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Ichenhausen

09.09.2019

Denkmaltag: Begehrte Raritäten locken die Besucher nach Ichenhausen

orst Kaden erklärte mit Begeisterung die Funktion der alten Metallverarbeitungsmaschinen im Museum „Zum alten Mayr“.
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orst Kaden erklärte mit Begeisterung die Funktion der alten Metallverarbeitungsmaschinen im Museum „Zum alten Mayr“.
Bild: Gertrud Adlassnig

Zahlreiche Museen und Einrichtungen hatten am Tag des offenen Denkmals geöffnet. In Ichenhausen war es eine ehemalige Werkstatt, die besondere Einblicke gewährte. In Wettenhausen faszinierte die alte Mühle die Besucher.

Beim Tag des offenen Denkmals hatten am gestrigen Sonntag zahlreiche Einrichtungen in der Region ihre Tore geöffnet. Die Stadt Ichenhausen konnte gleich mit zwei Attraktionen aufwarten. Die ehemalige Werkstatt von Anton Gottfried Mayr, die von seiner Enkelin Birgit und ihrem Mann zu einem kleinen Museum umgebaut worden war, stand schon ab 10 Uhr morgens für Besucher offen.

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Horst Kaden ließ es sich nicht nehmen, jedem, der sich für die motorgetriebenen Geräte aus der Zeit um 1900 interessierte, eine Privatführung zu geben. Mit einem Zwei- PS-Motor wurde die gesamte Werkstatt des Mechanikermeisters am Laufen gehalten.

Der Hersteller würde die alte Maschine gerne zurück haben

Über Wellen und Transmissionsriemen konnten die einzelnen Maschinen in Bewegung gesetzt werden. „Die waren für ihre Zeit sehr modern,“ erklärt Kaden, „sie hatten bereits einen Leerlauf und mussten, wenn sie nicht benötigt wurden, nicht vom Antriebsriemen genommen werden.“ Ganz besonders stolz sind die Nachfahren des „alten Mayr“ auf eine Bohrmaschine aus Cincinnati aus dem Jahr 1891. „Die Hersteller würden sie gerne zurückhaben, weil es wohl keine mehr gibt. Aber das Schätzchen geben wir nicht her.“

Denkmaltag: Begehrte Raritäten locken die Besucher nach Ichenhausen

Es steht neben der motorbetriebenen Feile, an der Horst Kaden vorführt, wie die Maschine schon vor mehr als 100 Jahren die schwere Handarbeit in der Metallbearbeitung erleichtern konnte. Dennoch ist die Werkstatt des „Alten Mayr“ keine Manufaktur oder Fabrik. Hier wurden bis in die 1960er Jahre Einzelanfertigungen vorgenommen und kaputte Stücke repariert, weshalb Anton Mayr seine Werkstatt sogar mit einer keine Esse zum Schmieden von Eisenteilen ausgestattet hat.

In den Fassaden steckt viel Handarbeit

Besondere Handarbeit steckt auch hinter den Fassaden, die Stadtarchivarin Claudia Madel-Böhringer einer trotz des unwirtlichen Wetters erstaunlichen großen Gruppe von Interessenten im Rahmen eines Stadtrundgangs nahebrachte. Die promovierte Kunsthistorikerin nahm das vom Jubiläumsjahr Bauhaus inspirierte Jahresmotto des Denkmaltages ernst und brach es auf die Möglichkeiten der Stadt Ichenhausen herunter. „Als Gestriges modern und Marodes neu war – Neuerungen von einst im Ichenhausener Stadtbild“ nannte sie ihre Führung, die am Haus eines ehemaligen Seifensieders begann, der einen im Stil des Historismus 1905 gezeichneten Erweiterungsplan für sein Haus Heinrich-Sinz-Straße 4 beim Bau 1906 nach damals modernsten Kriterien umwandelte und somit das erste Beispiel von Jugendstilarchitektur in Ichenhausen schuf.

Sie wolle den Blick ihrer Gäste für die Besonderheiten und Entwicklungen in der Architektur in der Stadt schärfen, betonte Claudia Madel-Böhringer und verwies darauf, dass der Umbruch nicht allein in der Architektur stattfand, sondern sich auch ein neues Zeitalter in Politik und Wirtschaft entwickelte.

Anhand der neuen Post in der Bahnhofstraße erläuterte die Kunsthistorikerin eine weitere Epoche, die sich im Bild der Stadt widerspiegelt. Der Bau von 1927 zeigt eine neue, vom Bauhausstil geprägte Sachlichkeit, die aber durchaus Eleganz aufweist. Diese entsteht nun nicht mehr durch Ornamentik, wie in bestem Vergleich mit dem Nachbarhaus zu sehen ist, sondern durch klare Linien und die Verwendung wertvoller Materialien.

Das Postamt in Ichenhausen wurde nur wenig verändert

Durch die Reichspost – auch sie das Ergebnis tiefgreifender politischer Veränderungen - deren Bauamt in München war, werden landesweit neue Postämter gebaut, die posteigenen Architekten entwickeln die sogenannte „bayerische Postschule“, deren einziges erhaltenes Beispiel im Landkreis das nur wenig veränderte ehemalige Postamt am Bahnhof in Ichenhausen ist. Danach flüchtete sich die Besuchergruppe ins Museum, um dem immer stärker werdenden Regen zu entkommen.

Der hatte auch den Radlern zugesetzt, so dass weit weniger von ihnen im Rahmen des Donautal Radelspaßes nach Wettenhausen kamen, als erwartet. Denn auch das Kloster war eine Anlaufstelle. Doch die Angebote in den geschlossen Räumen, die den zweiten Tag des Kulturfestivals unter dem Motto „Klostersesam öffne dich“ mit Workshops und Führungen prägten, wurden wieder begeistert angenommen. Vor allem die alte Mühle des Klosters Wettenhasuen faszinierte die Besucher.

Lesen Sie dazu auch: Das Kloster Wettenhausen feierte ein zweitägiges Festival

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