 1200 Metern Höhe und weitab vom Verkehr gelegene Heim zu veräußern. Zwischen den Jahren 2011 und 2016 haben Dekanat und Landeskirche erhebliche finanzielle Mittel eingesetzt, um die Etatlücke zu schließen – insgesamt eine Viertelmillion Euro in dieser Zeitspane. „Und was ist, wenn aus München kein Zuschuss mehr kommt?“, fragte Martin.

Er unterfütterte seine Sorge mit dem Rückgang von Kirchensteuermitteln und der Reaktion der Landeskirche, die auf „Profil und Konzentration“ setze. Eine Befragung im vergangenen Jahr habe zudem ergeben, dass der große Teil der Kirchengemeinden im Dekanat die Kahlrückenalpe gar nicht nutze. Wirtschaftlich sei das Heim mit seiner begrenzten Kapazität ohnehin nicht. Und damit nicht genug: Ein Brandschutzgutachten, das zu Beginn dieses Jahres erstellt worden sei, habe gravierende Mängel festgestellt. So entstünden zusätzliche Investitionskosten in Höhe von 150000 Euro.

Das Defizit wurde nie richtig analysiert

Der Unterstützerkreis der Kahlrückenalpe um Pfarrer Tobias Praetorius (Steinheim, Kreis Neu-Ulm) bestritt die Höhe der Mittel, die für einen besseren Brandschutz nötig seien. Ein Vertreter sprach von „maximal 10000“ Euro, die in die Hand genommen werden müssten. Praetorius selbst wunderte sich, warum nun zum Verkauf gedrängt werde. Das jährliche Betriebskostendefizit zwischen 50000 und 60000 Euro sei bislang zwar immer wahrgenommen, aber nie richtig analysiert worden. Die Befürworter für einen vorübergehenden Weiterbetrieb sprachen von zu hohen Personalkosten, die man senken müsse.

Außerdem sei das Haus bislang nur verwaltet worden – aber nicht bewirtschaftet und auch nicht ansprechend beworben. Dabei sei das einsam gelegene Freizeitheim ein idealer Standort beispielsweise für Erlebnispädagogik. Der Unterstützerkreis will dies alles angehen und in den kommenden drei Jahren weg von den roten Zahlen kommen.

Und noch ein Argument fürs Weitermachen: Eine Verkaufsabsicht bedeute noch lange nicht, dass es auch einen Käufer gebe. Ein Leerstand gehe ins Geld, „ohne davon irgendeinen Nutzen zu haben“.

Soweit kam es ohnehin nicht. Die Kahlrückenalpe gehört – in den kommenden Jahren zumindest – weiter dem Dekanat.

Das Dekanat Neu-Ulm 55000 Protestanten leben im Dekanat, das den Kreis Neu-Um und die Altlandkreise Günzburg und Dillingen umfasst. Sieben Dekanatsbezirke bilden den Kirchenkreis Augsburg. Sechs Kreise gibt es in Bayern.

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