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Landkreis Günzburg

01.05.2020

Christine Jaschek und ihr Wort zu Corona: „Ich klatsche für alle Eltern und Kinder“

Christine Jaschek ist als Coach für Eltern tätig – und Mutter.
Bild: Iris Wagner-Hoppe

Christine Jaschek weiß als zweifache Mutter, was das zu Hause für eine Leistung der Beteiligten ist.

Bekannte und weniger bekannte Menschen aus dem Landkreis Günzburg geben ihr ganz persönliches Statement in Corona-Zeiten ab. Heute schreibt Christine Jaschek, die als Coach arbeitet und da vor allem mit Eltern zu tun hat.

"Sechs Wochen Kinderbetreuung und Homeoffice, Kurzarbeit oder Arbeit in systemrelevanten Berufen liegen hinter uns. Inzwischen haben wir uns an die Situation gewöhnt und jeder hat seine Strategien entwickelt, damit umzugehen. Auch ich bin mit meinen beiden Mädchen seitdem ununterbrochen zuhause. Mein Mann geht täglich zur Arbeit, da er in einem systemrelevanten Bereich arbeitet.

Der gewohnte Alltag kehrt erst spät zurück

Unsere beiden Mädchen gehen in den Kindergarten und werden nach den aktuellen Plänen zu den Letzten gehören, die wieder in ihren gewohnten Alltag zurückkehren dürfen. Ich arbeite aus dem Homeoffice und bin sehr froh, dass ich mich schon vor der Corona-Zeit auf eine Arbeit sowohl online wie offline konzentriert habe.

So habe ich die technische Ausstattung und die Möglichkeit, viele Gespräche online zu machen. Natürlich muss das alles terminlich mit der Kinderbetreuung passen, sodass ich viele Termine in die Nachmittags- und Abendstunden lege. Auch so kann Vereinbarkeit von Familie und Beruf aussehen und diese Flexibilität wird gerade von uns Eltern sehr gefordert.

Ich finde es ist Zeit, uns Eltern zu loben und auch für uns zu klatschen. Wir geben alles, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Wir arbeiten und kümmern uns gleichzeitig um unsere Kinder ohne unsere gewohnte Unterstützung aus Kindergarten, Schule, Großeltern, Tagesmütter und so weiter.

Corona: Die Situation ist anstrengend und zehrt an den Kräften

Wichtig ist es, in dieser Zeit nicht perfekt zu sein, sondern für uns und unsere Familie alles so gut wie möglich zu regeln. Es darf eine Fertigpizza sein, wenn die Zeit nicht zum Kochen gereicht hat. Nehmt einfach den Druck raus – es muss für euch und eure Familie gut sein und nicht für andere. Die Situation ist anstrengend und Kräfte zehrend genug. Die Familie und jeder einzelne in der Familie zählen im Moment und niemand anderes!

Ich klatsche für alle Eltern, die momentan unter extremen Bedingungen ihr Bestes geben. Eltern, die jeden Tag wieder neu mit guter Laune aufstehen, für ihre Kinder da sind; jeden Tag neue Ideen haben, was es zu essen geben soll, das gleiche Spiel zum ungezählten Mal spielen und trotzdem voll bei der Sache sind; mit den Kindern über das Gleiche lachen oder mit ihnen weinen oder jeden Konflikt meistern. Ich klatsche für alle Eltern, die sich jeden Tag von ihren Kindern überraschen lassen, weil sie immer neue Seiten zeigen oder mit ihnen zusammen die Welt entdecken.

Ganz wichtig ist mir jedoch auch der Blick auf unsere Kinder. Ich klatsche deshalb für alle Kinder. Sie meistern diese Zeit so toll! Sie sind seit Wochen zuhause, dürfen die Großeltern nicht persönlich sehen, sondern meistens nur über Videotelefonie, dürfen nicht mit ihren Freunden spielen, lachen und toben, dürfen nicht in den Kindergarten und die Schule und müssen auf ihre Hobbys verzichten. Sie verstehen vieles in dieser aktuellen Lage – aber nicht alles.

"Kinder zeigen uns, wie man am besten mit der Situation umgeht"

Ein nicht sichtbares Virus ist für viele auch eine nicht fassbare Gefahr, für die sie keine Vorstellung entwickeln können. Und trotzdem akzeptieren sie diese Situation so prima, dass sie unsere volle Bewunderung verdienen. Die Kinder zeigen uns vor allem, wie man am besten mit so einer Situation umgeht. Sie machen weiter, lassen sich nicht unterkriegen und sind in ihrer Lebenslust kaum zu bremsen. Sie lachen, spielen, singen, tanzen und rennen und zeigen uns jeden Tag wie schön die Welt ist.

Überlassen wir nicht den negativen Gedanken und Emotionen die Bühne. Geben wir diese Bühne dem Stolz und der Freude darüber, wie wir diese Ausnahmesituation meistern. Irgendwann werden wir uns an diese Zeit erinnern und uns vielleicht zurück wünschen in eine Zeit der verordneten Ruhe. Wann werden wir wieder in einer Situation leben, in der wir nur wenig „müssen“? Wann werden wir wieder Termine auf das Nötigste reduzieren und den Druck und Stress so auf ein Minimum reduzieren? Nutzen wir diese doch einmalige Chance für uns und unsere Familie."

Zur Person: Christine Jaschek, 38, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als diplomierte Kauffrau war sie in verschiedenen Leitungspositionen tätig und arbeitet heute als Coach für Eltern in dem Themenbereich Familie und Beruf. Sie wohnt mit ihrer Familie in Oberwaldbach.

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