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Eishockey-Landesliga

07.10.2019

Burgauer Eisbären beißen sich vor Gericht durch

Eishockey ist harter Kampf; entsprechend viele Spieler (hier der Burgauer Mario Seifert) vertrauen auf einen Zahnschutz. Im übertragenen Sinn durchgebissen haben sich die Eisbären nun vor Gericht. Sie – und alle anderen Landesligisten – dürfen ab sofort beliebig viele EU-Ausländer einsetzen.
Bild: Ernst Mayer

Die in Bayern geltende Beschränkung auf zwei EU-Ausländer ist aufgehoben. Der ESV Burgau startet nun mit vier Kontingentspielern in die Runde. Ein Neuzugang ist dabei.

Der einige Jahre schwelende Streit um den Einsatz von EU-Ausländern in den bayerischen Eishockeyligen ist zunächst einmal beendet. Das Landgericht München I kippte die bisher bestehende Regelung in den Durchführungsbestimmungen des Bayerischen Eissport-Verbands (BEV).

Gericht verweist auf DEB-Spielordnung

In einem Passus dieser Bestimmungen hieß es: In der Landesliga dürfen maximal zwei sogenannte transferkartenpflichtige Spieler pro Spiel eingesetzt werden, so lange keine anders lautende gerichtliche, rechtskräftige Entscheidung über den Einsatz von transferkartenpflichtigen Spielern vorliegt. In ihrem Urteil vom 30. September kippte die zuständige Richterin beim Landgericht München I diesen Teil der Durchführungsbestimmungen des BEV nun. In ihrer Urteilsbegründung wies sie auf die Regelungen der Spielordnung des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) in den Artikeln 60 Ziffer 2 und Ziffer 5 hin, die der BEV zu beachten habe. In Artikel 60 Ziffer 2 steht, dass transferkartenpflichtige Spieler nur in begrenzter Anzahl eingesetzt werden dürfen. Die Ziffer 5 des Artikels 60 sagt allerdings, Ziffer 2 sei nicht anwendbar auf transferkartenpflichtige EU-Gemeinschaftsangehörige und ihnen nach dem EU-Recht gleichgestellte Personen, sofern sie Senioren-Spieler sind.

BEV-Präsident räumt Niederlage schriftlich ein

BEV-Präsident Dieter Hillebrand reagierte mit einem Schreiben an alle Vereine der beiden bayerischen Eishockey-Landesligen auf das Urteil. „Das heißt für alle Mannschaften der Landesliga, dass es ab sofort keine Beschränkung der transferkartenpflichtigen Spieler mehr gibt“, formulierte er wörtlich.

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Gegen die Durchführungsbestimmungen geklagt hatte der ESV Burgau. Die Markgräfler bekamen dabei Unterstützung der Vereine aus Hassfurt und Waldkirchen. Da keine Sammelklagen möglich sind, trat der ESV Burgau als alleiniger Kläger auf. Vereinschef Werner Gebauer erklärt das Vorgehen: „Wir wollten endlich Klarheit und darum haben wir geklagt.“

In der vergangenen Saison durften die Burgauer in der Vorrunde der Landesliga mit beliebig vielen Ausländern antreten. In der Verzahnungsrunde mit den Bayernligisten um den Aufstieg waren dann plötzlich nur noch zwei Kontingentspieler erlaubt.

Vor ihrem Gang vor ein ordentliches Gericht wären die Burgauer auch zu Kompromissen bereit gewesen. Gebauer sagt dazu: „Bei den gemeinsamen Tagungen von Landes- und Bayernligisten gab es keine Kompromissbereitschaft der anderen Vereine und so blieb uns nur dieser Weg.“ Eine Möglichkeit für einen Konsens wäre aus seiner Perspektive gewesen, dass Spieler, die seit zwei Jahren bei einem Verein aktiv sind, nicht unter die Ausländerregelung fallen. Doch darauf wollten sich die anderen Teams nicht einlassen.

Ein Ungar ist neu im Kader

Die Eisbären werden in die am 11. Oktober beginnende Saison mit den vier EU-Ausländern David Zachar, David Ballner (beide Tschechien), Bence Makovics (Ungarn) und Stefano Coco (Italien) gehen. Neu im Kader ist nur Bence Makovics, der den Eisbären mehr oder weniger zuflog. Der 19-Jährige Angreifer zog mit seinen Eltern nach Langenau, arbeitet in der Region und will in Burgau seinem Hobby nachgehen. „Nach der alten Regelung hätten wir ihm sagen müssen, dass er nicht für uns spielen darf“, freut sich Gebauer auf den jungen Ungarn. Makovics spielte schon als Jugendlicher in Deutschland. In der Saison 2016/2017 ging er für die U18-Junioren der Starbulls Rosenheim aufs Eis.

Auch Martin Reichert, Vorstandsmitglied des ESC Hassfurt, ist über die neue Regelung froh. Für ihn war die alte Regelung nicht zeitgemäß: „Man stelle sich vor: Ein Kind von ausländischen Eltern wächst hier auf, spielt im Verein Eishockey und darf dann nicht in der ersten Mannschaft aufs Eis, weil der Heranwachsende nur einen Pass aus einem anderen Land hat.“

Konkurrent Neu-Ulm glaubt nicht an Panikkäufe

Seitens des Burgauer Landesliga-Konkurrenten Devils Ulm/Neu-Ulm wurde unterdessen einmal mehr betont, dass sich mit Ausnahme der drei genannten Vereine alle anderen klaglos an die bisherige Vereinbarung gehalten hätten. Geschäftsführer Patrick Meißner rechnet auch jetzt nicht mit Panikkäufen: „Das große Wettrüsten wird frühestens im Dezember losgehen“, ist er überzeugt. Bis zum 15. Oktober ist das erste Transferfenster offen. Danach gibt es erst im Dezember wieder die Chance, neue Spieler zu verpflichten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Uli Anhofer:

Ausländerregelung im Eishockey: Das ist gelebte Integration

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