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Landkreis Günzburg

25.11.2020

Corona-Inzidenz im Kreis eine der höchsten in Deutschland: Warum wird nicht reagiert?

Dies ist der Sitzungssaal für den Günzburger Kreistag beziehungsweise seine Ausschüsse. Derzeit nutzen den Saal zahlreiche Mitarbeiter des Landratsamtes, die mit der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt sind.
Bild: Peter Bauer (Archiv)

Der Landkreis Günzburg gehört hier zu den „Spitzenreitern“ in Deutschland. Die Kreisverwaltung hat bislang aber nicht darauf reagiert. Die Behörde erklärt die Gründe.

Die Corona-Zahlen steigen im Kreis Günzburg weiter: Das Landesamt für Gesundheit hat am Mittwoch 1973 Fälle gemeldet, 55 mehr als am Tag zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 310,96 – aber die Todeszahlen bleiben mit 26 konstant. An der Kreisklinik Günzburg sind fünf Corona-Patienten auf Intensiv, alle beatmet, auf der Isolierstation sind es auch fünf. In Krumbach sind es drei auf Intensiv, ebenfalls alle beatmet, auf der Isolierstation liegen zehn Patienten.

Auch im BRK-Seniorenzentrum St. Michael Krumbach sind mehrere Bewohner und Mitarbeiter infiziert. Tests dauern an, genaue Zahlen konnten am Mittwoch noch nicht genannt werden. Das Haus steht seit Samstag unter Quarantäne, Besucher dürfen nicht rein. Ausnahmen gibt es für Patienten, die im Sterben liegen, so Daniel Freuding, BRK-Kreisgeschäftsführer. Sie dürfen nach Absprache besucht werden.

Die Fachklinik Ichenhausen fährt wegen Corona die Belegung herunter

Indes ist die Zahl der Patienten in der Fachklinik Ichenhausen, die mit Corona infiziert sind, gestiegen. 26 seien es, teilte die Einrichtung am Mittwoch mit. Infizierte Mitarbeiter seien in Quarantäne. „Bisher haben ein striktes Hygieneregime und umfassende Kontrollen ausgereicht, um gut durch die zweite Welle zu kommen“, erklärt Stefan Krotschek, der Kaufmännische Direktor. Durch den massiven Corona-Anstieg im Landkreis seien nun aber auch die Fallzahlen in der Klinik gestiegen.

Die Ursache seien vor allem asymptomatische, also klinisch unauffällige Patienten, Besucher und Mitarbeiter, die ein Infektionsrisiko darstellten. Großflächige Tests liefen und die Versorgung mit Schutzausrüstung sei stabil. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt habe sich die Klinikleitung dazu entschieden, präventiv die Belegung herunterzufahren.

Es muss kein Aufnahmestopp verhängt werden

„Selbstständige Patienten, die im Rahmen einer AHB-Maßnahme (Anschlussheilbehandlung, Anmerkung der Redaktion) oder eines Heilverfahrens stationär sind, werden in den nächsten Tagen nach Hause entlassen. Damit wollen wir das Infektionsrisiko reduzieren und nicht erkrankte Patienten und Mitarbeiter schützen.“

Dank der guten und schnellen Abstimmung zwischen den Verantwortlichen und den Behandlungsteams sei die Fachklinik in der Lage, die stationären Kapazitäten optimal zu nutzen. Es müsse kein Aufnahmestopp verhängt werden. „Da wir in enger Kooperation mit im Umkreis liegenden Einrichtungen stehen, ist gewährleistet, dass schwer betroffene neurologische Patienten der Phase B und C sowie geriatrische Patienten aus umliegenden Akutkliniken aufgenommen werden können, um sie zu entlasten.“

Warum das Landratsamt Günzburg nicht auf die hohe Corona-Inzidenz reagiert

Angesichts der steigenden Zahlen im Landkreis hat unsere Zeitung das Landratsamt zu Hintergründen und Reaktionen befragt. Es antwortet Pressesprecherin Jenny Schack:

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Günzburg ist am Dienstag über den Wert von 300 gestiegen. Auch die Corona-Zahlen an sich steigen immer weiter. Der Landkreis gehört damit zu den „Spitzenreitern“ in Deutschland. Worauf führt das Landratsamt die steigenden Werte zurück?

Es gebe in den Gemeinden keine Hotspots, aber eben sehr viele Fälle in den Gesundheitseinrichtungen – ein Drittel oder mehr hänge mit diesen zusammen. Würde man sie rausrechnen, liege der Landkreis im Mittelfeld. Durch viele Tests werde auch viel auf einmal entdeckt, „wir sind da sehr hinterher“.

Andere Städte und Landkreise in der Region mit niedrigeren Werten haben längst eine Maskenpflicht in Fußgängerzonen und auf belebten Plätzen verhängt – im Kreis Günzburg gibt es sie nach wie vor eigentlich nur auf den Wochenmärkten. Warum reagiert das Landratsamt Günzburg hier anders?

Eine Maskenpflicht gebe es auch in Warteschlangen, etwa vor dem Bäcker. Sonst gebe es bis auf die Märkte keine, weil man in Absprache mit der Polizei und den Bürgermeistern zu der Erkenntnis gekommen sei, dass es im Landkreis keine Stellen gebe, an denen es ein solches Gedränge gibt, das ein Einhalten der Abstände nicht ermöglichen würde.

Die Großstadt Augsburg ist nicht mit dem Landkreis Günzburg zu vergleichen

Die Stadt Augsburg musste wegen eines Inzidenzwerts von über 300 den Teil-Lockdown vorziehen und hatte schon davor strengere Maßnahmen beschlossen. Im Kreis Günzburg sind bislang keine weitergehenden Maßnahmen beschlossen worden. Warum nicht?

Die Antwort würde wie die vorherige lauten. Aber in einer Großstadt seien die Gegebenheiten anders und nicht eins zu eins übertragbar. Was das Landratsamt für sinnvoll erachte, um das Infektionsgeschehen zu beherrschen, tue es.

Sind angesichts des Inzidenzwerts nun Verschärfungen im Landkreis geplant? Falls ja, welche?

Nein, derzeit nicht. Aber man fahre auf Sicht und müsse gegebenenfalls auf eine neue Situation anders reagieren.

Wann wäre für das Landratsamt der Punkt gekommen, um stärker zu regulieren?

Wenn das Infektionsgeschehen weiter stark steigen oder keine Stabilisierung eintreten würde. Wie man dann reagiere, könne man nicht per se sagen. Aber wenn sich die Lage in den Gesundheitseinrichtungen beruhigt, werde die Inzidenz sinken. Dann seien strengere Maßnahmen nicht zu begründen. (mit abi, zg)

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27.11.2020

Der Bürger jedenfalls ist dankbar für den nüchternen Sachverstand der Entscheider im LRA Günzburg und ihren Mut.

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