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Günzburg

31.07.2020

Das alte Günzburger Volksfest wird im Kopf wieder lebendig

Seit 25. Juni stehen auf der Wiese neben der Jahnhalle ein Mandelwagen und ein Kinderkarussell. Bei den älteren Günzburgern werden Kindheitserinnerungen wach. Dort, im ehemaligen Stadtgarten, wurde bis 1964 das Günzburger Volksfest gefeiert. In diesem Jahr mussten die Feierlichkeiten abgesagt werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Wie ein Kinderkarussell und ein Mandelwagen an der Jahnhalle die Kindheitserlebnisse an das alte Günzburger Volksfest wach rufen. Drei Frauen erinnern sich. Im Artikel: ein Video.

Superman, Schwan und Micky Maus drehen sich im Karussell, die Mädchen und Buben jubeln und jauchzen. So nah und doch so fern ist das Günzburger Volksfest in diesen Tagen. Denn das Fahrgeschäft und der Mandelwagen an der Jahnhalle wecken Erinnerungen.

Auch das Günzburger Volksfest, das vom 7. bis 16. August geplant war, musste aufgrund der Corona-Bestimmungen bereits Ende April abgesagt werden. Dabei findet die traditionelle Veranstaltung erst seit 1965 im Norden der Stadt auf dem Festplatz am Auweg an der Donau statt. Bis einschließlich 1964 fand es im sogenannten „Stadtgarten“ statt, auf der Wiese zwischen Jahnhalle und heutigem Landratsamt.

Das Volksfest war vor der Tür

Und genau daran erinnern sich noch viele Günzburger – allerdings müssen sie vor 1960 geboren sein. Für Trudl Götz (92 Jahre) und ihre Tochter Gabi Beer (62) trifft das zu. Ihr Elternhaus in der Jahnstraße (heute Firma Andrusch) liegt genau am Eingang zur Festwiese. „Als Ende Juni das Kinderkarussell und der Mandelwagen aufgebaut wurden, habe ich sofort wieder an meine Kindheit gedacht“, sagt Gabi Beer. „Da war immer ein riesiger Wal, durch den wir das Fest betreten haben – das weiß auch meine Schwester noch ganz genau“, schwelgt sie in alten Erinnerungen.

Das alte Günzburger Volksfest wird im Kopf wieder lebendig
Trudl Götz und Tochter Gabi Beer freuen sich über die Attraktionen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Damals war die große Wiese südlich der Jahnhalle noch unbebaut. Weder das Forum noch die Gebäude von AOK und Sparkasse sowie das Landratsamt existierten damals. „Dort wurden ja auch große Veranstaltungen wie die Bundesjugendspiele oder Reitturniere abgehalten“, weiß Trudl Götz. Doch welches Fahrgeschäft nun genau an welcher Stelle stand, diese Bilder verblassen inzwischen. Ein echtes Zeitdokument ist eine Filmsequenz aus dem Jahr 1942: Vier Jugendliche überqueren die Jahnstraße auf dem Weg zur Festwiese. „Ein guter Freund meiner Eltern war ein leidenschaftlicher Filmer und hat mich (damals 14 Jahre), meine beiden Geschwister und seinen Sohn schon früh auf Zelluloid gebannt“, sagt Trudl Götz.

Das Günzburger Volksfest fand bis 1964 in der Stadtmitte auf der Festwiese im Stadtpark statt. Dieses Filmdokument der Familie Frick von 1942 zeigt die drei Mädchen der Familie und Vorführungen auf dem Hochseil.
Video: Privatarchiv Götz

„Das war schon eine tolle Zeit für uns“, sinniert Tochter Gabi. „Wir Jugendlichen haben es damals sehr bedauert, dass das Volksfest 1965 aus der Innenstadt verlegt wurde. Viele Mädchen und Buben aus den Nachbardörfern wie Denzingen durften dann nicht mehr alleine zum Fest kommen.“

1950 wurde das Günzburger Volksfest in der Stadt gefeiert.
Bild: Andreas Bettighofer

Gabi Beer hat mit ihren Erinnerungen auch ein Stück Familiengeschichte von Angela Weiss wach gerufen. Sie ist es, die seit 25. Juni mit Fahrgeschäft und Mandelwagen etwas Volksfest-Atmosphäre in die Innenstadt von Günzburg gebracht hat. Die Tochter einer Augsburger Schaustellerfamilie suchte nach den Absagen aller Festveranstaltungen nach Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

„Ich muss eine Familie mit drei Kindern ernähren. Von was sollten wir denn leben, wenn nichts mehr stattfindet?“ Günzburg sei der einzige Ort gewesen, der ihr den Betrieb erlaubt habe. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Erstens, weil der Platz auf der alten Festwiese optimal gelegen ist, und zweitens, weil ihr Großvater hier 20 Jahre lang mit Kasperltheater und Kindereisenbahn die Jüngsten glücklich machte. Nun ist wenigstens ein bisschen was los. Karussell für die Kleinen und Süßes für alle Generationen.

Christian Weiss desinfiziert die Fahrgondeln nach jeder Runde.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ihr Mann Christian und die Kinder helfen auch mit. „Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Angela Weiss. Aber immerhin reicht es, um während der Corona-Einschränkungen über die Runden zu kommen.

a.tv strahlt einen Beitrag darüber von Wera von Witzleben am 3., 4. und 5. August in den Nachrichten um 18 Uhr sowie in der Sendung „Hallo Günzburg“ am Mittwoch, 2. September, um 18.30 Uhr aus.

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