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Ichenhausen

19.05.2015

Dem Dilldappersaal droht das Aus

„Pete York´s Jazz Party“ mit Klaus Koch, Bernhard Pichl, Rocky Knauer und Pete York spielte im Dezember 2004 im Dilldapper – wird es solche kulturellen Leckerbissen künftig nicht mehr in Ichenhausen geben?
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„Pete York´s Jazz Party“ mit Klaus Koch, Bernhard Pichl, Rocky Knauer und Pete York spielte im Dezember 2004 im Dilldapper – wird es solche kulturellen Leckerbissen künftig nicht mehr in Ichenhausen geben?
Bild: Pia Henderkes-Loeckle (Archiv)

Hotelier Georg Abt will drei Ferienwohnungen einbauen. Planungsrechtlich ist das in Ordnung, aber die Stadträte waren nicht begeistert. Die Stadt hat ein Kaufangebot bekommen.

Der Schock kam am Ende der Sitzung beim letzten Tagesordnungspunkt: Der Dilldappersaal im Weißen Ross, Veranstaltungsort für Familienfeiern, Kinovorführungen mit besonderem Charme, Theaterabende, Poetry Slams und andere Kulturveranstaltungen auch außerhalb des Mainstreams, soll zu Ferienwohnungen umgebaut werden. Dritter Bürgermeister Hubert Schuler meinte: „Jammerschade!“ Stadträtin Heike Glassenhart: „Ich bin schockiert!“ Bauplanungsrechtlich kann die Stadt aber nichts dagegen tun.

Der Bauantrag auf Nutzungsänderung war am Freitag im Stadtbauamt eingereicht worden. Am Montagabend hatte Bürgermeister Robert Strobel ihn zwar in seiner Mappe, jedoch nicht auf der Tagesordnung zur Bauausschusssitzung.

Als Georg Abt, SPD-Stadtrat und Besitzer des Hotels Weißes Ross samt Dilldappersaal, dann beim letzten Punkt „Wünsche, Anträge und Informationen“ nach seinem Antrag fragte, holte Strobel die Papiere aus seinem Ordner und sagte: „Wir sind entscheidungsreif.“

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Weil es die Planunterlagen nur in einfacher Ausfertigung gab, umringten die Bauausschussmitglieder den Bürgermeister, um mit betretenen Mienen zu sehen, was im historischen Dilldappersaal geplant ist. Drei Ferienwohnungen will Georg Abt dort einbauen. Die Bauausschussmitglieder gaben mit Ausnahme von Stadträtin Barbara Kempfle dem Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen.

Bauplanungsrechtlich sei alles in Ordnung, sagte Strobel. Der Bebauungsplan Unteres Schloss enthalte für das Areal ein Mischgebiet. Die Erschließung sei auch gesichert, lediglich die notwendigen Stellplätze seien nicht nachgewiesen. Die Stadt, das betonte Strobel mehrfach, habe lediglich die bauplanungsrechtliche Seite des Vorhabens zu beurteilen.

Freilich könne Abt als Unternehmer frei entscheiden, sagte Hubert Schuler, aber um den historischen Dilldappersaal sei es doch schade, auch im Hinblick auf das kulturelle Leben in Ichenhausen. Ähnlich argumentierte Reinhold Lindner: „Der historische Saal hat Bedeutung für Ichenhausen, ich glaube, dass das ein Fehler von ihm (gemeint ist Abt, Anm. d. Redaktion) ist.“ Unternehmerischen Gesichtspunkten – die in der Sitzung nicht zur Sprache kamen: Abt hielt sich aus der Diskussion heraus – stellte Hans-Joachim Hofmann diese Feststellung gegenüber: „So einen Saal sollte man nicht einfach aufgeben.“

Für die Kulturreferentin des Stadtrats, Gabriele Walter, wäre das „ein herber Verlust“, sie sprach gestern von einem „kleinen Juwel“. Abt habe der Stadt angeboten, den Dilldappersaal zu kaufen, aber da war nach ihrer Einschätzung „fast kein Interesse da“.

Bürgermeister Strobel bestätigte dieses Angebot von Georg Abt. Die Stadt habe das Gespräch gesucht und sei auch in Kontakt mit der Neuen Bühne, die den Dilldappersaal für ihre Theateraufführungen schätzt. Ebenso wolle er den Verein für Kultur und Naherholung einbeziehen, sagte Strobel. Der Bauantrag sollte auch Thema in der nicht öffentlichen Hauptausschusssitzung am Dienstagabend sein. Das Verkaufsangebot solle voraussichtlich in der Stadtratssitzung Anfang Juni nicht öffentlich beraten werden, sagte Strobel. „Zweifelsohne“ sei der Dilldappersaal „sehr bedeutsam“ und ein herausragender Veranstaltungsort, für einen Kauf aber bräuchte die Stadt ein solides Nutzungskonzept. Und nicht zuletzt laute die Frage auch: „Können wir uns das leisten?“

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